Schlagwort-Archive: 17. Jh.

Ulf Schiewe – Bucht der Schmuggler

AutorUlf Schiewe
TitelBucht der Schmuggler
Seitenzahl447
VerlagKnaur
ISBN978-3-426-51693-5
Bewertung

Inhalt
Bremen, 1635: nach einer Handelsfahrt kehrt Jan van Hagen in seine Heimatstadt zurück, nur um zu erfahren, dass sein Vater im Sterben liegt und zudem hoch verschuldet ist, so dass Jan der Schuldturm droht, sollte er entdeckt werden. Der Rat des Sterbenden lautet, sich mit dem Schiff so schnell wie möglich aus dem Einflussbereich der Hanse zu entfernen und als Schmuggler in der Neuen Welt sein Glück zu versuchen.
Als Hilfreich erweist sich der Rat, den holländischen Freund und Partner des Vaters, Cornelis van Doorn, um Rat zu bitten. Der unterstützt Jan gerne in seinem Vorhaben, unter der Bedingung, dort nach seinem verschollenen Sohn Martin Ausschau zu halten…

Meine Meinung
Bisher war Ulf Schiewe in seinen Romanen immer im Mittelalter unterwegs. Mit diesem Roman betritt er nicht nur zeitlich Neuland, sondern bereist auch gleich einen neuen Kontinent. Auch die Art der Erstveröffentlichung ist ungewöhnlich, war der Roman doch zunächst unter dem Titel Gold des Südens als E-Serial, also als Fortsetzungsroman im Ebook-Format, erschienen.
Auch merkt man deutlich, dass hier eigentlich eine größere Geschichte geplant ist und dieser Roman nur als Auftakt dienen soll, werden doch viele Handlungsstränge gar nicht zum Abschluss gebracht und andere Dinge nur angedeutet, so dass man schon eine Vorstellung davon bekommt, wie die Geschichte weitergehen könnte. Ob es jedoch eine Fortsetzung geben wird, steht meines Wissens bisher noch nicht fest. Trotzdem ist das Ende befriedigend genug, dass das Buch auch für sich genommen stehen und man seine Freude an ihm haben kann, einen echten Cliffhanger gibt es zum Glück nicht.
Schon auf den ersten Seiten erkennt man, dass der Roman zwei Handlungsstränge beinhaltet, der eine um Jan van Hagen und seine Mannschaft, der andere um die schöne, junge, verheiratete Spanierin Doña Maria und ihre Probleme mit dem neuen Vizegouverneur. Schon anhand eines solchen Aufbaus ist eigentlich klar, dass diese beiden Hauptpersonen im Laufe des Romans aufeinandertreffen werden, und in der Regel führt dies auch zu einer Liebesgeschichte. So auch hier, wenn auch weniger deutlich, als ich eigentlich erwartet hätte, was mich doch sehr gefreut hat.
Auch sonst ist die Handlung immer wieder vorhersehbar, sind doch viele Personen anhand ihrer recht stereotypen Darstellung schnell zu durchschauen. So haben wir hier natürlich den edlen Helden Jan van Hagen, der eigentlich nichts Rechtswidriges tun möchte, aber durch die Umstände in diese Rolle gezwungen wird, der nie um Ideen verlegen ist und stets Hilfe leistet, wenn sie benötigt wird, und Doña Maria, die junge, kinderlose Frau eines älteren Zuckerbarons, die eigentlich gegen Sklaverei ist und sich deshalb mit gefährlichen Menschen anlegt. Den beiden gegenüber steht der Vizegouverneur Don Alonso, der nur an Macht und Geld interessiert ist und der das Recht dabei auch schon mal mit Füßen tritt, wenn es auch gelegentlich auf seiner Seite steht.
Trotzdem ist der Roman durchaus lesenswert, die Handlung ist schon in sich stimmig, auch wenn ich mir eine etwas weniger platte Herangehensweise gewünscht hätte. Gelegentlich gibt es aber auch überraschende Wendungen.
Der Schreibstil ist locker und leicht zu lesen. Leider stören ab und zu kleinere Fehler wie fehlende Satzzeichen den Lesefluss, die ich eigentlich bei einer so späten Taschenbuch-Veröffentlichung nicht mehr erwartet hätte. Ebenso störend wie Fehler empfinde ich es, wenn einzelne Charaktere, in diesem Fall einige Matrosen, mit Dialekt sprechen, während alle anderen schönstes Hochdeutsch reden, egal, woher sie stammen.
Die Ausstattung des Romans ist eher spärlich gehalten: Einzig ein Personenregister ist zu Beginn des Romans zu finden, auf ein Nachwort oder Kartenmaterial wurde verzichtet.

Fazit
Netter Abenteuerroman, der auch eine kleine Liebesgeschichte beinhaltet. Spannend erzählt, dabei immer mal wieder vorhersehbar, im Großen und Ganzen aber recht unterhaltsam.

Vielen Dank an Ulf Schiewe und Droemer Knaur für das Rezensionsexemplar!

Neal Stephenson – Confusion

AutorNeal Stephenson
TitelConfusion
OriginaltitelConfusion
ÜbersetzerJuliane Gräbener-Müller, Nikolaus Stingl
SerieBarock-Trilogie Band 2
Seitenzahl1018
VerlagGoldmann
ISBN978-3-442-46662-7
Bewertung

Achtung: Enthält Spoiler zu Quicksilver!

Inhalt
Barbarei-Küste, 1689: Jack Shaftoe, König der Landstreicher, von der Syphilis einige Jahre zuvor seines Verstandes beraubt, findet sich plötzlich geheilt als Galeerensklave wieder. Doch Jack wäre nicht Jack, wenn es ihm nicht gelänge, mit ein paar Freunden ein Komplott zu ersinnen, um der Sklaverei zu entrinnen.
In der Zwischenzeit gerät Eliza, Gräfin de la Zoer, unter Druck, und sie ist gezwungen, ihr Vermögen der französischen Krone zur Verfügung zu stellen. So in die Ecke gedrängt nutzt sie alle ihr verfügbaren Mittel, ihre Männerbekanntschaften und sonstige Freundschaften, um sich zu gegebener Zeit rächen zu können…

Meine Meinung
Wie schon in Quicksilver enthält das Buch Confusion nicht nur einen Roman, sondern zwei, die die Namen Bonanza und Das Komplott tragen. Nur spielen diesmal diese beiden Romane nicht nacheinander, sondern parallel, so dass hier immer zwischen beiden hin und her gesprungen wird. Sie sind verwoben, im Englischen con-fused, daher der Titel. Zu richtigen Überschneidungen kommt es dabei so gut wie gar nicht, jedoch haben einzelne Ereignisse aus dem einen Roman Auswirkungen auf den anderen, so dass es schon sinnvoll ist, die von Stephenson vorgegebene Reihenfolge einzuhalten. Dabei sind beide Romane dennoch auch eigenständig lesbar, weshalb es sich hier nicht bloß um zwei Handlungsstränge eines einzigen Romans handelt.
Die Handlung des Buches ist sehr komplex und verlangt dem Leser so einiges ab. Nicht nur geht es in die hohe Politik, auch wirtschaftliches und wissenschaftliches Interesse sollten vorhanden sein, auch wenn die Naturwissenschaft im Vergleich zum ersten Band ein wenig in den Hintergrund tritt. So wird hier über mehrere Seiten erklärt, wie ein auf Primzahlen basierendes System für die Sortierung von Büchern in einer Bücherei funktionieren soll, da wird der Handel mit Anleihen und Leerverkäufen erklärt, und auch alchimistische Vorstellungen spielen eine Rolle. Auf über tausend Seiten ist es dazu noch so manches Mal schwierig, den Überblick über die große Anzahl an Charakteren zu behalten, da es auch kein Personenregister gibt, welches hier gute Dienste getan hätte, zumal auch viele Personen aus dem Vorgängerband vorkommen und diese nicht noch einmal neu vorgestellt werden. Wenn also die Lektüre des ersten Bandes bereits längere Zeit her ist, wie es bei mir der Fall war, ist der Einstieg nicht gerade einfach.
Über mehrere Monate habe ich mich durch dieses Werk gekämpft, manche Tage habe ich nur zehn Seiten gelesen, weil sich alles so zog, an anderen Tagen waren es dann wieder fast hundert Seiten am Stück, weil es wieder richtig spannend wurde, um es dann doch wieder beinahe abzubrechen.
Stephenson spielt hier mit der Historie. Während manche Charaktere und Ereignisse historisch belegt sind, entstammt ein großer Teil der Fantasie des Autors. Manche Dinge, die hier erwähnt werden, sind völlig an den Haaren herbeigezogen. So gibt es einen Charakter, der offensichtlich am Tourette-Syndrom leidet und zu einem Heiligen mit diesem Namen beten soll. Jedoch leitet sich der Name dieser Erkrankung von einem Arzt aus dem 19. Jahrhundert ab, einen Heiligen, der eben dieses Krankheitsbild zeigt und zudem diesen Namen trägt, wird es also kaum gegeben haben. Dies und viele andere, ähnlich geartete Beschreibungen zeigen, dass der Roman eher in einer Art Paralleluniversum spielt als in unserer Welt, dass es sich eher um Alternate History als um einen echten historischen Roman handelt. Man sollte nicht alles für bare Münze nehmen, was beschrieben wird, dennoch kann man viel lernen, wenn man sich auf die teilweise extrem ausführlichen Beschreibungen einlässt.
Wie schon im Vorgänger wechselt Stephenson immer wieder den Erzählstil. Manche Kapitel bestehen nur aus aneinandergereihten Briefen, manche wieder ausschließlich aus wörtlicher Rede. In anderen mit vielen und langen Dialogen springt der Autor mitten drin in einen Drehbuchstil. Von einer einheitlichen Erzählweise kann also keinesfalls die Rede sein.

Fazit
Der zweite Band der Barock-Trilogie ist stellenweise einfach genial, dann wieder extrem langweilig, dazu sehr komplex. Auf über tausend eng bedruckten Seiten den Überblick zu behalten ist nicht gerade einfach. Wer sich gerne mit diversen wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Themen im 17. Jahrhundert auseinandersetzen mag und dabei auch einen Ausflug in das Genre der Alternate History nicht scheut, sollte genauer hinschauen (dann aber bitte mit dem ersten Band anfangen und die Reihe möglichst am Stück lesen), alle anderen sollten von diesem Wälzer doch lieber Abstand nehmen.

Tracy Chevalier – Das Mädchen mit dem Perlenohrring

AutorTracy Chevalier
TitelDas Mädchen mit dem Perlenohrring
OriginaltitelGirl with a Pearl Earring
ÜbersetzerUrsula Wulfekamp
Seitenzahl279
VerlagList
ISBN978-3-548-60434-3
Bewertung

Inhalt
Delft, 1664: Als ihr Vater nach einem Unfall sein Augenlicht und seine Arbeit verliert, muss die junge Griet die Familie finanziell unterstützen. Als Dienstmagd tritt sie in den Haushalt des Malers Johannes Vermeer ein. Neben anderen Tätigkeiten wie dem täglichen Gang zum Markt soll sie das Atelier des Künstlers sauber halten, ohne etwas im Raum zu verändern.
Diese Arbeit ist wie für sie geschaffen, weil sie ein besonderes Gespür für solche Dinge hat, zudem liebt sie es, den Entstehungsprozess der Bilder Vermeers zu verfolgen. Doch insbesondere Catharina, die Frau Vermeers, macht Griet das Leben schwer…

Meine Meinung
In diesem Roman beschäftigt sich Tracy Chevalier mit der Frage, wer das Mädchen auf dem bekannten Gemälde Vermeers gewesen sein könnte. Dazu entwickelt sie eine Geschichte um die fiktive Magd Griet.
Als Ich-Erzählerin wird dem Leser Einblick in Griets Gedanken und Gefühle gewährt, ohne dass zu sehr ins Detail gegangen wird. Man erfährt zwar grob, was die junge Frau von anderen Personen hält, jedoch behält sie einen Großteil der Gedanken und Gefühle für sich und viele Dinge werden nur angedeutet.
Auf den ersten Blick ist Griet ein gewöhnliches Mädchen, nicht gerade hoch gewachsen, aber mit großen runden Augen. Sie kennt ihren Platz in der Welt und scheint sich bald in ihr neues Leben einzugewöhnen, erledigt ihre Arbeit klaglos. Jedoch ist sie einerseits sehr einfühlsam, sie weiß, wann sie schmeicheln und wann sie unsichtbar sein muss, andererseits hat sie dennoch ihre Probleme im Umgang mit Menschen und eckt schon bald an. Ihr Gespür für Farben und Bildkomposition kommt ihr nicht nur bei ihren täglichen Aufgaben zugute.
Andere Personen bleiben doch sehr blass, da Griet sich mit den Gedanken über sie sehr zurück hält. Dabei ist auffällig, dass das Mädchen ihren Herrn nie beim Namen nennt, sondern bis fast zum Ende des Buches immer nur von „ihm“ spricht.
In dem Roman beschreibt die Autorin den möglichen Entstehungsprozess einiger Gemälde Vermeers, wobei sie auch moderne Forschung miteinbezogen hat. Die wenigsten der Bilder waren mir geläufig, so dass ich immer mal wieder das Buch zur Seite legen und im Internet nachschauen musste, welches Gemälde denn jetzt wieder beschrieben wird. Dies war dann doch recht umständlich, es wäre schön, wenn zumindest einige der Bilder im Buch auch abgedruckt wären, selbst wenn es nur in schwarz-weiß wäre.
Ein weiteres Thema, dass hier zumindest grob angerissen wird, ist die Kluft zwischen Protestanten und Katholiken in den Niederlanden. Immer mal wieder kommt die Konfession zur Sprache, so dass man ein Gefühl darüber bekommt, welchen Stellenwert Religion für die Menschen hatte.
Das Mädchen mit dem Perlenohrring ist Buch der leisen Töne. Es gibt wenige Überraschungen, denn dass Griet irgendwann gemalt werden würde, ist ja aufgrund des Titels schon klar, und auch sonst gibt es eher unterschwellige Spannung als große Paukenschläge. Man könnte auch sagen, dass die Handlung nur so vor sich hin plätschert, was mich aber keinesfalls gestört hat.
Mit nicht einmal dreihundert Seiten ist das Buch nicht gerade umfangreich, dennoch hat für mich alles gepasst. Dabei umfasst der Roman etwa zwei Jahre und endet recht abrupt. Während der Epilog, der einige Jahre später spielt, dann der Geschichte zu einem runden Abschluss verhilft, verlaufen einige der Handlungsfäden im Sande. Diese offenen Fragen sind nur glaubwürdig, schließlich kann eine junge Magd nicht alles wissen, und haben dazu geführt, dass ich mir über das Ende des Romans hinaus Gedanken über das Gelesene gemacht habe.
Die Inhaltsangabe im Inneren des Buches sollte man übrigens großzügig übersehen, denn sie strotzt nur so vor Fehlern.

Fazit
Dieses Buch der leisen Töne hat mich sehr berührt, für jemanden, der sich wenig für Kunst interessiert, dürfte der Roman aber stellenweise langweilig sein. Zudem lebt er eher von unterschwelliger Spannung. Wenn man sich darauf einlassen kann ist dieser Roman sehr empfehlenswert, wenn man dagegen deutliche Beschreibungen und viel Handlung braucht, sollte man eher die Finger von diesem Buch lassen.

Edith Beleites – Claras Bewährung

AutorEdith Beleites
TitelClaras Bewährung
SerieDie Hebamme von Glückstadt Band 2
Seitenzahl285
VerlagRoRoRo
ISBN978-3-499-23656-3
Bewertung

Achtung: Enthält Spoiler zu Die Hebamme von Glückstadt

Inhalt
Glückstadt, 1634: Drei Jahre lebt Clara nun schon in der Stadt. König Christian IV. hält eine schützende Hand über sie, dennoch muss sie sich immer wieder gegenüber einigen Personen behaupten. Insbesondere der protestantische Pastor Wördemann und der Apotheker Rumpf legen ihr Steine in dem Weg, und auch Greetje Skipper, eine Laienhebamme, kann es nicht lassen, Clara schlecht zu machen. Zudem gehen die Geschäfte der Hebamme nicht gut, denn viele Geburten gibt es in Glückstadt nicht.
Und so kommt ihr eine Einladung ihrer Freundin Johanna nach Hamburg gerade recht, um ein wenig Abstand zu ihren Problemen zu gewinnen – nicht ahnend, dass sie sich in ihrer alten Heimat in Schwierigkeiten bringen würde…

Meine Meinung
Der zweite Band um die Hebamme Clara schließt nicht direkt an den ersten Band an. Vielmehr sind mehrere Jahre vergangen, ohne dass etwas Nennenswertes geschehen wäre. Noch immer sind sich Clara und der junge Erfinder Willem nicht deutlich näher gekommen, obwohl doch nichts gegen eine gemeinsame Zukunft spricht, Greetje Skipper ist noch immer genauso biestig, und auch sonst hat sich wenig geändert. Clara spaziert noch immer den ganzen Tag in Glückstadt herum und steckt ihre Nase in Dinge, die sie nichts angehen. Dabei ist sie ihrer Zeit weit voraus, wenn sie beispielsweise über die Übertragungswege von Krankheitserregern spricht.
Ihre Freunde sind genau das, nämlich Freunde, die ihr immer zur Seite stehen. Obwohl sie alle einen Beruf ausüben, haben sie immer Zeit, um Clara oder auch ganz Glückstadt zu helfen. Besonders viel Persönlichkeit zeigt keiner der Charaktere, alle auftretenden Personen sind entweder für oder gegen Clara und ihre Neuerungen und Einmischungen.
Die Geschichte plätschert nur so vor sich hin. Eigentlich passiert in den Wochen, die der Roman abdeckt, recht viel – zu viel, um allen Punkten auf knapp dreihundert Seiten gerecht zu werden, und so werden sie wie schon im ersten Band eher oberflächlich abgehandelt. Die Schwierigkeiten, die im Klappentext des Buches erwähnt werden, entpuppen sich zudem bald als gar nicht so gravierend, wie sie beschrieben werden. Und wie schon im ersten Band gibt es auch hier wieder einen Betrugsfall, in den Clara zufällig hinein stolpert und zu dem sie natürlich gleich wichtige Hinweise zur Aufdeckung liefern kann. Nicht alle Ereignisse, die angerissen werden, werden vollständig abgeschlossen. Ich empfinde es als unbefriedigend, wenn sich über nicht gerade wenige Seiten ein Konflikt aufbaut und auf diesen dann plötzlich gar nicht mehr eingegangen wird, er in einem Nebensatz in einem späteren Kapitel abgehakt wird, die Bedrohung innerhalb weniger Sätze in sich zusammenfällt oder aber die Auflösung möglicherweise in einem späteren Band zu finden ist, dies aber nicht explizit zu erkennen ist.
Wenigstens betätigt Clara sich hier über einen großen Teil der Seiten auch tatsächlich als Hebamme, wenn schon nicht besonders häufig während einer Geburt, so doch zumindest mit Vor- und Nachbereitungen, also echter Hebammenarbeit. Im Gegensatz zum ersten Band sind diese Tätigkeiten allerdings eher unspektakulär und ziehen sich zum Teil sehr in die Länge, was bei den wenigen Seiten schon eine Kunst ist.
Auch sprachlich konnte mich dieser Roman nicht überzeugen, denn in diesem Band wird wie schon im ersten fleißig gesiezt. Nicht nur die Bürger siezen sich, auch der König wird so angesprochen und siezt ebenso zurück.

Fazit
Hat mir schon der erste Teil nicht wirklich gefallen, so hat mich der zweite nun davon überzeugt, die Reihe nicht weiter zu verfolgen. Für das Buch sprechen einzig die wenigen Seiten, denn so hat man es schnell hinter sich gebracht. Ich kann keine Leseempfehlung aussprechen.

Edith Beleites – Die Hebamme von Glückstadt

AutorEdith Beleites
TitelDie Hebamme von Glückstadt
SerieDie Hebamme von Glückstadt Band 1
Seitenzahl283
VerlagRoRoRo
ISBN978-3-499-22674-8
Bewertung

Inhalt
London, 1612: Während eines längeren Aufenthaltes in London wird die Hebamme Henriette um Hilfe gebeten. Doch Henriette kommt zu spät, die Mutter stirbt, und nur das Kind, eine Tochter, überlebt, während sich der Vater aus dem Staub gemacht hat. Die Hebamme beschließt, das Mädchen als ihre Tochter anzunehmen.
Hamburg, zwanzig Jahre später: Am Sterbebett Henriettes erfährt Clara, inzwischen selber Hebamme, dass sie nicht deren leibliche Tochter ist. Enttäuscht beschließt sie, in der aufstrebenden Stadt Glückstadt ein neues Leben zu beginnen, fern all der Leute, die sie als Henriettes Tochter ansehen. Doch für eine ledige Frau ist der Neuanfang in Glückstadt nicht so einfach wie erwartet…

Meine Meinung
Bei Die Hebamme von Glückstadt handelt es sich um den Auftakt einer fünfteiligen Reihe um die Hebamme Clara.
Clara ist eine junge Frau, die als alleinstehende Hebamme gewohnt ist, selber zu handeln und ihr Leben nicht von Männern bestimmen zu lassen. Und so lässt sie sich ihre einmal getroffene Entscheidung auch nicht mehr ausreden. Anstatt Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen, konfrontiert sie ihre Widersacher lieber, um die Probleme aus der Welt zu schaffen. Sie ist aufgeklärt, gebildet und findet überall schnell Freunde.
Ihre erste und beste Freundin in Glückstadt ist Lene, die Wirtstochter, die ihr gleich nach ihrer Ankunft herzlich begegnet und immer ein offenes Ohr für ihre Nöte hat.
Der Erfinder Willem, der bei ihrer ersten Begegnung einen wenig passablen Eindruck auf Clara macht, und der Arzt Olsen, der zunächst auf Konfrontationskurs mit ihr geht, sind ebenfalls wichtige Personen in diesem Roman.
Da der Roman nur knapp 300 Seiten umfasst, sollte man nicht erwarten, dass die Charaktere sehr genau ausgearbeitet sind. Manche sind doch recht stereotyp wie die Laienhebamme Greetje Skipper, die Clara als Konkurrentin sieht, viele aber einfach zu oberflächlich beschrieben, so dass man sich kaum eine genaue Vorstellung von ihnen machen kann.
Schon recht bald ist mir aufgefallen, dass sich die Personen untereinander siezen. Dies war zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges aber noch längst nicht üblich und hat mich über weite Teile des Romans irritiert.
Auch sonst hätte man glauben können, dass der Roman wesentlich später spielt, wären es nicht einige historische Details wie eben die Besiedelung Glückstadts oder die Erwähnung Wallensteins, die mich wieder daran erinnert haben, in welcher Zeit wir uns befinden. Clara redet hier vom Hexenglauben, als wäre der Höhepunkt der Hexenverfolgung längst vorbei, und auch die übrigen Wissenschaften betrachtet sie aus recht aufgeklärter Perspektive.
Aufgrund des bereits erwähnten geringen Umfangs des Romans wundert es nicht, dass auch die Handlung nicht allzu komplex ist. Eine junge Hebamme kommt in eine neue Stadt, und da sie etliche neue Ideen mitbringt, von denen die Laienhebammen und Bürger Glückstadts noch nicht gehört haben, ist der Start in ihr neues Leben nicht gerade einfach. Und während sie mit ihren eigenen Nöten kämpft, löst sie ganz nebenbei noch einen Betrugsfall auf.
Während der Hauptteil der Handlung ganz nett, wenn auch nichts Besonderes, ist, war mir dieser Ausflug in Richtung Kriminalroman dann doch zu viel. Er passt einfach nicht in die sonstige Handlung und wirkt nur aufgesetzt, wie nachträglich eingefügt, um noch ein paar mehr Seiten zu füllen.
Ganz informativ fand ich dagegen die Beschreibungen der Hebammenarbeit, was den Geburtshelferinnen erlaubt war und was nicht und was es damals für Vorstellungen über die Kindesentwicklung im Mutterleib gegeben hat. Dieser Aspekt erscheint mir schon recht authentisch, wenn es der Rest des Romans schon nicht ist.
Der Schreibstil ist flüssig, nur gelegentlich haben mich einzelne Worte wie „Orders“ anstelle von „Anordnungen“ aus dem Text gerissen. Auch fällt auf, dass sehr viele Absätze mit dem Namen der Protagonistin beginnen: Clara lachte, Clara seufzte, Clara musste schmunzeln.
Vorne im Buch findet sich eine Karte, die Glückstadt ein paar Jahre nach der Romanhandlung abbildet. Im Innern finden sich zudem paar weitere Bilder, was mich zunächst überrascht hat, weil diese in den Fließtext eingebettet sind, statt vor oder nach dem Romanteil eingefügt zu sein. Weiteres Zusatzmaterial findet sich hier nicht, dies war jedoch zum Zeitpunkt der Veröffentlichung auch nicht üblich.

Fazit
Dieses dünne Büchlein kann man, muss man aber nicht lesen. Es ist nicht wirklich schlecht, aber eben auch nicht gut, und ins siebzehnte Jahrhundert habe ich mich überhaupt nicht versetzt gefühlt. Um es mal eben nebenbei zu lesen und kurz abzuschalten ist es in Ordnung, mehr aber auch nicht.