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Julia Kröhn – Distel und Rose

AutorJulia Kröhn
TitelDistel und Rose
Seitenzahl575
VerlagBastei Lübbe
ISBN978-3-404-17306-8
Bewertung

Inhalt
Schottland, 1791: Die junge Engländerin Magdalene hat ihre vertraute Heimat verlassen, um in die schottischen Highlands zu ziehen, zu ihrem Ehemann, den sie kaum kennt und mit dem sie nichts verbindet. Der Kontakt zu den Bewohnern der Highlands lässt ihre Vorurteile der Wildnis gegenüber schrumpfen, doch die Kluft zu ihrem Mann wird immer größer. Doch dann entdeckt sie in der Bibliothek ein altes Pergament, das viele Fragen aufwirft.
1078: Die junge Northumbrierin Aelswith wächst am Hof der schottischen Königin Margaret auf. Doch eines Tages wird sie nach einem Streich von zwei Wanderheilern entführt. Was führen die beiden im Schilde?

Meine Meinung
Romane mit zwei verschiedenen Handlungssträngen zu verschiedenen Zeiten, die durch einen bestimmten Gegenstand miteinander verbunden sind, gibt es nicht gerade wenige. Solche, bei denen beide weit in der Vergangenheit liegen, findet man dagegen eher selten. Doch genau so ein Roman liegt mit Distel und Rose vor.
Während der frühere Handlungsstrang auch für sich gelesen werden kann, nimmt der spätere immer wieder Bezug auf diesen, jedoch nicht in einem solchen Maße, dass er völlig davon abhängig wäre, vielmehr wird hier eine eigene Geschichte erzählt, die auch ohne diesen Bezug funktioniert hätte. Dadurch, dass sich beide Geschichten abwechseln und die Kapitel immer wieder mit Cliffhängern enden, bleibt die Spannung stets auf einem hohen Niveau.
Beide Teile der Handlung behandeln interessante Zeiten, zu denen ich jedoch bisher wenig gelesen habe.
So beschäftigt sich der später spielende Teil mit der Zeit der Clearances, der Umsiedlung der Highlander an die Küsten und der Nutzung der ehemaligen Ackerflächen als Weiden, während der frühere sich mit der Aufklärung eines Geheimnisses beschäftigt, das mit der Nachfolge Macbeth‘ zu tun hat.
In beiden Handlungssträngen scheinen die Rollen klar verteilt zu sein: David als Vertreter der Oberschicht, der die Armen unterdrückt, Seòras als deren Sprachrohr, als Rebell, der in Magdalene, dem naiven Bücherwurm, romantische Vorstellungen weckt. Und im 11. Jahrhundert lernen wir Aelswith als junge, manchmal etwas vorlaute junge Frau kennen, die gegen ein kleines Abenteuer nichts einzuwenden hat, Taraín als jungen, gutaussehenden Wanderheiler, der sehr sympathisch erscheint, aber auch Hlothere, den angelsächsischen Ritter, der die Gruppe verfolgt.
Doch nicht immer ist alles so, wie es zu Beginn den Anschein erweckt, die zu erwartenden Liebesgeschichten eingeschlossen, man darf sich also auf die eine oder andere interessante Wendung freuen. Julia Kröhn spielt hier mit den Erwartungen der Leser, die durch Klischees und typische Romanelemente geprägt sind, und erzählt so eine ganz eigene Geschichte, die weitestgehend stimmig ist, wenn auch die eine oder andere falsche Fährte recht weit hergeholt oder nicht ganz stimmig zu sein scheint. Eine für die Handlung sehr wichtige Frage wird auch nur am Rande beantwortet, so dass man diese sehr schnell überlesen kann. Hier hätte ich mir eine deutlichere Aufklärung gewünscht.
Auch zum Thema Macbeth hätte ich mir mehr erhofft. Es wird zwar gesagt, dass dieser schottische König als sehr grausam beschrieben wird – so erinnert sich Magdalene an Vorführungen von Shakespeares Stück, die ihr Schauer über den Rücken laufen lassen, und Aelswith wird über Ströme von Blut unterrichtet, für die Macbeth verantwortlich gewesen sein soll -, Genaueres wird jedoch nicht gesagt, also wie genau seine Grausamkeit sich geäußert haben, welche Untaten er vollbracht haben soll. Dies muss man also selbst beispielsweise bei Shakespeare nachlesen, um eben dieses Bild zu kennen. Kennt man dies aber nicht, kann auch dieser Ansatz der Rehabilitation nicht funktionieren, der darauf basiert, dass das Bild, das man im Allgemeinen von ihm hat, als Ausgangsbasis genommen wird.
An Zusatzmaterial bietet das Buch eine farbige Karte Schottlands, kurze Hinweise zur Aussprache einiger Namen sowie historische Anmerkungen.

Fazit
Eine interessante Verquickung von zwei Geschichten, die beide ihren Reiz haben und auch alleine stehen könnten. Gerne hätte es bei beiden mehr Details zum historischen Hintergrund geben dürfen. Man sollte sich zumindest am Rande für schottische Geschichte interessieren, denn wer den Roman liest, weil er nette Liebesgeschichten erwartet, könnte enttäuscht werden.

Vielen Dank an Bastei Lübbe und Leserunden.de für das Leserundenexemplar!

Robyn Young – König des Schicksals

AutorRobyn Young
TitelKönig des Schicksals
OriginaltitelKingdom
ÜbersetzerNina Bader
SerieInsurrection Trilogie Band 3
Seitenzahl640
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-7341-0076-5
Bewertung

Achtung: Diese Rezension enthält kleinere Spoiler zu Rebell der Krone und Krieger des Friedens!

Inhalt
Perth, 1306: Gerade einmal drei Monate ist es her, dass Robert Bruce zum König Schottlands gekrönt wurde. Doch er hat nicht viele Anhänger, viele Schotten unterstützen seine Rivalen, die Comyns. Um sich Sympathien der Bevölkerung zu sichern plant er einen Hinterhalt auf die Stadt Perth, die von Aymer de Valence, einem erbitterten Feind Bruce‘, besetzt und schikaniert wird. Doch Bruce befehligt nur tausend Mann, darunter viele Bauern.
In der Nacht vor dem geplanten Angriff wird Bruce‘ Armee selbst angegriffen, viele seiner Männer getötet, andere gefangen genommen, und er selbst kann nur knapp entkommen. War Verrat im Spiel?

Meine Meinung
Mit König des Schicksals liegt der abschließende Band über das Leben des Robert Bruce vor, in dem über die Zeit von 1306 bis 1314 berichtet wird.
Wie schon im zweiten Band wird auch hier auf Rückblicke und die Vorstellung der einzelnen Charaktere weitestgehend verzichtet, man bekommt nur wenige Hinweise darauf, was zuvor geschehen ist. Dies führt zwar dazu, dass man nicht gelangweilt wird, sollte man die drei Bände der Reihe kurz hintereinander lesen, liegt jedoch ein größerer Zeitraum dazwischen oder versucht man gar, diesen Band zu lesen, ohne die anderen zu kennen, fällt der Einstieg doch sehr schwer. Zwar gibt es ein Personenverzeichnis, das sämtliche auftretende Personen, real wie fiktiv, auflistet und kurz ihre Position beschreibt, doch ist dies nicht unbedingt ausreichend, um sie auch richtig einordnen zu können. Aus diesem Grund würde ich dringend empfehlen, diese Trilogie weitestgehend am Stück zu lesen.
Robyn Young auch schafft es auch hier, die Personen menschlich darzustellen, ohne sie zu sehr zu verbiegen. So ist Robert Bruce ein Mann mit Ecken und Kanten, mal freundlich, mal voller Hass, er trifft Fehlentscheidungen, dennoch ist er weitestgehend sympathisch, so dass ich gerne über ihn gelesen habe. Doch auch die Darstellung König Edwards hat mir hier gefallen, ist sie doch nicht unbegründet negativ, sondern zeigt auch seine Gründe für seine Handlungen auf. Auch er wird zum Menschen, der unter seiner Krankheit leidet und das Erreichen seines Ziels, Bruce zu vernichten, noch erleben will.
Dadurch, dass es inzwischen eine Vielzahl an Charakteren gibt, ist es leider nicht möglich, allen Leben einzuhauchen. Diejenigen, die Bruce nahestehen, sind jedoch weit mehr als nur die Darstellung ihrer Rolle, manche waren mir doch sehr ans Herz gewachsen, dass ich über den einen oder anderen Abschied doch recht traurig war.
Auf Romantik, wo es aller Wahrscheinlichkeit nach auch keine gegeben hat, wird verzichtet, dafür ist der Roman dann doch recht kriegslastig, geht es doch um die Sicherung der schottischen Krone. Die Ereignisse werden schonungslos beschrieben, manche, die mir vorher nicht bekannt waren, haben mich doch entsetzt zurück gelassen. Man sollte also nicht allzu zart besaitet sein, wenn man sich für diese Reihe entscheidet.
Eine wichtige Rolle spielt auch hier die (fiktive) Prophezeiung, die dazu geführt hat, dass König Edward Reliquien der britischen Länder unter seine Kontrolle gebracht hat. Diese Erfindung der Autorin fügt sich nahtlos in die Handlung ein, hätte aber nicht sein müssen, um den Roman spannend zu gestalten.
Die Übersetzung von Nina Bader ist weitestgehend gelungen, doch wieder einmal sind es die Häufung von Partizipien und die dadurch entstehenden Schachtelsätze, mit denen ich insbesondere zu Beginn meine Probleme hatte. Ein Beispiel: „Robert blickte sich um, als zwei mit einem Weidenkorb, aus dem hastig zusammengepackte Kleidungsstücke heraushingen, bepackte Diener aus dem Gebäude hinter ihm stolperten.“ (S. 12) So eine Satzstellung ist doch im Deutschen eher ungewohnt, manche Sätze musste ich mehrmals lesen, und immer wieder habe ich mich dabei erwischt, wie ich mich stärker auf den Satzbau als auf den Inhalt des Romans konzentriert habe. Man gewöhnt sich daran, jedoch wäre es bestimmt möglich gewesen, dies anders zu lösen.
Abgerundet wird dieser Abschlussband wie auch die Vorgänger durch Zusatzmaterial wie das bereits erwähnte Personenregister, einer Karte der britischen Inseln sowie einem ausführlichen Glossar und ebenso umfangreichen Anmerkungen zu Wahrheit und Fiktion.

Fazit
Ein würdiger Abschluss der Trilogie über eine interessante Persönlichkeit der schottischen Geschichte, die ich jedem ans Herz legen möchte, der sich für diese Zeit interessiert. Als Einzelband allerdings nicht zu empfehlen.

Vielen Dank an den Blanvalet-Verlag und das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar!

William V. Crockett – Die Keltin

AutorWilliam V. Crockett
TitelDie Keltin
OriginaltitelWorlds Apart
ÜbersetzerJoachim Peters
SerieDie Keltin Band 1
Seitenzahl666
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-442-35701-7
Bewertung

Inhalt
Nördlich des Antoninuswalls, im 2. Jahrhundert nach Christus: Die achtjährige Kaledonierin Neeve, die sehr gut zeichnen kann, muss mitansehen, wie ihr Vater von den Römern hingerichtet wird. Als wenig später das kaledonische Heer von den Römern vernichtet wird und Neeves Mutter und Schwester gefangengenommen und in die Sklaverei verschleppt werden, beginnt ein starker Hass auf die Römer in ihr zu brodeln, und sie schwört sich selbst und ihren Brüdern, die Römer zu bekämpfen, bis das Land von ihnen befreit ist.
Zur gleichen Zeit in Rom: Vectis Trebellius Quadratus, der Sohn eines Praetorianers, wächst mit dem Wissen auf, dass die Römer militärisch allen anderen Völkern überlegen sind. Sein Ziel ist es, selbst einmal eine hohe Position im Militär einzunehmen.
Wann und wo werden Neeve und Vectis aufeinander treffen?

Meine Meinung
Bei Die Keltin handelt es sich um den Debütroman des Autors William V. Crocket. Die Version, auf der die deutsche Übersetzung basiert, ist nie in Originalsprache erschienen, stattdessen ist eine überarbeitete Fassung erst einige Jahre später veröffentlicht worden. Inwieweit beide Fassungen voneinander abweichen kann ich nicht sagen, doch zumindest die ersten Seiten unterscheiden sich stark. Aus diesem Grund bezieht sich diese Rezension ausdrücklich nur auf die deutsche Fassung.
Die Geschichte setzt mit der Kindheit Neeves und Taranis‘ an. Dies hat einerseits zur Folge, dass der Leser weiß, wie lange die unterschiedlichen Positionen gefestigt sind und worauf die Haltungen sich begründen, andererseits dauert es so recht lange, bis die beiden Hauptpersonen erstmals aufeinandertreffen und die Handlung so richtig interessant wird.
Anhand der genannten Konstellation könnte man erwarten, dass hier eine Liebesgeschichte eine wichtige Rolle spielt. Diese ist jedoch längst nicht so dominant, wie der Klappentext des Romans dies vermuten lässt, und die Darstellung hat mir sehr gut gefallen. Abgesehen davon liegt der Schwerpunkt des Romans auf dem Freiheitskampf der Kaledonier und dem Versuch der Römer, den Antoninuswall zu halten. Es geht darum, wie unterschiedlich die Römer und die Kelten das Römische Reich wahrnehmen, wie unterschiedlich die Welten doch sind, um Bündnisse zwischen den keltischen Stämmen, den Aufbau der Kastelle, auch erfährt man einiges über Kartenzeichner und wie wichtig diese für die Römer waren. Diese Hintergrundinformationen werden recht beiläufig in die Handlung eingefügt. Nun kenne ich mich selber wenig mit der Antike aus, ich gehe jedoch davon aus, dass das Beschriebene authentisch ist, ist der Autor selbst doch Dozent für römische Geschichte an einer Uni in New York.
Neben den Handlungssträngen um Neeve und Vectis gibt es noch einen dritten, der von einem machtgierigen römischen Senator handelt, dem jedes Mittel recht ist, auch Mord, um seine Ziele zu erreichen. Mir haben diese Szenen nicht ganz so gut gefallen, nicht unbedingt, weil sie wenig glaubwürdig wären, sondern einfach, weil mir dieser Senator zu abgebrüht ist und er mit allen bösen Taten davonzukommen scheint.
Die meisten Charaktere fand ich aber sehr angenehm und auch glaubwürdig beschrieben. Zwar waren die Hauptpersonen vielleicht ein wenig zu gut, insbesondere Vectis, der für seine Position doch ein recht weiches Herz hat, im Großen und Ganzen hat es aber einfach gepasst, weil sich der Autor Zeit nimmt, selbst die meisten Nebencharaktere mit einer Vergangenheit auszustatten, die ihre Taten und Einstellungen begründet.
Einzig die Darstellung der Druiden hat mir so gar nicht gefallen. Nicht nur werden sie recht negativ dargestellt, sie haben zudem noch recht mystische Auftritte, die nicht erklärt werden. Dieser Ausflug in die Fantasy trübt den Eindruck dieses sonst doch so schönen Romans ein wenig.
Am Schreibstil oder der Übersetzung hatte ich nichts auszusetzen, die Geschichte ließ sich sehr flüssig lesen. Stellenweise ist die Handlung schon mal blutig, bei diesem Thema lässt sich das nicht vermeiden, auf detailierte Beschreibungen von Grausamkeiten wird jedoch verzichtet.
Zusatzmaterial ist leider überhaupt nicht vorhanden, es gibt weder Vor- noch Nachwort, auch ein Personenregister oder eine Karte sucht man leider vergeblich.

Fazit
Ein sehr schöner Roman, der recht gemächlich beginnt, dann aber an Fahrt aufnimmt. Ein sehr schöner Roman, den ich gerne alle paar Jahre wieder zur Hand nehme.

Jack Whyte – Der Schwur der Ritter

AutorJack Whyte
TitelDer Schwur der Ritter
OriginaltitelOrder in Chaos
ÜbersetzerBarbara Schnell
SerieDie Templer Band 3
Seitenzahl448
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-442-36349-0
Bewertung

Inhalt
La Rochelle, Frankreich, 1307: Am Freitag, dem 13. Oktober, sollen alle Angehörigen des Templerordens in Frankreich auf Befehl König Philipps verhaftet werden. Einzig die Kommandantur in La Rochelle konnte frühzeitig gewarnt werden, so dass nicht nur die Ritter und Knappen, sondern auch ein Teil der Flotte und der sagenumwobene Templerschatz in Sicherheit gebracht werden kann.
Auf der Suche nach einem sicheren Hafen einigt man sich darauf, Schottland anzusteuern, die Heimat von William Sinclair, dem ranghöchsten Templer und Angehörigen einer geheimen Bruderschaft innerhalb des Ordens, denn der neue schottische König, Robert Bruce, hat sicher Verwendung für gut ausgebildete Krieger…

Meine Meinung
Die ersten beiden Bände der Reihe, in denen es um die Gründung des Ordens sowie die Zeit nach der Schlacht von Hattin geht, haben mir so gar nicht gefallen, weshalb es merkwürdig erscheinen mag, dass ich den dritten Band dann überhaupt noch zur Hand nehme. Ich hatte ihn aber bereits gekauft, und da habe ich eben kurz hineinlesen wollen, um zu schauen, ob er wohl genauso enttäuschend ist wie die ersten Bände. Ich muss sagen, dass ich in gewisser Weise positiv überrascht war, und da das Buch dann mit etwa 440 Seiten um einiges dünner ist als der Rest der Reihe, war es dann auch schnell gelesen.
Wirklich glaubwürdig war die Geschichte zwar trotzdem nicht, aber wenigstens wurde der Fehler der Vorgänger, eine Geschichte anzufangen und mittendrin abzubrechen, nicht wiederholt. Stattdessen gibt es einen einzigen Handlungsbogen, der sich mit der Frage befasst, wie es nun mit dem Templerorden weitergehen soll.
Aufhänger der Handlung ist die Idee, dass eine einzige Kommandantur in Frankreich rechtzeitig von den Plänen Philipps des Schönen informiert werden und so mitsamt dem Templerschatz entkommen konnte. Da ja der sagenumwobene Templerschatz anscheinend nie gefunden wurde, ist dies nicht der einzige Roman, der sich mit diesem Gedankenspiel beschäftigt. Und so beginnt der Roman mit einem richtigen Knaller, es wird spannend, denn jemand versucht zu verhindern, dass die Warnung das richtige Ohr erreicht, und auch die Flucht muss glücken.
Leider war dies aber auch eine der wenigen spannenden Stellen im Roman, denn von nun an plätschert die Geschichte die meiste Zeit auf einem recht geringen Spannungsniveau vor sich hin, nur gelegentlich lodert sie kurz auf, um gleich danach wieder abzuflauen. Gekämpft wird selten, dafür wird mehr geredet und geplant. Als Sir William, der seit seiner Kindheit das erste Mal wieder schottischen Boden betritt, auf Anhänger von Robert Bruce trifft, erhält der Leser erst einmal seitenweise Informationen, wer Bruce überhaupt ist, wie er zum englischen und französischen König und zur Kirche steht. Die meisten dieser Informationen scheinen auch direkt an den Leser gerichtet zu sein, nicht an Sinclair, der zumindest über einen Teil der Dinge informiert sein sollte. Obwohl ich bereits einige Romane gelesen habe, in denen Robert Bruce eine wichtige Rolle spielt, waren mir diese Informationen einfach zu viel und zu geballt untergebracht, dies hätte man viel beiläufiger tun können.
Einer der Pläne, der einen Teil der Templer betrifft, beschäftigt sich mit der Legende eines Landes im Westen, das „Merica“ genannt wird. Hier musste ich doch sehr stutzen. Ich halte es nicht für unwahrscheinlich, dass es Legenden über ein Land im Westen gegeben hat, aber „Merica“? Das ähnelt doch zu sehr dem Namen, den der Kontinent heute trägt, dieser aber leitet sich vom Namen des Entdeckers Amerigo Vespucci ab und stammt aus dem 16. Jahrhundert, nicht von irgendwelchen Legenden aus dem Mittelalter. Hier frage ich mich, wie des Autor darauf gekommen ist, ausgerechnet diesen Namen zu verwenden, jeder andere Vorschlag wäre besser gewesen.
Die geheime Bruderschaft innerhalb des Templerordens, die es so meiner Meinung nach gar nicht hätte geben können, spielt auch hier wieder eine Rolle, jedoch wird hier auch wieder kaum erklärt, was es mit ihr auf sich hat. Die Informationen, die man hier erhalten hat, waren doch recht oberflächlich – zum Glück, denn so konnte man sie weitestgehend überlesen, und für das Verständnis ist es auch nicht wichtig.
Überraschenderweise gibt es hier eine Liebesgeschichte, die sich aber erst zum Ende hin richtig entwickelt, auch wenn man sie schon sehr früh erahnen kann. Zunächst kam mir dieser Handlungsstrang zu aufgesetzt vor, doch zum Ende hin passt er zum Buch: Nicht zu hundert Prozent überzeugend, aber innerhalb der Buchlogik stimmig.

Fazit
Kein Highlight, aber für mich trotz der Spannungsarmut der beste Band der Reihe. Man verpasst aber auch nichts, wenn man diesen Roman nicht liest.

Dagmar Trodler – Die Stunde der Seherin

AutorDagmar Trodler
TitelDie Stunde der Seherin
Seitenzahl415
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-442-37223-2
Bewertung

Inhalt
Vor der Küste Schottlands, 1069: Christina ist mit ihrer Familie auf der Flucht vor dem normannischen König William, als sie vor der schottischen Küste Schiffbruch erleidet. Von König Malcolm gerettet, ist dieser von Christinas Schwester Margaret wie verzaubert, die als Schwester des Æthlings Edgar eine geeignete Heiratskandidatin ist. Doch auch die klein gewachsene Christina kann sich vor politisch motivierten Anträgen kaum retten.
Als dann ein Fluch Margaret befällt, ist es an der jüngeren Schwester, ihm auf den Grund zu gehen und zu stoppen. Christinas Aufgabe ist jedoch beschwerlich, glaubt doch kaum jemand an die Existenz des Fluches…

Meine Meinung
Wie schon in einigen anderen Romanen von Dagmar Trodler entführt die Autorin ihre Leser auch hier wieder ins 11. Jahrhundert, dieses Mal nach Schottland und das nördliche England.
Während ich jedoch die anderen fünf Bücher überwiegend mit Genuss gelesen habe, hatte ich mit diesem Roman so meine Schwierigkeiten.
Dies lag überwiegend daran, dass der Schreibstil recht eigensinnig ist. Dabei störten mich weniger die immer wieder eingeschobenen lateinischen Sätze, überwiegend Bibelzitate, die schon mal mehrere Zeilen einnehmen und im Glossar im Anhang übersetzt werden – so etwas gab es auch in den anderen Büchern schon – sondern vielmehr die Vermenschlichung lebloser Dinge, oft in völlig abstrusen Kombinationen, wenn beispielsweise eine Fackel an der Wand nachdenklich die Schatten zweier Personen lang zieht oder einer Drohung Asche von den Schwingen rieselt. Dazu kommt, dass wörtliche Rede immer wieder von Auslassungszeichen unterbrochen wird. Durch die drei Pünktchen wird zwar sehr schnell deutlich, dass die Personen sprachlos sind oder die richtigen Worte nicht finden, doch zieht sich dies durch das ganze Buch und hat mich irgendwann nur noch genervt. Ebenfalls auffällig ist die Erwähnung der hygienischen Umstände. Immer wieder wird erwähnt, wie dreckig etwas ist, wie sehr die Personen stinken und was für Ungeziefer vorhanden ist. Dies sorgt zwar dafür, dass die Zeit nicht verklärt wird, aber irgendwann hat jeder mitbekommen, dass es unangenehm riecht, wenn mehrere Menschen im gleichen Raum schlafen und nicht lüften.
Während es in den vorherigen Büchern der Autorin zwar kleinere mystische Elemente gab, die mich nicht weiter gestört haben, sondern vielmehr ganz gut ins Gesamtbild passten, spielen sie hier eine deutlich größere Rolle. Denn Christina ist eine Táltos, eine Heilerin, die auf wundersame Weise schwere Wunden und Krankheiten heilen kann, zudem ist sie zunächst die einzige, die den Fluch und die damit einher gehende Bedrohung wahr nimmt. Erschien es mir zunächst nicht eindeutig, ob einige der beschriebenen Dinge tatsächlich passieren oder es sich um Einbildung handelt, wird dies zum Ende des Romans hin deutlicher, mir hat diese Entwicklung allerdings nicht zugesagt. Dafür, dass die meisten Charaktere historisch belegt sind, passiert einfach zu viel, was doch recht unglaubwürdig ist.
Auch sonst ist nicht immer deutlich, was denn genau passiert und was die Menschen aussagen, zu zerklüftet ist die Handlung, zu uneindeutig die Beschreibungen. Viele Dinge muss man sich zusammenreimen. Dafür ist die Handlung im Großen und Ganzen gesehen nicht unbedingt vorhersehbar, was dann wieder positiv gesehen werden kann.
Auch die Personen sind durch die schwammigen Beschreibungen sehr schwer zu greifen. Zwar wird klar, dass Christina ein gutes Herz hat und ihre Kräfte auch für Menschen aufwendet, die sie kaum kennt, dass sie gewisse Menschen aus dem Umfeld ihres Bruders verabscheut und das Leben im Kloster zwar angenehm, aber auch langweilig fand, dennoch hatte ich nie das Gefühl, sie irgendwie zu kennen oder zu verstehen, wie es bei anderen Romanfiguren durchaus der Fall sein kann.
Dazu kommt, dass es neben der schwer verständlichen Anziehung zwischen Malcolm und Margaret noch eine weitere Liebesbeziehung gibt, nämlich zwischen Christina und dem Culdee Nial, einem Einsiedler, der wie ein Mönch lebt. Eine Entwicklung ist in beiden Fällen kaum festzustellen, die Anziehungskraft ist da, und dann wird eben gehandelt – oder auch nicht. Warum sie aber zustande kommt und worauf sie aufbaut wird jedoch nicht deutlich. Ein Gutes hat diese Art der Darstellung: Die Charaktere sind in den seltensten Fällen nur gut oder nur böse, manche zeigen auf eingeschränkte Art auch durchaus andere Seiten, die ich so zuvor nicht erwartet hätte.
Neben dem bereits erwähnten Glossar gibt es auch ein Nachwort, in dem die Autorin zu ein paar Details Stellung nimmt.

Fazit
Konnten mich andere Bücher der Autorin noch fesseln, ist ihr das mit diesem Roman nicht gelungen. Die Handlung ist zwar mehr oder weniger spannend, doch ist sie mir zu abgedreht und dabei zu verwirrend beschrieben. Der Schreibstil trägt dann noch dazu bei, dass mich dieser Roman nicht überzeugen konnte.