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Elizabeth Chadwick – Der Ritter der Königin

AutorElizabeth Chadwick
TitelDer Ritter der Königin
OriginaltitelThe Greatest Knight
ÜbersetzerMonika Koch
SerieMarshal Band 2
Seitenzahl608
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-442-36903-4
Bewertung

Inhalt
Normandie, 1167: William Marshal ist der vierte Sohn von John FitzGilbert, Marshal von Heinrich II. Als solcher hat er keine Aussicht auf ein Erbe und muss seinen Platz in der Welt noch finden und sich hart erarbeiten. Als Knappe im Dienst von Guillaume de Tancarville, einem entfernten Verwandten, hat der Zwanzigjährige die bestmögliche Ausbildung erhalten, doch nach seinem Ritterschlag ist seine Zukunft ungewiss, auch wenn sein Können in der Schlacht und auf Turnierplätzen schon früh überzeugt.
Im Dienst unter seinem Onkel Patrick of Salisbury tritt er ins Gefolge von Königin Eleonore ein – ein Schritt mit großen Folgen!

Meine Meinung
Der Ritter der Königin, im englischen Original The Greatest Knight, ist der erste Roman, den ich von Elizabeth Chadwick gelesen habe, und er sollte nicht der letzte bleiben. Es handelt sich hierbei um den ersten von bisher zwei Bänden (ein dritter soll kommenden März in englischer Sprache erscheinen) über das Leben William Marshals, der es als zunächst mittelloser Ritter sehr weit gebracht hat. Sogar so weit, dass ich zunächst nicht glauben konnte, dass es sich hier eben nicht um einen fiktiven Romancharakter handelt, sondern um jemanden, der tatsächlich gelebt hat, auch wenn die Autorin einige Lücken in seiner Biografie zu füllen hatte. Inwieweit nun alles historisch korrekt ist kann ich nicht beurteilen, für mich erscheint die Handlung jedoch schlüssig und ist so spannend erzählt, dass ich dieses Buch auch zum wiederholten Mal kaum aus der Hand legen konnte.
Der historische Hintergrund wird durch Heinrich II., Königin Eleonore und deren Söhne gebildet, deren Konflikte untereinander und mit Adligen des Reiches, in die William schon bald hineingezogen wird. Vorwissen über diese Zeit ist nicht nötig, um den Roman genießen zu können, aber hilfreich, will man die Feinheiten aufnehmen. Neben dem politischen Hintergrund werden immer wieder zusätzliche Beschreibungen über den Alltag bei Hofe, die Kleidung, das Leben der Menschen eingeflochten, die dafür gesorgt haben, dass ich mir das Beschriebene sehr gut vorstellen konnte und ein regelrechtes Kopfkino abgelaufen ist, ohne dass es zu viele Informationen auf einen Schlag gewesen wären.
Chadwick stellt William Marshal als jemanden dar, der durch ein Erlebnis in jungen Jahren stark geprägt ist: Ihm geht Treue zu seinem jeweiligen Herrn über alles, und auch seine eigene Ehre ist ihm wichtig. Einen Schwur spricht er nicht leichtfertig aus, im Gegensatz zu manchen seiner Zeitgenossen. Da er zudem ein guter Kämpfer, sowohl in Turnieren als auch in echten Schlachten, ist, erscheint er hier schon fast übertrieben gut, edel und geschickt, dazu noch wortgewandt und gutaussehend. Negative Seiten sucht man beinahe vergeblich, denn seine Beschreibung als Vielfraß und Langschläfer sehe ich eher als spöttische Hänselei denn als echte negative Darstellung. Und dennoch kam er mir hier nicht wie ein Übermensch vor, sondern eben als Mensch seiner Zeit, der durch seine Erlebnisse und Mitmenschen geprägt ist. Wer mehr über Williams Jugend lesen will, kann darüber in Das Banner der Königin nachlesen, dies ist aber für das Verständnis nicht notwendig.
Es kommen eine Vielzahl an überwiegend belegt historischen Personen vor, so dass es nicht gerade einfach ist, den Überblick zu behalten – ein Personenregister ist leider in meiner Ausgabe nicht vorhanden, wäre hier aber hilfreich gewesen. An der Darstellung der wenigsten Personen habe ich etwas auszusetzen. Zwar sind einige Charaktere direkt bei ihrer Einführung als Gegenspieler und mögliche spätere Feinde Williams zu erkennen, aber diese Feindseligkeiten werden stets plausibel geschildert.
Sprachlich ist der Roman wenig auffällig. Er ist vielleicht nüchterner, nicht ganz so emotional gehalten wie die manch anderer Autorinnen, dies hat mich jedoch an keiner Stelle gestört. Auch die Übersetzung scheint gelungen, nur ist es, wie schon bei Das Banner der Königin, die Übersetzung einiger Namen, die mir sauer aufstößt. Warum müssen die Namen der Plantagenets eingedeutscht werden, wenn alle anderen Namen der englischen Version des Romans entsprechen?
Zusatzmaterial ist hier kaum vorhanden, einzig eine Anmerkung der Autorin über den historischen William Marshal und eine kurze Danksagung sind enthalten. Gegen ein Personenregister und eine Karte hätte ich nichts einzuwenden gehabt.

Fazit
Eine uneingeschränkte Leseempfehlung für Interessierte an englischer Geschichte dieser Zeit, spannend erzählt.

Kiera Brennan – Die Herren der grünen Insel

AutorKiera Brennan
TitelDie Herren der grünen Insel
Seitenzahl959
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-7645-0559-2
Bewertung

Inhalt
Irland, 1166: Die irischen Stämme sind untereinander zerstritten. Kleinere Fehden wie die zwischen den O’Bjolans und Ascall von Toora, bei denen es um verletzten Stolz geht, sind an der Tagesordnung, doch auch die Könige der Insel bekämpfen einander.
Als König Diarmait von Leinster Hilfe im Ausland sucht und bei Henry Plantagenet Aufnahme und ein offenes Ohr findet, setzt er damit Ereignisse in Gang, die Irland für immer verändern sollen. Auch Diarmaits Tochter Aoife, ein schüchternes, schnell zu ängstigendes Mädchen, erhält durch die Begegnung mit Henry und seiner Frau Eleonore ein Ziel, auf das sie von nun an mit aller Kraft hinarbeitet…

Meine Meinung
Normalerweise veröffentlicht Julia Kröhn ihre historischen Romane unter ihrem richtigen Namen. In diesem Fall wurde ein Pseudonym entwickelt, da sich dieses Buch doch sehr von dem unterscheidet, was Julia Kröhn bisher in diesem Genre geschrieben hat.
Thema des Romans ist die Eroberung Irlands durch die Normannen aus irischer Sicht. Der Leser folgt den Erlebnissen einiger, meist fiktiver, Personen. Hier gibt es eine kleine Fehde, dort versucht ein Händler, sich in die Politik einzumischen, und dann ist da ja auch noch Aoife, die einzige historische Hauptperson…
Insgesamt gibt es sehr viele Charaktere, weshalb das Personenregister sehr hilfreich ist, das auch Hinweise zur Aussprache irischer Namen enthält. Da ich schon mehrere Romane mit irisch-gälischem Bezug gelesen habe, waren mir einige Namen geläufig. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass sie dem einen oder anderen Leser durchaus Probleme bereiten können.
Trotz oder vielleicht auch wegen der vielen Hauptcharaktere hatte ich so meine Schwierigkeiten mit diesem Roman. Immer wieder springt die Autorin zwischen den einzelnen Personen hin und her, man erfährt episodenhaft, was mit ihnen passiert, und bis man sie das nächste Mal begleitet sind einige Monate vergangen. Dazu kommt, dass es eigentlich keine echten Sympathieträger gibt. Kaum denkt man, mit einem Charakter wirklich mitfühlen zu können, zeigt er eine ganz andere Seite, doch auch die gegensätzliche Entwicklung gibt es, dass ein Unsympath plötzlich zumindest phasenweise zum Lieblingscharakter wird. Dies ist schon recht erfrischend, schafft die Autorin es doch auf diesem Weg, ihre Geschichte erstaunlich frei von Stereotypen und die Handlung, abgesehen vom historisch vorgegebenen Rahmen, weitestgehend unvorhersehbar zu gestalten. Dennoch hätte ich mir wenigstens eine Hauptperson gewünscht, mit der man von Anfang bis Ende mitfiebern kann. Ebenso auffällig ist es, dass sich die Autorin hier nicht scheut, Hauptpersonen sterben zu lassen, wie man es sonst in Romanen eher selten erlebt.
Die Handlung an sich ist eigentlich sehr spannend und ganz mein Thema. Dadurch, dass man aber immer nur erfährt, was auch die handelnden Personen erleben, kommt gar kein Überblick über den Ablauf der eigentlichen Eroberung zustande. Vielmehr sind es eben wie schon angemerkt kleine Episoden, die oft wenig mit denen anderer Charaktere zu tun haben. Gelegentlich überschneiden sich die Handlungsstränge, oft genug verlaufen sie aber auch unabhängig voneinander.
Wer eine Liebesgeschichte erwartet, der kommt hier nicht auf seine Kosten, denn auf Romantik wird weitestgehend verzichtet.
Dazu trägt auch der Schreibstil bei. Statt neutral beschreibend ist er sehr subjektiv, teilweise (ab-)wertend, was jeden Keim von Romantik zerstört, auch erhält man sehr schnell falsche Eindrücke von Charakteren, die man dann später in vielen Fällen korrigieren muss. Da wird im Erzähltext auch mal das Wort Köter verwendet, obwohl der neutrale Begriff Hund völlig ausreichend gewesen wäre. Dazu kommt, dass sich der Erzähler immer mal wieder selbst korrigiert: Ein Ächzen, nein, ein Schluchzen. Etwas Silbernes: ein Helm, nein, eine Rüstung, nein, ein Speer… Diese Korrekturen haben mich zu Beginn nur irritiert, je öfter sie vorkamen, umso mehr haben sie mich genervt.
An der Ausstattung des Buches wurde nicht gespart. Neben dem bereits erwähnten Personenregister enthält die Hardcoverausgabe eine kurze Vorbemerkung zur Aussprache, eine Zeittafel über die Ereignisse, die zur Eroberung Irlands führen, eine Karte, Anmerkungen zur Historie sowie ein Lesezeichen, auf dem die wichtigsten Figuren genannt werden.

Fazit
Mit seiner Charakterdarstellung kann der Roman positiv wie auch negativ punkten, und die Handlung ist spannend in Szene gesetzt. Leider ist es vor allem der Schreibstil, mit dem ich so meine Probleme hatte und der eine bessere Wertung verhindert hat. Eine Fortsetzung würde ich dennoch lesen, wenn auch ohne allzu hohe Erwartungen.
Für Interessierte an der irischen Geschichte durchaus einen Blick wert, jedoch sollte man damit zurecht kommen, dass es keinen wirklichen Sympathieträger gibt.

Vielen Dank an den Blanvalet-Verlag und das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar!