Ulf Schiewe – Der Schwur des Normannen

AutorUlf Schiewe
TitelDer Schwur des Normannen
SerieRobert Guiscard Band 3
Seitenzahl443
VerlagKnaur
ISBN978-3.426-51640-9
Bewertung

Achtung: Diese Rezension enthält kleinere Spoiler zu Das Schwert des Normannen und Die Rache des Normannen!

Inhalt
Süditalien, 1054: Nach den Ereignissen in Salerno hat Gilbert seinen Dienst bei seinem Herrn und Ziehbruder Robert Hauteville, genannt Guiscard, das Schlitzohr, aufgekündigt. Besonders, seit er erfahren hat, dass er zwischenzeitlich Vater geworden ist, hält ihn nichts mehr davon ab, seine Geliebte Gerlaine zu suchen, die von muslimischen Sklavenhändlern entführt wurde. Doch wo soll Gilbert mit der Suche beginnen? Der junge Mann erhält Unterstützung von verschiedenen Seiten, und so begibt er sich nach Sizilien, dem Reich der Sarazenen, wo er weitere Hinweise über die Identität der Piraten zu finden hofft. Sein einziger Anhaltspunkt ist der Hinweis auf eine besondere Tätowierung…

Meine Meinung
Während es in den ersten beiden Bänden um historische Ereignisse aus dem Leben Robert Guiscards ging, in denen der fiktive Charakter Gilbert Le Porchon mitgemischt und den Erzähler gegeben hat, geht es hier überwiegend um Gilberts eigene Erlebnisse. Diese sind zwar zum Großteil frei erfunden, basieren aber auf Tatsachen wie dem Sklavenhandel im Mittelmeerraum und der Besiedelung Siziliens durch die Sarazenen. Dabei wird wieder viel Hintergrundwissen vermittelt, auch wenn einige historische Ereignisse aus dramaturgischen Gründen zeitlich verschoben wurden.
Die Abenteuer selbst sind spannend beschrieben, immer habe ich mit den Helden mitgefiebert. Um wirklich authentisch zu sein spielt das Glück eine zu große Rolle, doch hat mich das hier kaum gestört.
Wie schon in den vorherigen Bänden ist auch Gilbert wieder der Ich-Erzähler des Romans. War mir der erste Band noch zu nüchtern, zu sehr von außen beschrieben, hat Ulf Schiewe hier wie schon im direkten Vorgänger den richtigen Punkt zwischen zu trockener und zu emotionaler Darstellung gefunden, um den Leser mit ihm mitfiebern und mitfühlen zu lassen. Dabei ist Gilbert auch erwachsener geworden, mit seinen vierundzwanzig Jahren muss er wichtige Entscheidungen treffen, von denen das Wohl seines Sohnes oder das Leben seiner Freunde abhängt, ist er doch der Anführer seiner kleinen Truppe. Auch wenn nicht alle diese Entscheidungen besonders glücklich sind, so zieht er daraus doch seine Lektionen.
Die meisten anderen Charaktere, unter ihnen auch Gerlaine, bleiben leider eher blass, da sie nur aus Gilberts Sicht beschrieben werden, dies ist aber bei Ich-Erzählungen keine Seltenheit. Auch wenn es einige Charakter gibt, die man direkt als gut oder böse beziehungsweise den Helden freundlich oder feindlich gesinnt zuordnen kann, so ist dies längst nicht bei allen der Fall. Manche können auch selbst spät im Buch noch überraschen.
Um den Einstieg zu erleichtern oder die Erinnerung zu den ersten Bänden aufzufrischen gibt es hier immer mal wieder einzelne Sätze oder Absätze, die über vorhergegangene Ereignisse aufklären, auf lange und komplexe Erklärungen wird jedoch verzichtet. Dies ist sehr angenehm, war mir doch längst nicht mehr alles präsent. Dennoch würde ich empfehlen, die Vorgänger zunächst zu lesen, weil sonst doch viele Details nicht ganz so leicht nachzuvollziehen sind.
Als Zusatzmaterial sind sowohl eine Karte als auch ein sehr ausführliches Personenregister enthalten, historische Nachbemerkungen vermitteln zusätzliches Hintergrundwissen und klären darüber auf, welche Ereignisse fiktiv und welche historisch belegt sind.

Fazit
Vielleicht haben Gilbert und seine Freunde ein wenig zu viel Glück, als dass dieser Roman vollständig glaubwürdig ist, als Abenteuergeschichte mit historischem Hintergrund funktioniert diese Geschichte aber wunderbar. Wer sich für die Geschichte der Normannen in Italien interessiert, sollte sich diese Reihe genauer anschauen, ich empfehle jedoch, mit dem ersten Band zu starten.

Vielen Dank an den Knaur-Verlag und Lovely Books für das Leserunden-Exemplar!

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