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Rebecca Gablé – Die fremde Königin

AutorRebecca Gablé
TitelDie fremde Königin
SerieOtto der Große Band 2
Seitenzahl763
VerlagLübbe Ehrenwirth
ISBN978-3-431-03977-1
Bewertung

Inhalt
Garda, 951: Adelheid, die verwitwete Königin Italiens, wird von Berengar von Ivrea gefangen gehalten. Sie soll seinen Sohn heiraten, damit die Königswürde auf seine Familie übergeht, dabei war es Berengar, der ihren Mann vergiften ließ. Doch nach viermonatiger Gefangenschaft gelingt es ihr, aus dem Verlies zu fliehen und sich in Sicherheit zu bringen.
Hilfe erhält sie dabei von Gaidemar, einem Bastardsohn aus der Verwandtschaft König Ottos. Schon bald ist er von Adelheid fasziniert, die auch nach so langer Gefangenschaft ungebrochen und immer gefasst ist. Doch in Pavia wartet König Otto auf sie, um ihr ein Angebot zu machen, das sie kaum ausschlagen kann…

Meine Meinung
Die Romane der Autorin Rebecca Gablé stehen für mich für Bücher, die man kaum aus der Hand legen kann, gute Unterhaltung, eingebettet in die tatsächlichen historischen Begebenheiten, dass man so ganz nebenbei noch sehr viel über deutsche und englische Geschichte lernen kann. Und jedes Mal geht es mir wieder so, dass ich Romane dieser Autorin schneller durchlese als manch andere Bücher anderer Autoren, die nur halb so viele Seiten haben.
Man merkt, ich liebe diese Bücher. Dennoch soll dies kein reines Loblied auf sie sein, sondern eine kritische Betrachtung.
Der vorliegende Roman beschreibt die Zeit König Ottos von seiner Hochzeit mit Adelheid bis zur Kaiserkrönung, deckt also etwa elf Jahre ab. In dieser Zeit passiert sehr viel, es gibt Krieg innerhalb der Familie, aber auch mit den Ungarn, den Slawen und den Italienern, und eine der Hauptpersonen ist eigentlich immer mitten drin. Aber auch die Politik spielt eine große Rolle, denn die Herzöge des Reiches sind alle mit Otto verwandt und verschwägert, und auch die kirchliche Macht liegt zum Teil in den Händen der Familie, was nicht nur positive Seiten hat. Hier muss man schon mal ein wenig Konzentration aufwenden, um die Gründe für das Hin und Her über die Dauer des Buches nicht aus den Augen zu verlieren. Wer das nicht mag, ist mit diesem Roman wie auch mit Büchern der Autorin im Allgemeinen nicht gut beraten. Viele Ereignisse sind dabei bis heute überliefert, andere Informationen jedoch nur oberflächlich in den alten Texten enthalten oder sehr widersprüchlich, so dass das Gerüst der Romanhandlung durch die Historie zwar vorgegeben ist, jedoch auch noch genügend Freiraum für die Autorin vorhanden ist, der Phantasie freien Lauf zu lassen und die Handlung mit Leben zu füllen.
Dabei werden die meisten Charaktere aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Insbesondere Adelheid zeigt so viele verschiedene Seiten, dass ich selbst zum Ende hin nicht wusste, ob ich sie als Romanfigur mochte oder nicht, mal war sie mir richtig sympathisch, dann wieder eher das genaue Gegenteil. Sie ist eine sehr gute Politikerin, sehr darauf bedacht, Situationen zum Vorteil ihrer Familie auszunutzen, selbst wenn das bedeutet, ihrem Gatten Informationen vorzuenthalten. Dennoch hat sie auch eine sehr menschliche Seite, die besonders, aber nicht nur im Umgang mit ihren Kindern deutlich wird.
Eine weitere Hauptperson ist Gaidemar, ein fiktiver Charakter aus Ottos Familie. Wer schon den einen oder anderen Roman von Rebecca Gablé gelesen hat, weiß, wie sie ihre fiktiven Charaktere zeichnet: Sie sind in der Regel prinzipientreu und edel, stehen zu ihrem Wort, selbst wenn es sie in Schwierigkeiten bringt, und Freundschaften sind ihnen sehr wichtig. Und genau dies trifft auch auf Gaidemar zu, er ist eindeutig der Sympathieträger in diesem Roman, nur selten bricht er aus seiner Rolle aus, dann aber überrascht dies umso mehr. Dadurch, dass wir ihn erst als jungen Mann von gut zwanzig Jahren kennen lernen, erfahren wir nicht besonders viel über seine Vergangenheit. Er ist ein Panzerreiter, der in einer Ziehfamilie aufgewachsen ist. Er hadert mit seiner Herkunft als Bastard, insbesondere aber damit, dass er nicht weiß, wer seine Eltern waren, macht jedoch das Beste daraus. Im Vergleich zu den fiktiven Hauptcharakteren anderer Romane der Autorin steht jedoch ein wenig im Hintergrund, es ist nicht seine Geschichte, die im Mittelpunkt steht, vielmehr hatte ich den Eindruck, dass die Historie hier das Zentrum der Handlung biödet und Gaidemar nur einen bestimmten Anteil darin hat.
Auch nach inzwischen zehn historischen Romanen weiß ich noch nicht, ob ich es mag oder nicht, wie Frau Gablé ihre Helden zeichnet, denn eigentlich sind sie sich charakterlich zu ähnlich. Dann aber, wenn die fiktiven Hauptcharaktere stärker in den Hintergrund rücken wie hier, fehlt mir irgend etwas. Und so hätte ich hier gerne mehr über Gaidemar gelesen, vielleicht die eine oder andere Episode, die ihn näher beschreibt, um ihn von anderen Gablé-Charakteren zu unterscheiden.
Viele der Personen aus diesem Roman kommen bereits im vorhergehenden Band vor, darunter auch Ottos Bruder Heinrich von Bayern, der hier Henning genannt wird, um es dem Leser zu erleichtern, den Überblick über die ganzen Personen zu behalten. Zwar werden die meisten Charaktere auch hier wieder passend eingeführt, so dass man Das Haupt der Welt nicht zwingend gelesen haben muss, es erleichtert das Verständnis aber sehr, wenn man ihn kennt, schon alleine, um das Verhältnis Ottos zu seinen Brüdern nachvollziehen zu können, denn hier die ganze Vorgeschichte nachzuerzählen hätte einfach den Rahmen gesprengt.
Der Schreibstil ist so, wie man es auch von anderen Romanen der Autorin kennt, nämlich flüssig zu lesen. Komplizierte Sachverhalte werden leicht verständlich dargestellt, Kampfszenen so beschrieben, dass man erkennt, wie brutal der Krieg war, ohne dass dies jedoch ausgemerzt wird. Gleiches gilt für die enthaltene Liebesgeschichte, die sich zwar im Buch findet, aber eben nicht den Hauptteil der Geschichte ausmacht. Auch auf glückliche Zufälle, die die Handlung gerade noch rechtzeitig drehen, verzichtet die Autorin weitestgehend, nur eine Szene gegen Ende könnte man als solchen bezeichnen, ich fand die Situation jedoch schlüssig.
An Zusatzmaterialien wird auch hier nicht gespart. Neben einem ausführlichen Nachwort findet man hier auch wieder ein Personenregister, in dem die wichtigsten Personen enthalten sind, sowie eine Karte, auch ein paar hübsche Illustrationen sind enthalten.

Fazit
Wer schon mit anderen Romanen von Rebecca Gablé wenig anfangen konnte, wird hier wenig Neues finden. Wer sich jedoch für ihre Art, in die Vergangenheit einzutauchen, begeistern kann, wird sich auch hier wieder für viele Stunden an sein Buch gefesselt sehen. Auch wenn dieser Roman vielleicht nicht der beste der Autorin ist, konnte er mich wieder sehr gut unterhalten.

Neal Stephenson – Confusion

AutorNeal Stephenson
TitelConfusion
OriginaltitelConfusion
ÜbersetzerJuliane Gräbener-Müller, Nikolaus Stingl
SerieBarock-Trilogie Band 2
Seitenzahl1018
VerlagGoldmann
ISBN978-3-442-46662-7
Bewertung

Achtung: Enthält Spoiler zu Quicksilver!

Inhalt
Barbarei-Küste, 1689: Jack Shaftoe, König der Landstreicher, von der Syphilis einige Jahre zuvor seines Verstandes beraubt, findet sich plötzlich geheilt als Galeerensklave wieder. Doch Jack wäre nicht Jack, wenn es ihm nicht gelänge, mit ein paar Freunden ein Komplott zu ersinnen, um der Sklaverei zu entrinnen.
In der Zwischenzeit gerät Eliza, Gräfin de la Zoer, unter Druck, und sie ist gezwungen, ihr Vermögen der französischen Krone zur Verfügung zu stellen. So in die Ecke gedrängt nutzt sie alle ihr verfügbaren Mittel, ihre Männerbekanntschaften und sonstige Freundschaften, um sich zu gegebener Zeit rächen zu können…

Meine Meinung
Wie schon in Quicksilver enthält das Buch Confusion nicht nur einen Roman, sondern zwei, die die Namen Bonanza und Das Komplott tragen. Nur spielen diesmal diese beiden Romane nicht nacheinander, sondern parallel, so dass hier immer zwischen beiden hin und her gesprungen wird. Sie sind verwoben, im Englischen con-fused, daher der Titel. Zu richtigen Überschneidungen kommt es dabei so gut wie gar nicht, jedoch haben einzelne Ereignisse aus dem einen Roman Auswirkungen auf den anderen, so dass es schon sinnvoll ist, die von Stephenson vorgegebene Reihenfolge einzuhalten. Dabei sind beide Romane dennoch auch eigenständig lesbar, weshalb es sich hier nicht bloß um zwei Handlungsstränge eines einzigen Romans handelt.
Die Handlung des Buches ist sehr komplex und verlangt dem Leser so einiges ab. Nicht nur geht es in die hohe Politik, auch wirtschaftliches und wissenschaftliches Interesse sollten vorhanden sein, auch wenn die Naturwissenschaft im Vergleich zum ersten Band ein wenig in den Hintergrund tritt. So wird hier über mehrere Seiten erklärt, wie ein auf Primzahlen basierendes System für die Sortierung von Büchern in einer Bücherei funktionieren soll, da wird der Handel mit Anleihen und Leerverkäufen erklärt, und auch alchimistische Vorstellungen spielen eine Rolle. Auf über tausend Seiten ist es dazu noch so manches Mal schwierig, den Überblick über die große Anzahl an Charakteren zu behalten, da es auch kein Personenregister gibt, welches hier gute Dienste getan hätte, zumal auch viele Personen aus dem Vorgängerband vorkommen und diese nicht noch einmal neu vorgestellt werden. Wenn also die Lektüre des ersten Bandes bereits längere Zeit her ist, wie es bei mir der Fall war, ist der Einstieg nicht gerade einfach.
Über mehrere Monate habe ich mich durch dieses Werk gekämpft, manche Tage habe ich nur zehn Seiten gelesen, weil sich alles so zog, an anderen Tagen waren es dann wieder fast hundert Seiten am Stück, weil es wieder richtig spannend wurde, um es dann doch wieder beinahe abzubrechen.
Stephenson spielt hier mit der Historie. Während manche Charaktere und Ereignisse historisch belegt sind, entstammt ein großer Teil der Fantasie des Autors. Manche Dinge, die hier erwähnt werden, sind völlig an den Haaren herbeigezogen. So gibt es einen Charakter, der offensichtlich am Tourette-Syndrom leidet und zu einem Heiligen mit diesem Namen beten soll. Jedoch leitet sich der Name dieser Erkrankung von einem Arzt aus dem 19. Jahrhundert ab, einen Heiligen, der eben dieses Krankheitsbild zeigt und zudem diesen Namen trägt, wird es also kaum gegeben haben. Dies und viele andere, ähnlich geartete Beschreibungen zeigen, dass der Roman eher in einer Art Paralleluniversum spielt als in unserer Welt, dass es sich eher um Alternate History als um einen echten historischen Roman handelt. Man sollte nicht alles für bare Münze nehmen, was beschrieben wird, dennoch kann man viel lernen, wenn man sich auf die teilweise extrem ausführlichen Beschreibungen einlässt.
Wie schon im Vorgänger wechselt Stephenson immer wieder den Erzählstil. Manche Kapitel bestehen nur aus aneinandergereihten Briefen, manche wieder ausschließlich aus wörtlicher Rede. In anderen mit vielen und langen Dialogen springt der Autor mitten drin in einen Drehbuchstil. Von einer einheitlichen Erzählweise kann also keinesfalls die Rede sein.

Fazit
Der zweite Band der Barock-Trilogie ist stellenweise einfach genial, dann wieder extrem langweilig, dazu sehr komplex. Auf über tausend eng bedruckten Seiten den Überblick zu behalten ist nicht gerade einfach. Wer sich gerne mit diversen wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Themen im 17. Jahrhundert auseinandersetzen mag und dabei auch einen Ausflug in das Genre der Alternate History nicht scheut, sollte genauer hinschauen (dann aber bitte mit dem ersten Band anfangen und die Reihe möglichst am Stück lesen), alle anderen sollten von diesem Wälzer doch lieber Abstand nehmen.

Sabine Weigand – Das Perlenmedaillon

AutorSabine Weigand
TitelDas Perlenmedaillon
Seitenzahl590
VerlagFischer
ISBN978-3-596-16359-5
Bewertung

Inhalt
Nürnberg, 1494: Der Goldschmied Heinrich Brandauer sieht in Niklas einen vielversprechenden Gesellen. Für seine Tochter Helena hofft er auf eine gute Partie, um so selbst gesellschaftlich aufsteigen zu können.
Doch die jungen Leute sind ein Paar, hoffen auf den Segen des Vaters. Als dieser aber erkennen muss, dass Helene ein Kind erwartet, wirft er Niklas aus dem Haus, und Helene muss ihr Kind heimlich zur Welt bringen.
Während der junge Goldschmied in die Welt hinaus zieht, soll Helene schnellstmöglich verheiratet werden.
Auch Anna, eine junge Frau, die in der Stadt ihr Glück gesucht hat und im Hurenhaus gelandet ist, hat es nicht gerade leicht. Ihr Trost ist ihre Wölfin, der sie blind vertrauen kann.

Meine Meinung
Das Perlenmedaillon ist der zweite Roman der Autorin Sabine Weigand. Wie schon in Die Markgräfin gibt es auch hier einen Handlungsstrang, der in diesem Jahrtausend spielt, jedoch rahmt dieser die Handlung in der Vergangenheit nur als Prolog und Epilog ein und wechselt sich nicht mit dieser ab. Diese wenigen Seiten fand ich absolut unnötig, weder wird dadurch die Spannung erhöht noch irgend etwas aufgeklärt. Man hätte sie auch einfach weglassen können, denn einen Mehrwert gibt es dadurch nicht.
Wieder einmal hat sich die Autorin an einer realen Person orientiert, deren Erlebnisse jedoch so weit an entscheidenden Punkten abgewandelt, dass eine ganz eigene Geschichte erzählt wird. Das ist insoweit legitim, da es sich um einen Roman handelt. Dass Sabine Weigand hier im Nachwort sogar erklärt, wo sie von den Fakten abgewichen ist, ist ein Service an den Leser. Irritiert hat mich jedoch, dass der Roman im Klappentext als „die wahre Geschichte der Helena Heller“ bezeichnet wird, wenn es doch keine historische Helena Heller gab. Dies laste ich dem Roman selbst nicht an, jedoch sollten dem Verlag solche Fehler und irreführenden Werbesprüche nicht passieren.
Im Zentrum des Romans steht eben jene Helena, die gegen ihren Willen das angesehene Ratsmitglied Konrad Heller heiraten muss. Ihr Leben wird schon bald zur Hölle, denn Konrad lässt seinen Frust gerne an ihr aus. Dennoch versucht sie, alleine mit dieser Situation zurecht zu kommen. Die zweite Hauptperson ist Niklas, der sich im fernen Venedig ein neues Leben aufbaut und dort sein Handwerk ausübt, seine Jugendliebe aber nie vergessen kann. Auch Anna, die Hübschlerin, die jede Gelegenheit nutzt, ihr Leben zu verbessern, spielt eine wichtige Rolle.
Alle drei Hauptcharaktere sind als Sympathieträger angelegt, Niklas und Helene zeigen aber kaum Persönlichkeit. Am besten hat mir Anna gefallen, weil sie sich nicht nur durch das definiert, was mit ihr passiert. Die drei geraten in Situationen, in denen sie unter den Einfluss von Personen gelangen, deren deutlichster Charakterzug die Bösartigkeit ist. Auch wenn nicht alles nur schwarz-weiß gesehen werden kann, so war mir diese Darstellung dennoch ein wenig zu platt.
Echte historische Personen tauchen übrigens auch auf. Besonders ist an dieser Stelle Albrecht Dürer zu erwähnen, der nicht nur in seiner Funktion als Künstler auftritt.
Die meiste Zeit über laufen die drei Handlungsstränge parallel nebenher, es gibt zwar Verknüpfungen wie Briefe und das besondere Perlenmedaillon, das hier und da mal auftaucht, davon abgesehen gibt es aber eher wenige Berührungspunkte, die auf mich manches Mal recht konstruiert gewirkt haben. Und so werden über große Teile des Buches drei Geschichten nebeneinander her erzählt, und erst am Ende laufen sie dann mehr oder weniger zusammen.
Dadurch, dass der Roman einen Zeitraum von etwa vierzehn Jahren abdeckt, ist jede Geschichte für sich genommen nicht gerade umfangreich, jedoch hatte ich nicht das Gefühl, als hätten sie stärker ausgebaut werden müssen. Dennoch konnten sie mich nicht alle über die gesamte Dauer des Buches fesseln, mal fand ich den einen Handlungsstrang, mal einen anderen interessanter, oft haben sie aber nur vor sich hin geplätschert und ich habe darauf gewartet, dass endlich etwas passiert. Spannung ist immer mal wieder aufgetreten, jedoch selten über einen längeren Zeitraum. Dabei ist Helenas Geschichte am prägnantesten, wird hier doch deutlich dargestellt, welche Rechte und Pflichten eine Ehefrau in Nürnberg doch hatte und inwiefern sie auf Unterstützung hoffen konnte. Stellenweise war das schon sehr bedrückend beschrieben. Das Ende mag für den einen oder anderen Leser unerwartet kommen, für mich war es jedoch weitestgehend stimmig, wenn es auch einer der Punkte ist, an denen die Autorin von der Biografie des historischen Vorbilds abgewichen ist. Ein anderes Ende dichter am Vorbild hätte mich jedoch auch nicht gestört.
Besonders auffällig an diesem Roman sind die bereits erwähnten Briefe sowie Aufzeichnungen für ein Buch. Diese sind nämlich so verfasst, wie Menschen in der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit geschrieben haben mögen, nämlich jenseits aller Rechtschreibregeln. Vielleicht soll dies einen Eindruck von Authentizität vermitteln, mich haben diese Abschnitte jedoch sehr gestört, lassen sie sich doch sehr schlecht lesen. Mir hätte es besser gefallen, wenn diese in ganz normalem, heutigen Deutsch geschrieben worden wäre. Irgendwann habe ich sie weitestgehend nur noch überflogen, da sowieso sehr selten Dinge erwähnt werden, die für die Handlung relevant sind.
Ebenso störend fand ich, dass in Niklas‘ Handlungsstrang immer wieder italienische Wörter eingeflochten wurden. Ich verstehe nicht, warum das nötig ist, die Charaktere würden doch durchweg Italienisch sprechen, was für den Roman einfach ins Deutsche übertragen wurde. Warum lässt man dann einzelne Wörter stehen?

Fazit
Das Perlenmedaillon ist in seiner Art schon ein wenig speziell, insbesondere das Stilmittel der Briefe scheint zu polarisieren. Mich konnte der Roman nicht völlig überzeugen, zu konstruiert war er an einigen Stellen, er war allerdings auch kein völliger Fehlgriff. Wer andere Bücher von Sabine Weigand kennt und mag wird möglicherweise auch hier seine Freude haben.

Edith Beleites – Claras Bewährung

AutorEdith Beleites
TitelClaras Bewährung
SerieDie Hebamme von Glückstadt Band 2
Seitenzahl285
VerlagRoRoRo
ISBN978-3-499-23656-3
Bewertung

Achtung: Enthält Spoiler zu Die Hebamme von Glückstadt

Inhalt
Glückstadt, 1634: Drei Jahre lebt Clara nun schon in der Stadt. König Christian IV. hält eine schützende Hand über sie, dennoch muss sie sich immer wieder gegenüber einigen Personen behaupten. Insbesondere der protestantische Pastor Wördemann und der Apotheker Rumpf legen ihr Steine in dem Weg, und auch Greetje Skipper, eine Laienhebamme, kann es nicht lassen, Clara schlecht zu machen. Zudem gehen die Geschäfte der Hebamme nicht gut, denn viele Geburten gibt es in Glückstadt nicht.
Und so kommt ihr eine Einladung ihrer Freundin Johanna nach Hamburg gerade recht, um ein wenig Abstand zu ihren Problemen zu gewinnen – nicht ahnend, dass sie sich in ihrer alten Heimat in Schwierigkeiten bringen würde…

Meine Meinung
Der zweite Band um die Hebamme Clara schließt nicht direkt an den ersten Band an. Vielmehr sind mehrere Jahre vergangen, ohne dass etwas Nennenswertes geschehen wäre. Noch immer sind sich Clara und der junge Erfinder Willem nicht deutlich näher gekommen, obwohl doch nichts gegen eine gemeinsame Zukunft spricht, Greetje Skipper ist noch immer genauso biestig, und auch sonst hat sich wenig geändert. Clara spaziert noch immer den ganzen Tag in Glückstadt herum und steckt ihre Nase in Dinge, die sie nichts angehen. Dabei ist sie ihrer Zeit weit voraus, wenn sie beispielsweise über die Übertragungswege von Krankheitserregern spricht.
Ihre Freunde sind genau das, nämlich Freunde, die ihr immer zur Seite stehen. Obwohl sie alle einen Beruf ausüben, haben sie immer Zeit, um Clara oder auch ganz Glückstadt zu helfen. Besonders viel Persönlichkeit zeigt keiner der Charaktere, alle auftretenden Personen sind entweder für oder gegen Clara und ihre Neuerungen und Einmischungen.
Die Geschichte plätschert nur so vor sich hin. Eigentlich passiert in den Wochen, die der Roman abdeckt, recht viel – zu viel, um allen Punkten auf knapp dreihundert Seiten gerecht zu werden, und so werden sie wie schon im ersten Band eher oberflächlich abgehandelt. Die Schwierigkeiten, die im Klappentext des Buches erwähnt werden, entpuppen sich zudem bald als gar nicht so gravierend, wie sie beschrieben werden. Und wie schon im ersten Band gibt es auch hier wieder einen Betrugsfall, in den Clara zufällig hinein stolpert und zu dem sie natürlich gleich wichtige Hinweise zur Aufdeckung liefern kann. Nicht alle Ereignisse, die angerissen werden, werden vollständig abgeschlossen. Ich empfinde es als unbefriedigend, wenn sich über nicht gerade wenige Seiten ein Konflikt aufbaut und auf diesen dann plötzlich gar nicht mehr eingegangen wird, er in einem Nebensatz in einem späteren Kapitel abgehakt wird, die Bedrohung innerhalb weniger Sätze in sich zusammenfällt oder aber die Auflösung möglicherweise in einem späteren Band zu finden ist, dies aber nicht explizit zu erkennen ist.
Wenigstens betätigt Clara sich hier über einen großen Teil der Seiten auch tatsächlich als Hebamme, wenn schon nicht besonders häufig während einer Geburt, so doch zumindest mit Vor- und Nachbereitungen, also echter Hebammenarbeit. Im Gegensatz zum ersten Band sind diese Tätigkeiten allerdings eher unspektakulär und ziehen sich zum Teil sehr in die Länge, was bei den wenigen Seiten schon eine Kunst ist.
Auch sprachlich konnte mich dieser Roman nicht überzeugen, denn in diesem Band wird wie schon im ersten fleißig gesiezt. Nicht nur die Bürger siezen sich, auch der König wird so angesprochen und siezt ebenso zurück.

Fazit
Hat mir schon der erste Teil nicht wirklich gefallen, so hat mich der zweite nun davon überzeugt, die Reihe nicht weiter zu verfolgen. Für das Buch sprechen einzig die wenigen Seiten, denn so hat man es schnell hinter sich gebracht. Ich kann keine Leseempfehlung aussprechen.

Edith Beleites – Die Hebamme von Glückstadt

AutorEdith Beleites
TitelDie Hebamme von Glückstadt
SerieDie Hebamme von Glückstadt Band 1
Seitenzahl283
VerlagRoRoRo
ISBN978-3-499-22674-8
Bewertung

Inhalt
London, 1612: Während eines längeren Aufenthaltes in London wird die Hebamme Henriette um Hilfe gebeten. Doch Henriette kommt zu spät, die Mutter stirbt, und nur das Kind, eine Tochter, überlebt, während sich der Vater aus dem Staub gemacht hat. Die Hebamme beschließt, das Mädchen als ihre Tochter anzunehmen.
Hamburg, zwanzig Jahre später: Am Sterbebett Henriettes erfährt Clara, inzwischen selber Hebamme, dass sie nicht deren leibliche Tochter ist. Enttäuscht beschließt sie, in der aufstrebenden Stadt Glückstadt ein neues Leben zu beginnen, fern all der Leute, die sie als Henriettes Tochter ansehen. Doch für eine ledige Frau ist der Neuanfang in Glückstadt nicht so einfach wie erwartet…

Meine Meinung
Bei Die Hebamme von Glückstadt handelt es sich um den Auftakt einer fünfteiligen Reihe um die Hebamme Clara.
Clara ist eine junge Frau, die als alleinstehende Hebamme gewohnt ist, selber zu handeln und ihr Leben nicht von Männern bestimmen zu lassen. Und so lässt sie sich ihre einmal getroffene Entscheidung auch nicht mehr ausreden. Anstatt Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen, konfrontiert sie ihre Widersacher lieber, um die Probleme aus der Welt zu schaffen. Sie ist aufgeklärt, gebildet und findet überall schnell Freunde.
Ihre erste und beste Freundin in Glückstadt ist Lene, die Wirtstochter, die ihr gleich nach ihrer Ankunft herzlich begegnet und immer ein offenes Ohr für ihre Nöte hat.
Der Erfinder Willem, der bei ihrer ersten Begegnung einen wenig passablen Eindruck auf Clara macht, und der Arzt Olsen, der zunächst auf Konfrontationskurs mit ihr geht, sind ebenfalls wichtige Personen in diesem Roman.
Da der Roman nur knapp 300 Seiten umfasst, sollte man nicht erwarten, dass die Charaktere sehr genau ausgearbeitet sind. Manche sind doch recht stereotyp wie die Laienhebamme Greetje Skipper, die Clara als Konkurrentin sieht, viele aber einfach zu oberflächlich beschrieben, so dass man sich kaum eine genaue Vorstellung von ihnen machen kann.
Schon recht bald ist mir aufgefallen, dass sich die Personen untereinander siezen. Dies war zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges aber noch längst nicht üblich und hat mich über weite Teile des Romans irritiert.
Auch sonst hätte man glauben können, dass der Roman wesentlich später spielt, wären es nicht einige historische Details wie eben die Besiedelung Glückstadts oder die Erwähnung Wallensteins, die mich wieder daran erinnert haben, in welcher Zeit wir uns befinden. Clara redet hier vom Hexenglauben, als wäre der Höhepunkt der Hexenverfolgung längst vorbei, und auch die übrigen Wissenschaften betrachtet sie aus recht aufgeklärter Perspektive.
Aufgrund des bereits erwähnten geringen Umfangs des Romans wundert es nicht, dass auch die Handlung nicht allzu komplex ist. Eine junge Hebamme kommt in eine neue Stadt, und da sie etliche neue Ideen mitbringt, von denen die Laienhebammen und Bürger Glückstadts noch nicht gehört haben, ist der Start in ihr neues Leben nicht gerade einfach. Und während sie mit ihren eigenen Nöten kämpft, löst sie ganz nebenbei noch einen Betrugsfall auf.
Während der Hauptteil der Handlung ganz nett, wenn auch nichts Besonderes, ist, war mir dieser Ausflug in Richtung Kriminalroman dann doch zu viel. Er passt einfach nicht in die sonstige Handlung und wirkt nur aufgesetzt, wie nachträglich eingefügt, um noch ein paar mehr Seiten zu füllen.
Ganz informativ fand ich dagegen die Beschreibungen der Hebammenarbeit, was den Geburtshelferinnen erlaubt war und was nicht und was es damals für Vorstellungen über die Kindesentwicklung im Mutterleib gegeben hat. Dieser Aspekt erscheint mir schon recht authentisch, wenn es der Rest des Romans schon nicht ist.
Der Schreibstil ist flüssig, nur gelegentlich haben mich einzelne Worte wie „Orders“ anstelle von „Anordnungen“ aus dem Text gerissen. Auch fällt auf, dass sehr viele Absätze mit dem Namen der Protagonistin beginnen: Clara lachte, Clara seufzte, Clara musste schmunzeln.
Vorne im Buch findet sich eine Karte, die Glückstadt ein paar Jahre nach der Romanhandlung abbildet. Im Innern finden sich zudem paar weitere Bilder, was mich zunächst überrascht hat, weil diese in den Fließtext eingebettet sind, statt vor oder nach dem Romanteil eingefügt zu sein. Weiteres Zusatzmaterial findet sich hier nicht, dies war jedoch zum Zeitpunkt der Veröffentlichung auch nicht üblich.

Fazit
Dieses dünne Büchlein kann man, muss man aber nicht lesen. Es ist nicht wirklich schlecht, aber eben auch nicht gut, und ins siebzehnte Jahrhundert habe ich mich überhaupt nicht versetzt gefühlt. Um es mal eben nebenbei zu lesen und kurz abzuschalten ist es in Ordnung, mehr aber auch nicht.