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Jack Whyte – Der Schwur der Ritter

AutorJack Whyte
TitelDer Schwur der Ritter
OriginaltitelOrder in Chaos
ÜbersetzerBarbara Schnell
SerieDie Templer Band 3
Seitenzahl448
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-442-36349-0
Bewertung

Inhalt
La Rochelle, Frankreich, 1307: Am Freitag, dem 13. Oktober, sollen alle Angehörigen des Templerordens in Frankreich auf Befehl König Philipps verhaftet werden. Einzig die Kommandantur in La Rochelle konnte frühzeitig gewarnt werden, so dass nicht nur die Ritter und Knappen, sondern auch ein Teil der Flotte und der sagenumwobene Templerschatz in Sicherheit gebracht werden kann.
Auf der Suche nach einem sicheren Hafen einigt man sich darauf, Schottland anzusteuern, die Heimat von William Sinclair, dem ranghöchsten Templer und Angehörigen einer geheimen Bruderschaft innerhalb des Ordens, denn der neue schottische König, Robert Bruce, hat sicher Verwendung für gut ausgebildete Krieger…

Meine Meinung
Die ersten beiden Bände der Reihe, in denen es um die Gründung des Ordens sowie die Zeit nach der Schlacht von Hattin geht, haben mir so gar nicht gefallen, weshalb es merkwürdig erscheinen mag, dass ich den dritten Band dann überhaupt noch zur Hand nehme. Ich hatte ihn aber bereits gekauft, und da habe ich eben kurz hineinlesen wollen, um zu schauen, ob er wohl genauso enttäuschend ist wie die ersten Bände. Ich muss sagen, dass ich in gewisser Weise positiv überrascht war, und da das Buch dann mit etwa 440 Seiten um einiges dünner ist als der Rest der Reihe, war es dann auch schnell gelesen.
Wirklich glaubwürdig war die Geschichte zwar trotzdem nicht, aber wenigstens wurde der Fehler der Vorgänger, eine Geschichte anzufangen und mittendrin abzubrechen, nicht wiederholt. Stattdessen gibt es einen einzigen Handlungsbogen, der sich mit der Frage befasst, wie es nun mit dem Templerorden weitergehen soll.
Aufhänger der Handlung ist die Idee, dass eine einzige Kommandantur in Frankreich rechtzeitig von den Plänen Philipps des Schönen informiert werden und so mitsamt dem Templerschatz entkommen konnte. Da ja der sagenumwobene Templerschatz anscheinend nie gefunden wurde, ist dies nicht der einzige Roman, der sich mit diesem Gedankenspiel beschäftigt. Und so beginnt der Roman mit einem richtigen Knaller, es wird spannend, denn jemand versucht zu verhindern, dass die Warnung das richtige Ohr erreicht, und auch die Flucht muss glücken.
Leider war dies aber auch eine der wenigen spannenden Stellen im Roman, denn von nun an plätschert die Geschichte die meiste Zeit auf einem recht geringen Spannungsniveau vor sich hin, nur gelegentlich lodert sie kurz auf, um gleich danach wieder abzuflauen. Gekämpft wird selten, dafür wird mehr geredet und geplant. Als Sir William, der seit seiner Kindheit das erste Mal wieder schottischen Boden betritt, auf Anhänger von Robert Bruce trifft, erhält der Leser erst einmal seitenweise Informationen, wer Bruce überhaupt ist, wie er zum englischen und französischen König und zur Kirche steht. Die meisten dieser Informationen scheinen auch direkt an den Leser gerichtet zu sein, nicht an Sinclair, der zumindest über einen Teil der Dinge informiert sein sollte. Obwohl ich bereits einige Romane gelesen habe, in denen Robert Bruce eine wichtige Rolle spielt, waren mir diese Informationen einfach zu viel und zu geballt untergebracht, dies hätte man viel beiläufiger tun können.
Einer der Pläne, der einen Teil der Templer betrifft, beschäftigt sich mit der Legende eines Landes im Westen, das „Merica“ genannt wird. Hier musste ich doch sehr stutzen. Ich halte es nicht für unwahrscheinlich, dass es Legenden über ein Land im Westen gegeben hat, aber „Merica“? Das ähnelt doch zu sehr dem Namen, den der Kontinent heute trägt, dieser aber leitet sich vom Namen des Entdeckers Amerigo Vespucci ab und stammt aus dem 16. Jahrhundert, nicht von irgendwelchen Legenden aus dem Mittelalter. Hier frage ich mich, wie des Autor darauf gekommen ist, ausgerechnet diesen Namen zu verwenden, jeder andere Vorschlag wäre besser gewesen.
Die geheime Bruderschaft innerhalb des Templerordens, die es so meiner Meinung nach gar nicht hätte geben können, spielt auch hier wieder eine Rolle, jedoch wird hier auch wieder kaum erklärt, was es mit ihr auf sich hat. Die Informationen, die man hier erhalten hat, waren doch recht oberflächlich – zum Glück, denn so konnte man sie weitestgehend überlesen, und für das Verständnis ist es auch nicht wichtig.
Überraschenderweise gibt es hier eine Liebesgeschichte, die sich aber erst zum Ende hin richtig entwickelt, auch wenn man sie schon sehr früh erahnen kann. Zunächst kam mir dieser Handlungsstrang zu aufgesetzt vor, doch zum Ende hin passt er zum Buch: Nicht zu hundert Prozent überzeugend, aber innerhalb der Buchlogik stimmig.

Fazit
Kein Highlight, aber für mich trotz der Spannungsarmut der beste Band der Reihe. Man verpasst aber auch nichts, wenn man diesen Roman nicht liest.

Rebecca Gablé – Die fremde Königin

AutorRebecca Gablé
TitelDie fremde Königin
SerieOtto der Große Band 2
Seitenzahl763
VerlagLübbe Ehrenwirth
ISBN978-3-431-03977-1
Bewertung

Inhalt
Garda, 951: Adelheid, die verwitwete Königin Italiens, wird von Berengar von Ivrea gefangen gehalten. Sie soll seinen Sohn heiraten, damit die Königswürde auf seine Familie übergeht, dabei war es Berengar, der ihren Mann vergiften ließ. Doch nach viermonatiger Gefangenschaft gelingt es ihr, aus dem Verlies zu fliehen und sich in Sicherheit zu bringen.
Hilfe erhält sie dabei von Gaidemar, einem Bastardsohn aus der Verwandtschaft König Ottos. Schon bald ist er von Adelheid fasziniert, die auch nach so langer Gefangenschaft ungebrochen und immer gefasst ist. Doch in Pavia wartet König Otto auf sie, um ihr ein Angebot zu machen, das sie kaum ausschlagen kann…

Meine Meinung
Die Romane der Autorin Rebecca Gablé stehen für mich für Bücher, die man kaum aus der Hand legen kann, gute Unterhaltung, eingebettet in die tatsächlichen historischen Begebenheiten, dass man so ganz nebenbei noch sehr viel über deutsche und englische Geschichte lernen kann. Und jedes Mal geht es mir wieder so, dass ich Romane dieser Autorin schneller durchlese als manch andere Bücher anderer Autoren, die nur halb so viele Seiten haben.
Man merkt, ich liebe diese Bücher. Dennoch soll dies kein reines Loblied auf sie sein, sondern eine kritische Betrachtung.
Der vorliegende Roman beschreibt die Zeit König Ottos von seiner Hochzeit mit Adelheid bis zur Kaiserkrönung, deckt also etwa elf Jahre ab. In dieser Zeit passiert sehr viel, es gibt Krieg innerhalb der Familie, aber auch mit den Ungarn, den Slawen und den Italienern, und eine der Hauptpersonen ist eigentlich immer mitten drin. Aber auch die Politik spielt eine große Rolle, denn die Herzöge des Reiches sind alle mit Otto verwandt und verschwägert, und auch die kirchliche Macht liegt zum Teil in den Händen der Familie, was nicht nur positive Seiten hat. Hier muss man schon mal ein wenig Konzentration aufwenden, um die Gründe für das Hin und Her über die Dauer des Buches nicht aus den Augen zu verlieren. Wer das nicht mag, ist mit diesem Roman wie auch mit Büchern der Autorin im Allgemeinen nicht gut beraten. Viele Ereignisse sind dabei bis heute überliefert, andere Informationen jedoch nur oberflächlich in den alten Texten enthalten oder sehr widersprüchlich, so dass das Gerüst der Romanhandlung durch die Historie zwar vorgegeben ist, jedoch auch noch genügend Freiraum für die Autorin vorhanden ist, der Phantasie freien Lauf zu lassen und die Handlung mit Leben zu füllen.
Dabei werden die meisten Charaktere aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Insbesondere Adelheid zeigt so viele verschiedene Seiten, dass ich selbst zum Ende hin nicht wusste, ob ich sie als Romanfigur mochte oder nicht, mal war sie mir richtig sympathisch, dann wieder eher das genaue Gegenteil. Sie ist eine sehr gute Politikerin, sehr darauf bedacht, Situationen zum Vorteil ihrer Familie auszunutzen, selbst wenn das bedeutet, ihrem Gatten Informationen vorzuenthalten. Dennoch hat sie auch eine sehr menschliche Seite, die besonders, aber nicht nur im Umgang mit ihren Kindern deutlich wird.
Eine weitere Hauptperson ist Gaidemar, ein fiktiver Charakter aus Ottos Familie. Wer schon den einen oder anderen Roman von Rebecca Gablé gelesen hat, weiß, wie sie ihre fiktiven Charaktere zeichnet: Sie sind in der Regel prinzipientreu und edel, stehen zu ihrem Wort, selbst wenn es sie in Schwierigkeiten bringt, und Freundschaften sind ihnen sehr wichtig. Und genau dies trifft auch auf Gaidemar zu, er ist eindeutig der Sympathieträger in diesem Roman, nur selten bricht er aus seiner Rolle aus, dann aber überrascht dies umso mehr. Dadurch, dass wir ihn erst als jungen Mann von gut zwanzig Jahren kennen lernen, erfahren wir nicht besonders viel über seine Vergangenheit. Er ist ein Panzerreiter, der in einer Ziehfamilie aufgewachsen ist. Er hadert mit seiner Herkunft als Bastard, insbesondere aber damit, dass er nicht weiß, wer seine Eltern waren, macht jedoch das Beste daraus. Im Vergleich zu den fiktiven Hauptcharakteren anderer Romane der Autorin steht jedoch ein wenig im Hintergrund, es ist nicht seine Geschichte, die im Mittelpunkt steht, vielmehr hatte ich den Eindruck, dass die Historie hier das Zentrum der Handlung biödet und Gaidemar nur einen bestimmten Anteil darin hat.
Auch nach inzwischen zehn historischen Romanen weiß ich noch nicht, ob ich es mag oder nicht, wie Frau Gablé ihre Helden zeichnet, denn eigentlich sind sie sich charakterlich zu ähnlich. Dann aber, wenn die fiktiven Hauptcharaktere stärker in den Hintergrund rücken wie hier, fehlt mir irgend etwas. Und so hätte ich hier gerne mehr über Gaidemar gelesen, vielleicht die eine oder andere Episode, die ihn näher beschreibt, um ihn von anderen Gablé-Charakteren zu unterscheiden.
Viele der Personen aus diesem Roman kommen bereits im vorhergehenden Band vor, darunter auch Ottos Bruder Heinrich von Bayern, der hier Henning genannt wird, um es dem Leser zu erleichtern, den Überblick über die ganzen Personen zu behalten. Zwar werden die meisten Charaktere auch hier wieder passend eingeführt, so dass man Das Haupt der Welt nicht zwingend gelesen haben muss, es erleichtert das Verständnis aber sehr, wenn man ihn kennt, schon alleine, um das Verhältnis Ottos zu seinen Brüdern nachvollziehen zu können, denn hier die ganze Vorgeschichte nachzuerzählen hätte einfach den Rahmen gesprengt.
Der Schreibstil ist so, wie man es auch von anderen Romanen der Autorin kennt, nämlich flüssig zu lesen. Komplizierte Sachverhalte werden leicht verständlich dargestellt, Kampfszenen so beschrieben, dass man erkennt, wie brutal der Krieg war, ohne dass dies jedoch ausgemerzt wird. Gleiches gilt für die enthaltene Liebesgeschichte, die sich zwar im Buch findet, aber eben nicht den Hauptteil der Geschichte ausmacht. Auch auf glückliche Zufälle, die die Handlung gerade noch rechtzeitig drehen, verzichtet die Autorin weitestgehend, nur eine Szene gegen Ende könnte man als solchen bezeichnen, ich fand die Situation jedoch schlüssig.
An Zusatzmaterialien wird auch hier nicht gespart. Neben einem ausführlichen Nachwort findet man hier auch wieder ein Personenregister, in dem die wichtigsten Personen enthalten sind, sowie eine Karte, auch ein paar hübsche Illustrationen sind enthalten.

Fazit
Wer schon mit anderen Romanen von Rebecca Gablé wenig anfangen konnte, wird hier wenig Neues finden. Wer sich jedoch für ihre Art, in die Vergangenheit einzutauchen, begeistern kann, wird sich auch hier wieder für viele Stunden an sein Buch gefesselt sehen. Auch wenn dieser Roman vielleicht nicht der beste der Autorin ist, konnte er mich wieder sehr gut unterhalten.

Liliana Le Hingrat – Das dunkle Herz der Welt

AutorLiliana Le Hingrat
TitelDas dunkle Herz der Welt
Seitenzahl763
VerlagKnaur
ISBN978-3-426-51759-8
Bewertung

Inhalt
Nürnberg, 1430: Vladislav Basarab ist als Geisel des ungarischen Königs Sigismund aufgewachsen. Seit seiner Jungend ist Janós Hunyadi einer seiner besten Freunde und treuesten Weggefährten.
Dies ändert sich jedoch, als Vlas in den Orden der Drachenritter aufgenommen wird und János nicht, obwohl er doch Gerüchten zufolge ein Bastardsohn des Königs ist. Als Vlas dann auch noch die Liebe der Frau gewinnt, die János heiraten will, obwohl Vlas doch eine glückliche Ehe führt, verkehrt sich die Freundschaft in Hass und Missgunst.
Und so setzt János alles daran, zu verhindern, dass Vlas sein Erbe, die Walachei, gegen seine Vettern für sich beanspruchen kann…

Meine Meinung
Liliana Le Hingrat beschreibt in ihrem Debütroman ein Ereignis, das als balkanischer Rosenkrieg bekannt ist. Dieser geschichtliche Hintergrund ist sehr interessant, insbesondere, da man hierzulande selten Romane über die Geschichte Osteuropas zu lesen bekommt. Obwohl diese stark mit der Geschichte anderer Länder verwoben ist, war diese mir weitestgehend unbekannt, nur wenige Namen hatte ich zuvor schon einmal gehört. Zudem beschäftigt sich der Roman mit dem Konflikt der Religionen und Konfessionen, denn die Walachei war eine Pufferzone zwischen dem katholischen und orthodoxen Christentum wie auch dem Islam. Dabei hatte ich den Eindruck, dass die katholische Kirche im Gegensatz zur orthodoxen Kirche und dem Islam sehr schlecht wegkommt.
Der Einstieg in den Roman fiel mir nicht gerade leicht. Dies hängt auch damit zusammen, dass man zunächst sehr viel mehr über János und Vlas‘ Gefährten Roxolan liest als über Vlas, der doch die Hauptperson sein soll. Im Laufe des Romans ändert sich dies jedoch, sobald die Personen alle vorgestellt und die politische Situation beschrieben ist.
Diese Zeit ist spannend und informativ dargestellt, auch wenn es nicht gerade einfach ist, den Überblick zu behalten. So ist es recht leicht, zu verstehen, in welch einer Zwangslage sich Vlas, bedrängt von den Osmanen aus dem Süden und den Katholiken aus dem Westen, befindet, dass er keine andere Wahl hat, als das eine oder andere Bündnis einzugehen, was dann von der anderen Seite als Verrat gesehen wird.
Die Namen der Personen waren für mich weitestgehend ungewohnt, manche klingen zudem recht ähnlich, so dass ich bei einigen eine Weile gebraucht habe, bis ich mich an sie gewöhnt hatte. Die Autorin hat stellenweise versucht, Personen gleichen Namens unterschiedliche Spitznamen zu geben, damit man sie leichter auseinander halten kann, dennoch habe ich einige Male das recht ausführliche Personenregister heranziehen müssen.
Der Roman setzt recht spät im Leben Vlad Draculs an. Dadurch erfährt man nur aus Rückblenden, wie eng die Freundschaft mit János wirklich gewesen ist. Im Roman selbst wird dies leider nicht deutlich, da er gleich mit der Entzweiung beginnt. Dies ist schade, wurde hier doch einiges an Potenzial verschenkt, um den Leser enger an die Charaktere zu binden und die Vorgeschichte zu zeigen, statt nur zu beschreiben. Auch bleiben einige der Charaktere dadurch recht blass, insbesondere Vlas selbst. Man weiß nicht, was ihn antreibt oder wie er zu anderen Personen steht. Im Lauf der Handlung ändert sich dies zwar, je mehr man über ihn liest, jedoch hatte ich selten das Gefühl, ihn richtig zu kennen.
Auch bei anderen Personen hatte ich leichte Schwierigkeiten. So habe ich mich gefragt, ob verletzter Stolz und Neid ausreicht, um einen solchen Hass auf einen anderen Menschen zu empfinden, wie ihn János Vlas gegenüber empfindet oder was Clara, die junge Edelfrau, sich davon verspricht, sich mit Vlas zusammenzutun. Und dann ist da noch Roxolan, ein Freund, Gefährte und Beschützer Vladislavs, der, unterwiesen in heidnischen Praktiken, besondere Kräfte besitzt. Auch wenn ich nichts gegen einen kleinen Fantasyanteil in historischen Romanen habe, so fand ich ihn hier doch unnötig, die Geschichte wäre sicher auch ohne diese Magie ausgekommen.
Auf Vlas‘ Sohn Vlad Draculea, den späteren „Pfähler“, wird hier besonderes Augenmerk gelegt, plant die Autorin doch einen weiteren Roman, in dem es doch um eben diese bekannte Persönlichkeit gehen soll, die als Inspiration für Bram Stokers Dracula diente.

Fazit
Ein interessanter Roman über den balkanischen Rosenkrieg und den Vater des Mannes, der als Vlad „der Pfähler“ in die Geschichte eingegangen ist, der leider zu Beginn ein wenig Potenzial verschenkt. Durch die etwas sperrige Erzählweise ist es kein Buch für zwischendurch, für Interessierte an osteuropäischer Geschichte aber auf jeden Fall empfehlenswert.

Brigitte Riebe – Liebe ist ein Kleid aus Feuer

AutorBrigitte Riebe
TitelLiebe ist ein Kleid aus Feuer
Seitenzahl655
VerlagDiana
ISBN978-3-453-35226-1
Bewertung

Inhalt
Burg Scharzfels, 946: Eila ist die Tochter des Ritters Raymond, der im Dienst König Ottos steht. Als solcher ist der Ritter nicht oft auf seiner heimatlichen Burg anzutreffen, so dass Eila in seiner Abwesenheit große Freiheiten genießt. Sie verbringt ihre Zeit lieber außerhalb der Burg als mit ihrer verbitterten Mutter, die für sie keine Liebe zu empfinden scheint.
Doch dann taucht Roswitha, die Tochter eines Kampfgefährten Raymonds, auf der Burg auf. Obwohl sie etwa im gleichen Alter sind, sind die Mädchen doch grundverschieden, denn Rose saugt Wissen nur so auf, während Eila im Unterricht nur Zeitverschwendung sieht. Dennoch entwickelt sich zwischen den beiden eine tiefe Freundschaft…

Meine Meinung
Diesen Roman von Brigitte Riebe habe ich inzwischen zwei Mal gelesen, und beide Male habe ich mich am Ende gefragt, was ich da jetzt eigentlich gelesen habe, wovon die Geschichte überhaupt handelt. Bei den meisten Romanen lässt sich die Handlung in ein, zwei Sätzen kurz anreißen, hier fällt es mir sehr schwer, zu fassen, was genau im Mittelpunkt des Buches steht.
Am zutreffendsten wäre wohl, zu behaupten, dass es um das Erwachsenwerden einer jungen Ritterstochter im Umfeld König Ottos geht, um ihre Freundschaften, ihre Familie, die erste und die große Liebe, um politische Intrigen, in die das Mädchen hineingezogen wird. Es geht um ihren Vater, der ein großes Geheimnis hat, um ihre Mutter, deren Geheimnis nicht weniger groß ist, um den Schmiedejungen Lando, der sich in das falsche Mädchen verguckt, um König Otto, der von seiner Verwandtschaft unter Druck gesetzt wird. All dies bildet ein buntes Bild, bei dem es nicht an Spannung mangelt, das in seiner Gesamtkomposition aber auf mich nicht ganz stimmig erscheint.
Neben Angehörigen des Königshauses trifft Eila auch auf weitere historische Persönlichkeiten. Eine von ihnen ist ihre junge Freundin Rose, die als Dichterin Roswitha von Gandersheim in die Geschichte eingegangen ist. Allerdings ist über das Leben, insbesondere die Jugend, der historischen Roswitha quasi nichts bekannt, so dass auch sie hier weitestgehend als fiktive Figur gesehen werden kann. Zudem erscheint sie mir hier eher als ein Nebencharakter, sie tut, was man ihr sagt, und so verblasst sie neben der starken Eila schon recht bald.
Eila ist ein schwärmerischer, wankelmütiger Teenager, sie scheint selbst nicht zu wissen, was sie will. Mal ist es der Eine, in den sie sich verguckt, dann doch lieber der Andere. Sie ist hitzköpfig und spontan, dazu nicht immer die Liebenswürdigkeit in Person. Mich hat sie schon recht bald ziemlich genervt. Dann wiederum zeigt sie Facetten, die man gar nicht erwartet, wenn sie sich in die Dienste des Königs begibt.
Viele der anderen Charaktere meint man schon nach wenigen Seiten einschätzen zu können, und über weite Teile des Buches trifft diese Einschätzung dann auch zu. Gelegentlich, insbesondere zum Ende hin, zeigen sie dann aber auch mal andere Facetten, was die Geschichte auflockert. Nicht wenige haben aber etwas zu verbergen, was die Geschichte dann wieder unglaubwürdiger erscheinen lässt.
Der geschichtliche Hintergrund um König Otto ist durchaus informativ, ohne Vorwissen hatte ich aber beim ersten Lesen vor einigen Jahren meine Schwierigkeiten, die Rahmenhandlung zu verstehen und in dem geschichtlichen Zusammenhang zu sehen. Mit dem nötigen Wissen jedoch war auch dieser Aspekt verständlich.
Der Roman wartet mit umfangreichem Zusatzmaterial auf. Neben einer Karte und einem Stammbaum Ottos findet sich eine Literaturliste sowie ein sehr ausführliches historisches Nachwort, in dem die Autorin über Wahrheit und Fiktion aufklärt sowie weitere historische Hintergründe darlegt.

Fazit
Diesen Roman kann man lesen, man verpasst aber auch nichts, wenn man ihn nicht liest. Als Einstieg in diese historische Epoche würde ich dieses Buch keinesfalls empfehlen, wenn man jedoch eine nette Geschichte über das Erwachsenwerden im Frühmittelalter lesen mag, die durchaus zu fesseln weiß, kann hier gerne zugreifen.

Ricarda Jordan – Die Pestärztin

AutorRicarda Jordan
TitelDie Pestärztin
Seitenzahl636
VerlagBastei Lübbe
ISBN978-3-404-15990-1
Bewertung

Inhalt
Mainz, 1330: Lucia wächst unter ungewöhnlichen Bedingungen auf: Ihre Tage verbringt sie im Haushalt der reichen jüdischen Familie von Speyer, zusammen mit ihrer Ziehschwester Lea, die am selben Tag geboren wurde wie sie und die ihr auch noch sehr ähnlich sieht. Dort wird sie unterrichtet und unterstützt, doch die Nächte muss sie als Tochter einer christlichen Mutter unter Christen verbringen.
Und so lebt Lucia zwischen den Welten, keiner Gemeinschaft fühlt sie sich zugehörig. Von den Christen wird sie wegen ihrer Verbundenheit zu den Juden abgelehnt, von den Juden wegen ihrer christlichen Herkunft nur geduldet.
Als sich David, der Sohn des Hauses, in Lucia verliebt, hat dies verheerende Folgen…

Meine Meinung
Mit dem Mittelalterroman Die Pestärztin hat die Autorin Christiane Gohl, die besser als Sarah Lark bekannt ist, ihren ersten Roman unter dem Pseudonym Ricarda Jordan herausgebracht. Der Titel dieses Romans ist jedoch ein wenig irreführend, denn als Pestärztin tritt Lucia nur einen recht kleinen Teil des Buches auf.
Vielmehr geht es eben um Lucia selbst, um ihre ungewöhnliche Jugend, ihr Interesse an der Medizin, aber insbesondere ihrer Vorteile und Probleme, die ihr Leben in zwei Welten mit sich bringt. Es gibt auch eine Liebesgeschichte, doch nimmt diese längst nicht so viel Raum ein und entwickelt sich in eine andere Richtung, als ich zunächst erwartet hatte.
Lucia ist eine recht interessante Person, wissbegierig, mit einer schnellen Auffassungsgabe. Sie spricht mehrere Sprachen und kann diese auch lesen. Sie kann anpacken und ergreift Gelegenheiten, die sich ihr bieten, beim Schopf. Für mich denkt und handelt die junge Frau schon ein wenig zu modern, aber nicht völlig unwahrscheinlich, wenn man ihre Kindheit betrachtet.
Ihre Ziehschwester Lea sieht sich dagegen als zukünftige Hausfrau und Mutter und interessiert sich deshalb für häusliche Dinge, mit Lucias Interesse an den Wissenschaften kann sie wenig anfangen.
Die wichtigste Bezugsperson in Lucias Kindheit und Jugend ist jedoch Al Shifa, eine maurische Sklavin, die für Lucia die Mutterstelle einnimmt und sie in ihrem Wissensdurst bestärkt, da sie selbst ebenfalls über eine sehr gute Bildung verfügt.
Während der Roman über weite Teile nicht nur unterhaltsam, sondern auch spannend war, hatte ich dennoch so meine Probleme mit ihm. So stellt sich mir als erstes die Frage, ob so ein Leben, wie Lucia es hier führt, überhaupt möglich gewesen wäre, nachts Christin, tags unter Juden, dazu noch von einer maurischen Haushälterin betreut und unterwiesen. Genau weiß ich es nicht, würde es aber eher unter dichterischer Freiheit verbuchen.
Doch auch wenn dies tatsächlich zugelassen worden wäre, gibt es noch einige andere Aspekte, die mir weniger gefallen haben. Die Pest mit ihrem Verlauf und Behandlungsmethoden wird hier mit einer Selbstverständlichkeit diskutiert, als ob diese Krankheit lange bekannt wäre, dabei war sie relativ neu, die letzte Pestwelle mehrere hundert Jahre zuvor wohl längst vergessen.
Auch lebt die Romanhandlung sehr vom Zufall, nicht nur ein Mal trifft die Hauptperson zufällig auf Personen, die ihr bekannt sind oder, in einer Situation, das Pferd kennen, das sie reitet. Das Ende selbst konnte mich auch nicht überzeugen, das ging mir alles zu glatt und war mir dann auch zu dick aufgetragen.
Andere Themen wie das Judenpogrom in Mainz oder die Pesterkrankungen werden dagegen sehr eindringlich dargestellt, diese Schilderungen fand ich überzeugend und sehr bedrückend. Dass Lucia dies nicht ohne Verluste übersteht war abzusehen, das Ausmaß jedoch hat mich zunächst doch überraschen können und war auch recht glaubhaft beschrieben
Zusatzmaterial sucht man in meiner Ausgabe leider vergebens. Durch ein Nachwort hätten zumindest ein paar der Fragen, die ich am Ende noch hatte, geklärt werden können, schade, dass der Verlag und die Autorin diese Chance nicht genutzt haben.

Fazit
Für mich war die Handlung zu sehr vom Zufall bedingt, manche Wendungen zwar zunächst unerwartet, im Großen und Ganzen war die Geschichte dann jedoch recht vorhersehbar. Trotzdem war das Buch nicht langweilig, und Lucias Leben zwischen den Welten, so unwahrscheinlich ich es halte, doch recht interessant.