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Dagmar Trodler – Die Stunde der Seherin

AutorDagmar Trodler
TitelDie Stunde der Seherin
Seitenzahl415
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-442-37223-2
Bewertung

Inhalt
Vor der Küste Schottlands, 1069: Christina ist mit ihrer Familie auf der Flucht vor dem normannischen König William, als sie vor der schottischen Küste Schiffbruch erleidet. Von König Malcolm gerettet, ist dieser von Christinas Schwester Margaret wie verzaubert, die als Schwester des Æthlings Edgar eine geeignete Heiratskandidatin ist. Doch auch die klein gewachsene Christina kann sich vor politisch motivierten Anträgen kaum retten.
Als dann ein Fluch Margaret befällt, ist es an der jüngeren Schwester, ihm auf den Grund zu gehen und zu stoppen. Christinas Aufgabe ist jedoch beschwerlich, glaubt doch kaum jemand an die Existenz des Fluches…

Meine Meinung
Wie schon in einigen anderen Romanen von Dagmar Trodler entführt die Autorin ihre Leser auch hier wieder ins 11. Jahrhundert, dieses Mal nach Schottland und das nördliche England.
Während ich jedoch die anderen fünf Bücher überwiegend mit Genuss gelesen habe, hatte ich mit diesem Roman so meine Schwierigkeiten.
Dies lag überwiegend daran, dass der Schreibstil recht eigensinnig ist. Dabei störten mich weniger die immer wieder eingeschobenen lateinischen Sätze, überwiegend Bibelzitate, die schon mal mehrere Zeilen einnehmen und im Glossar im Anhang übersetzt werden – so etwas gab es auch in den anderen Büchern schon – sondern vielmehr die Vermenschlichung lebloser Dinge, oft in völlig abstrusen Kombinationen, wenn beispielsweise eine Fackel an der Wand nachdenklich die Schatten zweier Personen lang zieht oder einer Drohung Asche von den Schwingen rieselt. Dazu kommt, dass wörtliche Rede immer wieder von Auslassungszeichen unterbrochen wird. Durch die drei Pünktchen wird zwar sehr schnell deutlich, dass die Personen sprachlos sind oder die richtigen Worte nicht finden, doch zieht sich dies durch das ganze Buch und hat mich irgendwann nur noch genervt. Ebenfalls auffällig ist die Erwähnung der hygienischen Umstände. Immer wieder wird erwähnt, wie dreckig etwas ist, wie sehr die Personen stinken und was für Ungeziefer vorhanden ist. Dies sorgt zwar dafür, dass die Zeit nicht verklärt wird, aber irgendwann hat jeder mitbekommen, dass es unangenehm riecht, wenn mehrere Menschen im gleichen Raum schlafen und nicht lüften.
Während es in den vorherigen Büchern der Autorin zwar kleinere mystische Elemente gab, die mich nicht weiter gestört haben, sondern vielmehr ganz gut ins Gesamtbild passten, spielen sie hier eine deutlich größere Rolle. Denn Christina ist eine Táltos, eine Heilerin, die auf wundersame Weise schwere Wunden und Krankheiten heilen kann, zudem ist sie zunächst die einzige, die den Fluch und die damit einher gehende Bedrohung wahr nimmt. Erschien es mir zunächst nicht eindeutig, ob einige der beschriebenen Dinge tatsächlich passieren oder es sich um Einbildung handelt, wird dies zum Ende des Romans hin deutlicher, mir hat diese Entwicklung allerdings nicht zugesagt. Dafür, dass die meisten Charaktere historisch belegt sind, passiert einfach zu viel, was doch recht unglaubwürdig ist.
Auch sonst ist nicht immer deutlich, was denn genau passiert und was die Menschen aussagen, zu zerklüftet ist die Handlung, zu uneindeutig die Beschreibungen. Viele Dinge muss man sich zusammenreimen. Dafür ist die Handlung im Großen und Ganzen gesehen nicht unbedingt vorhersehbar, was dann wieder positiv gesehen werden kann.
Auch die Personen sind durch die schwammigen Beschreibungen sehr schwer zu greifen. Zwar wird klar, dass Christina ein gutes Herz hat und ihre Kräfte auch für Menschen aufwendet, die sie kaum kennt, dass sie gewisse Menschen aus dem Umfeld ihres Bruders verabscheut und das Leben im Kloster zwar angenehm, aber auch langweilig fand, dennoch hatte ich nie das Gefühl, sie irgendwie zu kennen oder zu verstehen, wie es bei anderen Romanfiguren durchaus der Fall sein kann.
Dazu kommt, dass es neben der schwer verständlichen Anziehung zwischen Malcolm und Margaret noch eine weitere Liebesbeziehung gibt, nämlich zwischen Christina und dem Culdee Nial, einem Einsiedler, der wie ein Mönch lebt. Eine Entwicklung ist in beiden Fällen kaum festzustellen, die Anziehungskraft ist da, und dann wird eben gehandelt – oder auch nicht. Warum sie aber zustande kommt und worauf sie aufbaut wird jedoch nicht deutlich. Ein Gutes hat diese Art der Darstellung: Die Charaktere sind in den seltensten Fällen nur gut oder nur böse, manche zeigen auf eingeschränkte Art auch durchaus andere Seiten, die ich so zuvor nicht erwartet hätte.
Neben dem bereits erwähnten Glossar gibt es auch ein Nachwort, in dem die Autorin zu ein paar Details Stellung nimmt.

Fazit
Konnten mich andere Bücher der Autorin noch fesseln, ist ihr das mit diesem Roman nicht gelungen. Die Handlung ist zwar mehr oder weniger spannend, doch ist sie mir zu abgedreht und dabei zu verwirrend beschrieben. Der Schreibstil trägt dann noch dazu bei, dass mich dieser Roman nicht überzeugen konnte.

Juliet Marillier – Heart’s Blood

AutorJuliet Marillier
TitelHeart's Blood
Seitenzahl485
VerlagTor
ISBN978-0-330-45112-3
Bewertung

Inhalt
Irland, im 12. Jahrhundert: Die Schriftgelehrte Caitrin befindet sich auf der Flucht vor ihren entfernten Verwandten, die es auf das Erbe der jungen Frau abgesehen haben. Von einem Kutscher mitten in der Wildnis alleine gelassen findet sie sich plötzlich an einem unheimlichen Ort wieder, an dem sie nicht besonders freundlich aufgenommen wird.
Als sie erfährt, dass der Grundbesitzer einen Schreiber sucht, entschließt sie sich dazu, bei diesem vorzusprechen, obwohl sie von den Dorfbewohnern vor schrecklichen Gestalten gewarnt wird, die den Hügel bewohnen.
Während Caitrin dies zunächst als Hirngespinst abtut, muss sie schon bald erkennen, dass die Warnungen nicht übertrieben waren. Doch sieht Cait dies als Chance, denn hier scheint sie vor ihren Verwandten sicher…

Meine Meinung
Wie schon in Die Tochter der Wälder hat sich Juliet Marillier hier an einem Märchen orientiert – an welchem verrate ich an dieser Stelle nicht – und die Handlung nach Irland verlegt. Doch während die Welt der Sevenwaters-Romane überwiegend hell und freundlich erscheint, ist die Welt um Whistling Tor düster und unheimlich.
Wie häufig bei Romanen von Juliet Marillier handelt es sich auch hier wieder um eine Erzählung aus der Ich-Perspektive. Der Leser erfährt hautnah, wie Caitrin Stück für Stück in die Geheimnisse von Whistling Tor eintaucht und auch die Bewohner der Burg besser kennen lernt. Dabei teilt Caitrin dem Leser nicht alles über sich direkt mit, auch ihre Vorgeschichte wird erst mit der Zeit vorgestellt.
Die Darstellung der Charaktere ist eine der Stärken Marilliers. Obwohl es bei Ich-Erzählungen häufig der Fall ist, dass Nebencharaktere sehr oberflächlich beschrieben werden, sind sie hier sehr lebendig dargestellt, so dass ich sie bildlich vor mir sehen konnte. Reine Schwarz-Weiß-Zeichnungen findet man bei ihr sehr selten, so auch hier, denn wenig ist so, wie es scheint.
Die Ich-Erzählerin Caitrin ist eine gebildete junge Frau, die von ihrem Vater als Schriftgelehrte ausgebildet wurde. Dies mag für die Zeit nicht alltäglich gewesen sein, ist aber im Zusammenhang stimmig beschrieben und wirkt nicht aufgesetzt. Auch wenn sie nun gezwungener Maßen auf eigenen Beinen stehen muss, ist sie unsicher. Dennoch kann sie sich im richtigen Moment behaupten.
Anluan ist der Herr von Whistling Tor. Er ist verwachsen und seine Stimmungen schwanken innerhalb kürzester Zeit, und so ist es nicht leicht, mit ihm zu leben. Doch ein Geheimnis umgibt ihn und sein Heim, so dass Caitlin trotz Allem gewillt ist, den Auftrag zu erfüllen.
Neben dem Herrn leben nur wenige weitere Personen auf Whistling Tor, die alle mehr oder weniger ungewöhnlich sind.
Und dann ist da noch der „Host“, die Schar, eine nicht näher definierte Anzahl an Geistwesen, deren Herkunft unklar ist und vor denen die Bewohner der Umgebung sich fürchten.
Den historischen Hintergrund bildet die Eroberung Irlands durch die Normannen. Genaue Jahreszahlen und Details werden nicht genannt, so dass der Roman auch zu einer anderen Zeit hätte spielen können. Der Schwerpunkt liegt hier deutlich mehr auf der leicht romantischen Fantasy als auf dem History-Anteil.
Die Liebesgeschichte in diesem Roman entwickelt sich sehr gemächlich und wird sehr dezent beschrieben, dabei ist die meiste Zeit eine romantische Grundstimmung zu erahnen, obwohl der Schwerpunkt eher auf der Suche nach einer alten Schrift und der Lösung eines Problems liegt als auf der Liebesgeschichte.
Sprachlich ist der Roman ebenfalls sehr gefühlvoll gehalten. Leider ist dieses Buch bisher nicht ins Deutsche übersetzt worden, das verwendete Englisch ist allerdings recht leicht verständlich.

Fazit
Wieder einmal ein wunderschöner, wenn auch recht düsterer Roman von Juliet Marillier. Für Leser historischer romantischer Fantasy, die des Englischen mächtig sind, auf jeden Fall zu empfehlen!

Judith Merkle Riley – Die Zauberquelle

AutorJudith Merkle Riley
TitelDie Zauberquelle
OriginaltitelThe Water Devil
ÜbersetzerDorothee Asendorf
SerieMargaret of Ashbury Band 3
Seitenzahl319
VerlagBastei Lübbe
ISBN978-3-404-12679-8
Bewertung

Inhalt
London, 1360: Margaret de Vilers hat eigentlich alles im Leben, um glücklich zu sein: Zwei wilde Töchter, einen kleinen Sohn, einen gesunden Mann, den sie liebt – wäre da nicht der Schwiegervater, ein Griesgram, der ihr Leben immer wieder durcheinander bringt und der ständig in Geldnöten steckt.
Auch als er dieses Mal unangemeldet vor der Tür steht, soll Margaret aushelfen, denn Nachbarn der Familie de Vilers beanspruchen einen Teil des Landes für sich, ausgerechnet den, auf dem eine angeblich verzauberte Quelle liegt, als Beweis für den Besitzanspruch wird eine alte Urkunde vorgelegt. Doch Margaret kennt die richtige Leute, und so wird bald ein Plan geschmiedet…

Meine Meinung
In meiner Jugend habe ich die Bücher von Judith Merkle-Riley geliebt, sie waren mein Einstieg in die Welt der historischen Romane. Als ich die ersten beiden Bände vor ein paar Monaten mal wieder hervorgeholt habe, hat mir Die Stimme auch wieder ganz gut gefallen, mit Die Vision konnte ich im Vergleich allerdings wenig anfangen, zu abstrus waren einige Handlungen, und die vielen Geister waren mir einfach zu viel. Dieser dritte Band orientiert sich dagegen wieder eher am ersten, und auch wenn der Roman an sich nicht allzu ernst zu nehmen ist, kam er mir dann doch nicht ganz so abwegig vor wie der zweite Band.
Die Handlung ist an sich nichts Besonderes, Margaret und ihre Freunde nutzen alle zur Verfügung stehende Mittel, um eine bessere Fälschung als die Gegenpartei abzuliefern. Dabei ist eine Quelle, die von einem heidnischen Wassergeist bewohnt sein soll, von besonderer Bedeutung. Auch hier gibt es wieder viel überzogenen Humor, der deutlich macht, dass dieser Roman nicht allzu ernst genommen werden will, dabei wird wesentlich seltener als in Die Vision die Grenze zur Albernheit übertreten.
Der Inhalt gibt nicht allzu viel her, und so machen die innerfamiliären Probleme einen Großteil der Handlung aus: Margarets Töchter, die lieber Jungen wären und ständig neue Streiche aushecken, die rollige Lady Petronilla, die den gesamten Haushalt schikaniert und auf alle herabblickt, Hugo, der alle möglichen Moden mitmachen muss, dabei aber keinerlei Talent aufweist, und natürlich Margaret, die hin und wieder leuchtet und göttliche Stimmen hört.
Die Charaktere sind stark überzogen dargestellt, die zum Teil gewissen Klischees entsprechen, doch auf eine klare Einteilung in Schwarz und Weiß wird dabei weitestgehend verzichtet.
Leider gibt es gelegentlich Unstimmigkeiten zwischen den Bänden. So wird hier beispielsweise erwähnt, dass die Kapelle heruntergekommen und kahl ist, dabei wurde sie im letzten Band durch Margarets Unterstützung hergerichtet und sogar mit Malereien verziert. Das ist schade, scheint es doch so, als hätte die Autorin selbst keinen Überblick über bisher Erzähltes gehabt.
Der Sprachstil ist locker, manchmal ein wenig flapsig, im Großen und Ganzen passt er damit zur Handlung, die sich auch nicht ernst nimmt. Auffällig ist, dass die Sätze, die Sir Hubert brüllt, entsprechend in Großbuchstaben gedruckt sind, so dass sein lautes Auftreten gleich auf den ersten Blick sichtbar wird. Erzählt wird, wie schon im zweiten Band, abwechselnd in der Ich-Perspektive aus Margarets Sicht und aus der eines auktorialen Erzählers, so dass man auch hier teilweise zwei Beschreibungen zu einer Szene bekommt.
Der historische Hintergrund spielt im Gegensatz zu den ersten Bänden der Reihe eine untergeordnete Rolle, nur gelegentlich werden geschichtliche Ereignisse aufgegriffen, die für die Handlung jedoch weitestgehend unwichtig sind.

Fazit
Dieser abschließende Band der Reihe bringt wenig Neues, war doch die Geschichte schon in Die Vision zu einem zufriedenstellenden Abschluss gekommen. Wer also mit dem bisherigen Ende zufrieden war, sollte diesen dritten Band am besten nicht lesen, für mich wurde die Reihe durch Die Zauberquelle jedoch noch einmal aufgewertet.

Jules Watson – Tartan und Schwert

AutorJules Watson
TitelTartan und Schwert
OriginaltitelThe White Mare
ÜbersetzerNina Bader
SerieDalriada Trilogie Band 1
Seitenzahl704
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-442-36129-8
Bewertung

Inhalt
Alba im Jahr 79 nach Christus: Rhiann ist nicht nur Priesterin der Göttin und Heilerin ihres Dorfes, sondern auch die einzige Nichte des Königs der Epidier. Als dieser stirbt, ist sie gezwungen, einen Ehemann zu nehmen, denn bei den Epidiern ist die Erbfolge über die weibliche Linie geregelt.
Der geeignete Mann scheint bald gefunden zu sein, als während einer wichtigen Zeremonie ein Prinz aus Erin mit einigen seiner Männer an Land gespült wird, ein mutiger Krieger, der den Epidiern Unterstützung im Kampf gegen die Römer anbietet, die Alba bedrohen.
Doch Rhiann will nicht heiraten, hat sie doch schlimme Erfahrungen mit Kriegern gemacht, und auch Prinz Eremon trägt ein Geheimnis in sich…

Meine Meinung
Wie man aus dem Nachwort dieses Romans entnehmen kann, ist über das Leben der Pikten im ersten Jahrhundert sehr wenig bekannt, einzig römische Quellen, die sich entsprechend überwiegend mit der Position der Invasoren beschäftigen, beschreiben den Widerstand der Bewohner Albas. Aus diesem Grund hat die Autorin hier viele Freiheiten, die die Religion, den Alltag, aber auch die Vorbereitung auf die Verteidigung gegen die Invasoren betreffen. Diese Freiheiten werden mal mehr, mal weniger geschickt genutzt.
Weniger gefallen haben mir Entscheidungen in Bezug auf Begrifflichkeiten. So werden die Bewohner Albas als Albaner bezeichnet, während die Stämme des Landes die römischen Bezeichnungen führen. Auch über die Sprache ist nichts bekannt, und so hat sich die Autorin dazu entschieden, die Menschen aus Alba und Erin dieselbe Sprache sprechen zu lassen, obwohl es bisher kaum Austausch zwischen beiden Ländern gibt, während mindestens ein Stamm auf Alba dann doch wieder einen anderen Dialekt spricht. Das passt meiner Meinung nach so einfach nicht.
Andererseits ist die Geschichte um Eremon, der die Epidier im Kampf schult und den Römern widerstehen will, gut ausgearbeitet, und auch die Entwicklungen zwischen Rhiann und Eremon sind nachvollziehbar und gelungen dargestellt, ohne schwülstig zu sein.
Auch phantastische Elemente sind in diesem Roman zu finden. So kennen sich Frauen, die eine Ausbildung zur Priesterin erfahren haben, nicht nur mit Heilkräuter aus, sondern können auch Visionen empfangen oder kleinere Zauber wirken.
Auch Rhiann ist eine Priesterin der Göttin, doch ist ihre Macht seit einem bestimmten Ereignis eingeschränkt. Der Hass, den sie seitdem für Männer, insbesondere aber Krieger empfindet, schränkt sie in ihrem Leben stark ein, ist sie doch nicht selten voreingenommen. Prinz Eremon macht es Rhiann aber auch nicht leicht. Nicht nur hütet er ein großes Geheimnis, auch Annehmlichkeiten, die ihm andere Frauen anbieten, ist er nicht abgeneigt. Und so wundert es eigentlich nicht, dass die Beziehung zwischen den beiden nicht gerade glücklich verläuft.
Beide Hauptcharaktere sind zumindest zu Beginn nicht gerade sympathisch, doch ändert sich dies mit der Zeit, ihre Entwicklung macht einen nicht geringen Teil des Inhalts aus.
Leider sind einige Nebencharaktere doch sehr stereotyp. Eremons Ziehbruder Conaire ist der starke, beste Freund, der zwar nicht allzu schlau, dafür aber treu ist, und in dem Druiden Gelert erkennt man direkt einen Gegenspieler Rhianns. Dagegen ist Agricola, der römische Feldherr, der nur seinen Befehlen folgt, regelrecht sympathisch, obwohl er doch die große Bedrohung darstellt.
Abgerundet wird dieser historische Fantasyroman durch eine Karte Albas sowie ein ausführliches Nachwort, in dem auf einzelne Punkte gezielt eingegangen wird.

Fazit
Ein historischer Fantasyroman mit römischem Setting mag nicht jedermanns Geschmack entsprechen, wer sich aber dafür begeistern kann, darf ihn sich gerne genauer anschauen, auch wenn der deutsche Titel extrem unglücklich gewählt ist.

Judith Merkle Riley – Die Vision

AutorJudith Merkle Riley
TitelDie Vision
OriginaltitelIn Pursuit of the Green Lion
ÜbersetzerDorothee Asendorf
SerieMargaret of Ashbury Band 2
Seitenzahl538
VerlagBastei Lübbe
ISBN978-3-404-25233-6
Bewertung

Achtung: Diese Rezension enthält kleinere Spoiler zu Die Stimme!

Inhalt
England, 1356: Gerade frisch zum dritten Mal verheiratet muss Margaret sehen, wie sie in ihrem neuen Zuhause zurecht kommt. Die Burg starrt vor Dreck, es gibt weder Kinderfrau noch Zofe, und ihr Mann ist verzweifelt, da er nun seinem Ruf nicht mehr folgen kann. Zusätzlich gibt es Ärger um Margarets Erbe, denn andere Parteien melden ebenfalls Anspruch darauf an. Und zu allem Überfluss treiben auch noch zwei Geister auf der Burg ihr Unwesen…
Das Problem um das Erbe ist schnell aus der Welt geschafft, doch die Folge ist, dass Margarets Ehemann, nun zum Ritter geschlagen, als Chronist mit in den Krieg nach Frankreich ziehen muss.

Meine Meinung
Dieser Band der Trilogie schließt nahezu lückenlos an Die Stimme an. Zwar waren mystische Elemente schon fester Bestandteil des ersten Bandes und machen einen wesentlichen Teil der Handlung aus, in diesem Band nehmen sie aber noch mehr Raum ein. So kommt es sehr häufig zu Gesprächen zwischen Margaret und den Geistern, als wäre dies die natürlichste Sache der Welt, und auch andere Charaktere nehmen die Geister wahr und kommunizieren mit ihnen, ohne sich übermäßig über deren Existenz zu wundern. Im ersten Band dagegen war Margaret die einzige, die Geister wahrnehmen konnte, war aber weit davon entfernt, sich mit ihnen unterhalten zu können. Diese Entwicklung gefällt mir hier gar nicht.
Dass Margaret dagegen eine anscheinend göttliche Stimme vernimmt und über Heilkräfte verfügt, gerät hier über weite Teile des Romans in den Hintergrund.
Fand ich die Charaktere im ersten Band noch ziemlich gelungen, hatte ich hier eher den gegenteiligen Eindruck. Sei es der tumbe Krieger, das Dienstmädchen, dass viele Betten wärmt, oder der böse Dominikaner, kaum ein Klischee wird ausgelassen. Höhepunkte sind hier der eitle Satanist und die schwarze Witwe, die extrem überspitzt dargestellt werden. Dagegen sind Margaret und Gregory beinahe als normal zu sehen. Doch auch hier sind manche Handlungen doch sehr ungewöhnlich und in der Realität schwer vorzustellen.
Die ganze Geschichte an sich ist auch insgesamt nicht gerade logisch. Zwar ist es nicht allzu abwegig, dass eine Frau sich in ein anderes Land begibt, um ihren Mann aus der Gefangenschaft auszulösen, doch der Grund für die Inhaftierung ist geradezu lächerlich, und auch die Abenteuer, die die Gruppe unterwegs erlebt, sind ziemlich weit hergeholt. Das soll vermutlich witzig sein, ich fand es irgendwann aber nur noch langweilig.
Die Geschichte wird abwechselnd auktorial und aus Margarets Perspektive geschildert, so dass man gleichermaßen einen Überblick über die Geschehnisse als auch die Gedanken der jungen Frau hat. Dies fand ich geschickt gewählt, denn obwohl Margaret in ihrer recht naiven Art manchmal genervt hat, war es doch gelegentlich spannend, ihre Einschätzung zur Lage und ihren Gedankengängen zu folgen, wenn man selbst die Situation schon kennt. Wie schon der Vorgänger ist auch dieser Roman locker und unkompliziert geschrieben und leicht zu lesen, die Seiten sind nur so dahin geflogen, und obwohl ich so meine Probleme mit dem Inhalt hatte, wollte ich dennoch immer wissen, wie es weiter geht.

Fazit
Wer gerne satirisch angehauchte Romane mit überspitzten Charakteren mag, könnte Gefallen an diesem Roman finden. Wer es allerdings lieber ernster mag und eine rationale Handlung und glaubwürdige Darstellung der Charaktere erwartet, wird möglicherweise wenig Freude an diesem Roman haben.