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Bernard Cornwell – Der weiße Reiter

AutorBernard Cornwell
TitelDer weiße Reiter
OriginaltitelThe Pale Horseman
ÜbersetzerMichael Windgassen
SerieSaxon Chronicles Band 2
Seitenzahl510
VerlagRoRoRo
ISBN978-3-499-24283-0
Bewertung

Achtung: Rezension enthält kleinere Spoiler zu Das letzte Königreich

Inhalt
England, 877: Nach der Schlacht bei Cynuit nimmt Uhtred sich die Zeit, um sicherzugehen, dass es seiner Familie gut geht, statt direkt König Alfred von Wessex Bericht zu erstatten. Und so kommt es, dass seine Taten nicht nur nicht gewürdigt werden, sondern Andere den Ruhm einstreichen.
Sein Plan, sich nun den Dänen anzuschließen, scheitert an einem weiteren Waffenstillstand Alfreds, da Uhtreds Freund Ragnar als Geisel dient. Und so zieht sich der junge Krieger auf sein Gut zurück.
Schon bald ergibt sich die Möglichkeit, Reichtümer zu erwerben. Doch wird der Waffenstillstand halten?

Meine Meinung
Der weiße Reiter beginnt genau da, wo der erste Band der Reihe um den Krieger Uhtred endet, nämlich nach der Schlacht von Cynuit. Aus dramaturgischen Gründen hat Cornwell diese Schlacht um ein Jahr vorverlegt, so dass ein neuer Gegenspieler gebraucht wurde, doch dieser fiktive Charakter, auf den der Titel des Romans zurück geht, hätte ebenso damals leben können. Die Änderung der Chronologie vergebe ich Cornwell gerne, enthält der Roman doch daneben viele weitere historische Persönlichkeiten und reale Ereignisse, zudem ist der Roman so spannend erzählt, dass ich ihn auch beim dritten Mal Lesen kaum raus der Hand legen konnte.
Im Zentrum des Geschehens steht der Kriegszug der Dänen, der beinahe dazu geführt hätte, ganz England unter dänische Kontrolle zu bringen, und wie Alfred von Wessex es geschafft hat, die Nordmänner doch zurückzudrängen.
Wie man es von Cornwell kennt wird auch hier wieder viel gekämpft, und wenn es gerade keine große Schlacht ist, dann eben ein Kriegszug oder ein Zweikampf – irgendetwas passiert immer. Dabei werden diese Kämpfe schon sehr detailverliebt beschrieben, je nach Situation auch jeder Schwertstreich für sich, dennoch schafft es Cornwell, diese Beschreibungen, die auch mal unappetitlich sein können, nie langweilig werden zu lassen.
Auch ein wenig Mystik kommt in diesem Roman in Form einer jungen Seherin vor, ob es sich jedoch tatsächlich um mystische Elemente handelt oder um Zufälle, von denen der Erzähler nur glaubt, dass sie zusammenhängen, muss der Leser für sich entscheiden.
Der Ich-Erzähler Uhtred ist ein arroganter junger Mann, der nie behauptet, etwas anderes zu sein. Er glaubt, über den Dingen zu stehen und lügt, dass sich die Balken biegen, wenn es ihm dienlich erscheint, so dass ich mir auch nie sicher bin, ob ich ihm als Leser alles abkaufen kann, was er über seine Erlebnisse erzählt. Sein Glaube an die alten Götter, der Wunsch nach Ruhm und Geld und besonders sein Ziel, sein Erbe zurück zu erhalten, treiben ihn an. Dabei ist er sehr zynisch und macht sich schnell Feinde, insbesondere unter Priestern und sehr gläubigen Anhängern des Christentums.
Eine weitere sehr wichtige Person ist König Alfred, der tiefgläubig ist und in allen Lebenslagen auf Gott und dessen Einmischung vertraut, der eher auf Priester als auf seine militärischen Berater hört und unter einer wiederkehrenden Krankheit leidet. Er ist das genaue Gegenteil von Uhtred, und obwohl man ihn nicht als Gegenspieler der Hauptperson bezeichnen kann, kommt es dennoch oft zu Situationen, in denen der junge Northumbrier den König von Wessex abgrundtief hasst, den er nicht als seinen König sieht und dem er sich immer nur für eine begrenzte Zeit unterstellt.
Obwohl sämtliche andere Charaktere nur durch Uhtreds Sicht beschrieben werden und er oft eine negative Sichtweise an den Tag legt, sind die meisten doch sehr lebendig beschrieben.
Die Zusatzausstattung ist mit dem zum ersten Band identisch: Eine Karte, die die wichtigsten Handlungsorte umfasst, ist genauso enthalten wie eine Erläuterung zu den Ortsnamen sowie ein Nachwort zu den tatsächlichen historischen Ereignissen.

Fazit
Auch der zweite Band der Reihe ist sehr lesenswert, wenn man einen spannenden Roman über die Zeit Alfreds des Großen und den Beinahe-Untergang des angelsächsischen Englands lesen mag und man auch gerne über Kriegshandlungen liest. Man sollte jedoch zwingend mit dem ersten Band beginnen, da die Romane aufeinander aufbauen und die Handlung nahtlos fortgeführt wird.

Bernard Cornwell – Das letzte Königreich

AutorBernard Cornwell
TitelDas letzte Königreich
OriginaltitelThe Last Kingdom
ÜbersetzerMichael Windgassen
SerieSaxon Chronicles Band 1
Seitenzahl475
VerlagRoRoRo
ISBN978-3-499-24222-9
Bewertung

Inhalt
Northumbria, 866: Als Drachenboote an der Küste gesichtet werden, stellen sich die Angelsachsen den Wikingern entgegen. Unter ihnen ist Uhtred, Aldermann der Bebbanburg, der von einem Sieg ausgeht und deshalb seinen zehnjährigen Sohn, der ebenfalls Uhtred genannt wird, mit in den Krieg ziehen lässt.
Doch die Engländer geraten in eine Falle, die Verteidiger werden von den Dänen besiegt, der junge Uhtred, der in der Schlacht großen Mut bewiesen hat, gefangen genommen. Doch der Junge fühlt sich bei Earl Ragnar wohl, ist dieses Leben doch so ganz anders als das, was er bisher geführt hat. Nur eines ärgert ihn: Sein Onkel nennt sich nun Aldermann, ein Titel, der einzig ihm zusteht…

Meine Meinung
Das letzte Königreich ist der Auftakt zu einer längeren Romanreihe, deren Ende zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abzusehen ist. Der Ich-Erzähler Uhtred berichtet hier sehr subjektiv über die Ereignisse in seiner Jugend und wertet diese gelegentlich in seinem Rückblick. Dabei erkennt man schon sehr früh, wie hier die Prioritäten gesetzt werden: Die Demonstration von Stärke durch Muskelkraft oder durch Siege im Krieg ringen Uhtred Bewunderung ab, Lesen und Schreiben sowie die christliche Religion, die Barmherzigkeit anstelle von Kampfesmut belohnt, stoßen ihn ab. Romantik kann man hier kaum erwarten, treten insgesamt doch eher wenige Frauen auf, meistens werden sie nur dann genauer beschrieben, wenn sie für die Entwicklung von Uhtreds Lebensweg verantwortlich sind. Dafür gibt es die eine oder andere längere Beschreibung von Schlachten, die zwar nicht ganz so exzessiv ausfallen wie in einigen anderen Büchern Cornwells, dafür aber nicht weniger blutig beschrieben werden. Die Sprache ist direkt, manches Mal auch fast obszön, auch wird mit Schimpfwörtern nicht gespart, doch passt dies zu dem Charakter der Hauptperson.
Zu Beginn des Romans ist Uhtred ein kleiner Junge von gerade einmal zehn Jahren. Obwohl mit dem Tod seines Vaters und mit Sklavenarbeit verbunden, ist das Leben bei den Dänen für ihn aufregend und seinem alten Leben vorzuziehen. Und so ist es kein Wunder, dass er sich bald den Dänen näher fühlt als den Angelsachsen, er spricht ihre Sprache, zieht ihre Götter dem Christentum vor und wird später sogar von Ragnar als Ziehsohn anerkannt. Dennoch ist seine Loyalität nicht unerschütterlich.
Andere Charaktere werden zwar anschaulich, aber nicht allzu ausschweifend beschrieben, was für eine Ich-Erzählung eigentlich die Regel ist. Dies wird dadurch unterstützt, dass Uhtred immer wieder von anderen Personen umgeben ist und selten jemand über einen längeren Zeitraum an seiner Seite bleibt.
In diesem Roman werden, durch die subjektive Beschreibung Uhtreds gewertet, die Eroberung weiter Teile Englands durch die Wikinger und die ersten Jahre Alfreds des Großen als König von Wessex beschrieben. Sehr oft ist der junge Mann Teil des Geschehens und nicht bloß außenstehender Beobachter. Zwischen den großen Ereignissen wird das Leben der Menschen, Däne wie Engländer, beschrieben, wobei hier nicht allzu sehr auf Details eingegangen wird. Die Darstellung halte ich für überwiegend glaubwürdig, auch wenn Uhtred so manches Mal sehr viel Glück hat. Dabei gibt es hier nicht den einen großen Spannungsbogen, vielmehr hangelt sich die Geschichte von Wendepunkt zu Wendepunkt mit kleineren Höhepunkten zwischendurch und einem etwas größeren gegen Ende.
An Zusatzausstattung weist dieses Buch eine Karte sowie Erläuterungen zu Ortsnamen auf, die hier zeitgenössischen Schreibweisen entsprechen. Auch ein Nachwort, unter anderem zum historischen Kontext, ist enthalten und bietet einige weiterreichende Informationen.

Fazit
Der Auftakt zu Cornwells Saxon Chronicles hat mir ausgesprochen gut gefallen, er ist spannend, informativ und herrlich subjektiv. Romantik sollte man nicht erwarten, und große Gefühle gibt es vor allem dann, wenn Uhtred seine Liebe für den Kampf deutlich macht. Wer sich für die Zeit Alfreds des Großen und die Wikinger in England interessiert, dabei aber keine Probleme mit blutigen Beschreibungen hat, darf hier gerne genauer hinschauen.