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Liliana Le Hingrat – Das dunkle Herz der Welt

AutorLiliana Le Hingrat
TitelDas dunkle Herz der Welt
Seitenzahl763
VerlagKnaur
ISBN978-3-426-51759-8
Bewertung

Inhalt
Nürnberg, 1430: Vladislav Basarab ist als Geisel des ungarischen Königs Sigismund aufgewachsen. Seit seiner Jungend ist Janós Hunyadi einer seiner besten Freunde und treuesten Weggefährten.
Dies ändert sich jedoch, als Vlas in den Orden der Drachenritter aufgenommen wird und János nicht, obwohl er doch Gerüchten zufolge ein Bastardsohn des Königs ist. Als Vlas dann auch noch die Liebe der Frau gewinnt, die János heiraten will, obwohl Vlas doch eine glückliche Ehe führt, verkehrt sich die Freundschaft in Hass und Missgunst.
Und so setzt János alles daran, zu verhindern, dass Vlas sein Erbe, die Walachei, gegen seine Vettern für sich beanspruchen kann…

Meine Meinung
Liliana Le Hingrat beschreibt in ihrem Debütroman ein Ereignis, das als balkanischer Rosenkrieg bekannt ist. Dieser geschichtliche Hintergrund ist sehr interessant, insbesondere, da man hierzulande selten Romane über die Geschichte Osteuropas zu lesen bekommt. Obwohl diese stark mit der Geschichte anderer Länder verwoben ist, war diese mir weitestgehend unbekannt, nur wenige Namen hatte ich zuvor schon einmal gehört. Zudem beschäftigt sich der Roman mit dem Konflikt der Religionen und Konfessionen, denn die Walachei war eine Pufferzone zwischen dem katholischen und orthodoxen Christentum wie auch dem Islam. Dabei hatte ich den Eindruck, dass die katholische Kirche im Gegensatz zur orthodoxen Kirche und dem Islam sehr schlecht wegkommt.
Der Einstieg in den Roman fiel mir nicht gerade leicht. Dies hängt auch damit zusammen, dass man zunächst sehr viel mehr über János und Vlas‘ Gefährten Roxolan liest als über Vlas, der doch die Hauptperson sein soll. Im Laufe des Romans ändert sich dies jedoch, sobald die Personen alle vorgestellt und die politische Situation beschrieben ist.
Diese Zeit ist spannend und informativ dargestellt, auch wenn es nicht gerade einfach ist, den Überblick zu behalten. So ist es recht leicht, zu verstehen, in welch einer Zwangslage sich Vlas, bedrängt von den Osmanen aus dem Süden und den Katholiken aus dem Westen, befindet, dass er keine andere Wahl hat, als das eine oder andere Bündnis einzugehen, was dann von der anderen Seite als Verrat gesehen wird.
Die Namen der Personen waren für mich weitestgehend ungewohnt, manche klingen zudem recht ähnlich, so dass ich bei einigen eine Weile gebraucht habe, bis ich mich an sie gewöhnt hatte. Die Autorin hat stellenweise versucht, Personen gleichen Namens unterschiedliche Spitznamen zu geben, damit man sie leichter auseinander halten kann, dennoch habe ich einige Male das recht ausführliche Personenregister heranziehen müssen.
Der Roman setzt recht spät im Leben Vlad Draculs an. Dadurch erfährt man nur aus Rückblenden, wie eng die Freundschaft mit János wirklich gewesen ist. Im Roman selbst wird dies leider nicht deutlich, da er gleich mit der Entzweiung beginnt. Dies ist schade, wurde hier doch einiges an Potenzial verschenkt, um den Leser enger an die Charaktere zu binden und die Vorgeschichte zu zeigen, statt nur zu beschreiben. Auch bleiben einige der Charaktere dadurch recht blass, insbesondere Vlas selbst. Man weiß nicht, was ihn antreibt oder wie er zu anderen Personen steht. Im Lauf der Handlung ändert sich dies zwar, je mehr man über ihn liest, jedoch hatte ich selten das Gefühl, ihn richtig zu kennen.
Auch bei anderen Personen hatte ich leichte Schwierigkeiten. So habe ich mich gefragt, ob verletzter Stolz und Neid ausreicht, um einen solchen Hass auf einen anderen Menschen zu empfinden, wie ihn János Vlas gegenüber empfindet oder was Clara, die junge Edelfrau, sich davon verspricht, sich mit Vlas zusammenzutun. Und dann ist da noch Roxolan, ein Freund, Gefährte und Beschützer Vladislavs, der, unterwiesen in heidnischen Praktiken, besondere Kräfte besitzt. Auch wenn ich nichts gegen einen kleinen Fantasyanteil in historischen Romanen habe, so fand ich ihn hier doch unnötig, die Geschichte wäre sicher auch ohne diese Magie ausgekommen.
Auf Vlas‘ Sohn Vlad Draculea, den späteren „Pfähler“, wird hier besonderes Augenmerk gelegt, plant die Autorin doch einen weiteren Roman, in dem es doch um eben diese bekannte Persönlichkeit gehen soll, die als Inspiration für Bram Stokers Dracula diente.

Fazit
Ein interessanter Roman über den balkanischen Rosenkrieg und den Vater des Mannes, der als Vlad „der Pfähler“ in die Geschichte eingegangen ist, der leider zu Beginn ein wenig Potenzial verschenkt. Durch die etwas sperrige Erzählweise ist es kein Buch für zwischendurch, für Interessierte an osteuropäischer Geschichte aber auf jeden Fall empfehlenswert.

Sabine Weigand – Das Perlenmedaillon

AutorSabine Weigand
TitelDas Perlenmedaillon
Seitenzahl590
VerlagFischer
ISBN978-3-596-16359-5
Bewertung

Inhalt
Nürnberg, 1494: Der Goldschmied Heinrich Brandauer sieht in Niklas einen vielversprechenden Gesellen. Für seine Tochter Helena hofft er auf eine gute Partie, um so selbst gesellschaftlich aufsteigen zu können.
Doch die jungen Leute sind ein Paar, hoffen auf den Segen des Vaters. Als dieser aber erkennen muss, dass Helene ein Kind erwartet, wirft er Niklas aus dem Haus, und Helene muss ihr Kind heimlich zur Welt bringen.
Während der junge Goldschmied in die Welt hinaus zieht, soll Helene schnellstmöglich verheiratet werden.
Auch Anna, eine junge Frau, die in der Stadt ihr Glück gesucht hat und im Hurenhaus gelandet ist, hat es nicht gerade leicht. Ihr Trost ist ihre Wölfin, der sie blind vertrauen kann.

Meine Meinung
Das Perlenmedaillon ist der zweite Roman der Autorin Sabine Weigand. Wie schon in Die Markgräfin gibt es auch hier einen Handlungsstrang, der in diesem Jahrtausend spielt, jedoch rahmt dieser die Handlung in der Vergangenheit nur als Prolog und Epilog ein und wechselt sich nicht mit dieser ab. Diese wenigen Seiten fand ich absolut unnötig, weder wird dadurch die Spannung erhöht noch irgend etwas aufgeklärt. Man hätte sie auch einfach weglassen können, denn einen Mehrwert gibt es dadurch nicht.
Wieder einmal hat sich die Autorin an einer realen Person orientiert, deren Erlebnisse jedoch so weit an entscheidenden Punkten abgewandelt, dass eine ganz eigene Geschichte erzählt wird. Das ist insoweit legitim, da es sich um einen Roman handelt. Dass Sabine Weigand hier im Nachwort sogar erklärt, wo sie von den Fakten abgewichen ist, ist ein Service an den Leser. Irritiert hat mich jedoch, dass der Roman im Klappentext als „die wahre Geschichte der Helena Heller“ bezeichnet wird, wenn es doch keine historische Helena Heller gab. Dies laste ich dem Roman selbst nicht an, jedoch sollten dem Verlag solche Fehler und irreführenden Werbesprüche nicht passieren.
Im Zentrum des Romans steht eben jene Helena, die gegen ihren Willen das angesehene Ratsmitglied Konrad Heller heiraten muss. Ihr Leben wird schon bald zur Hölle, denn Konrad lässt seinen Frust gerne an ihr aus. Dennoch versucht sie, alleine mit dieser Situation zurecht zu kommen. Die zweite Hauptperson ist Niklas, der sich im fernen Venedig ein neues Leben aufbaut und dort sein Handwerk ausübt, seine Jugendliebe aber nie vergessen kann. Auch Anna, die Hübschlerin, die jede Gelegenheit nutzt, ihr Leben zu verbessern, spielt eine wichtige Rolle.
Alle drei Hauptcharaktere sind als Sympathieträger angelegt, Niklas und Helene zeigen aber kaum Persönlichkeit. Am besten hat mir Anna gefallen, weil sie sich nicht nur durch das definiert, was mit ihr passiert. Die drei geraten in Situationen, in denen sie unter den Einfluss von Personen gelangen, deren deutlichster Charakterzug die Bösartigkeit ist. Auch wenn nicht alles nur schwarz-weiß gesehen werden kann, so war mir diese Darstellung dennoch ein wenig zu platt.
Echte historische Personen tauchen übrigens auch auf. Besonders ist an dieser Stelle Albrecht Dürer zu erwähnen, der nicht nur in seiner Funktion als Künstler auftritt.
Die meiste Zeit über laufen die drei Handlungsstränge parallel nebenher, es gibt zwar Verknüpfungen wie Briefe und das besondere Perlenmedaillon, das hier und da mal auftaucht, davon abgesehen gibt es aber eher wenige Berührungspunkte, die auf mich manches Mal recht konstruiert gewirkt haben. Und so werden über große Teile des Buches drei Geschichten nebeneinander her erzählt, und erst am Ende laufen sie dann mehr oder weniger zusammen.
Dadurch, dass der Roman einen Zeitraum von etwa vierzehn Jahren abdeckt, ist jede Geschichte für sich genommen nicht gerade umfangreich, jedoch hatte ich nicht das Gefühl, als hätten sie stärker ausgebaut werden müssen. Dennoch konnten sie mich nicht alle über die gesamte Dauer des Buches fesseln, mal fand ich den einen Handlungsstrang, mal einen anderen interessanter, oft haben sie aber nur vor sich hin geplätschert und ich habe darauf gewartet, dass endlich etwas passiert. Spannung ist immer mal wieder aufgetreten, jedoch selten über einen längeren Zeitraum. Dabei ist Helenas Geschichte am prägnantesten, wird hier doch deutlich dargestellt, welche Rechte und Pflichten eine Ehefrau in Nürnberg doch hatte und inwiefern sie auf Unterstützung hoffen konnte. Stellenweise war das schon sehr bedrückend beschrieben. Das Ende mag für den einen oder anderen Leser unerwartet kommen, für mich war es jedoch weitestgehend stimmig, wenn es auch einer der Punkte ist, an denen die Autorin von der Biografie des historischen Vorbilds abgewichen ist. Ein anderes Ende dichter am Vorbild hätte mich jedoch auch nicht gestört.
Besonders auffällig an diesem Roman sind die bereits erwähnten Briefe sowie Aufzeichnungen für ein Buch. Diese sind nämlich so verfasst, wie Menschen in der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit geschrieben haben mögen, nämlich jenseits aller Rechtschreibregeln. Vielleicht soll dies einen Eindruck von Authentizität vermitteln, mich haben diese Abschnitte jedoch sehr gestört, lassen sie sich doch sehr schlecht lesen. Mir hätte es besser gefallen, wenn diese in ganz normalem, heutigen Deutsch geschrieben worden wäre. Irgendwann habe ich sie weitestgehend nur noch überflogen, da sowieso sehr selten Dinge erwähnt werden, die für die Handlung relevant sind.
Ebenso störend fand ich, dass in Niklas‘ Handlungsstrang immer wieder italienische Wörter eingeflochten wurden. Ich verstehe nicht, warum das nötig ist, die Charaktere würden doch durchweg Italienisch sprechen, was für den Roman einfach ins Deutsche übertragen wurde. Warum lässt man dann einzelne Wörter stehen?

Fazit
Das Perlenmedaillon ist in seiner Art schon ein wenig speziell, insbesondere das Stilmittel der Briefe scheint zu polarisieren. Mich konnte der Roman nicht völlig überzeugen, zu konstruiert war er an einigen Stellen, er war allerdings auch kein völliger Fehlgriff. Wer andere Bücher von Sabine Weigand kennt und mag wird möglicherweise auch hier seine Freude haben.

Bernard Cornwell – Das Zeichen des Sieges

AutorBernard Cornwell
TitelDas Zeichen des Sieges
OriginaltitelAzincourt
ÜbersetzerKarolina Fell
Seitenzahl557
VerlagRoRoRo
ISBN978-3-499-25255-6
Bewertung

Inhalt
England, 1413: Nick Hook ist seit seiner Kindheit Bogenschütze aus Leidenschaft. Als Forstmann im Dienste von Lord Slayton, der möglicherweise Nicks Vater ist, hat er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Durch eine Familienfehde, die sich schon über einige Generationen hinzieht, gerät Nick jedoch immer mal wieder in Schwierigkeiten.
Als Bogenschützen aus dem ganzen Land nach London beordert werden, um bei einer Massenhinrichtung an Lollarden zu assistieren, ist auch Nick dabei. Doch schon bald überschlagen sich die Ereignisse aufgrund der Fehde, und Nick muss aus England flüchten. Sein Können am Bogen bietet ihm ein Auskommen, und so findet es sich bald in Diensten der Krone in der Stadt Soissons wieder.

Meine Meinung
Der Originaltitel dieses Romans lautet „Azincourt“, damit trägt er den Namen eines Ortes, an dem eine der bedeutendsten Schlachten des Hundertjährigen Krieges ausgefochten wurde. Somit sollte man sich nicht wundern, wenn auch in diesem Roman von Bernard Cornwell Kriege und detaillierte Kampfhandlungen viel Raum einnehmen. Es wird geflucht, geschossen, gehauen, gefoltert, gemordet, belagert, Verrat geübt und was alles sonst noch dazu gehört. Wer mehr Abwechslung erwartet, sollte zu anderen Büchern greifen. Auch das Thema der Lollarden, das zu Beginn kurzzeitig aufgegriffen wird, wird nicht weiter vertieft, sondern dient nur als Aufhänger für Nicks Beteiligung am Krieg. Dieser ist jedoch keineswegs langweilig beschrieben, vielmehr habe ich von Beginn an mit den englischen Bogenschützen mitgefiebert, und das, obwohl ich den Ausgang der Schlacht bereits kannte und es keine großen Überraschungen gibt.
Von dem Kampf um Soissons über die Belagerung von Harfleur bis nach Azincourt begleitet der Leser den Bogenschützen Nick Hook, den ich nicht gerade als Sympathieträger bezeichnen würde. Nick ist ein begnadeter Bogenschütze, stärker als die meisten seiner Kollegen, so dass er auch den größten Bogen spannen kann, und dabei extrem zielsicher. Diese kämpferischen Eigenschaften sind es, die ihn am ehesten charakterisieren. Sein Charakter sind dagegen eher nebensächlich: Seine Feinde hasst er bis zum Tod, und moralische Bedenken, sie zu töten, scheint er nicht zu haben, seine Freunde sind ihm heilig, und seinem König gegenüber ist er loyal. Er ist eigentlich der perfekte Soldat, als Hauptperson in einem Roman ist er allerdings eher langweilig – wären da nicht die Stimmen in seinem Kopf, in denen er die Heiligen Crispin und Crispinian, die Stadtheiligen von Soissons, zu erkennen meint und die ihm gelegentlich beratend zur Seite stehen. Ob es sich hier um Einbildung oder ein Wunder handelt wird nicht klar, jedoch kann ich mir vorstellen, dass dies im ausgehenden Mittelalter, als noch stark an die Wunderwirkung der Heiligen geglaubt wurde, ein und dasselbe gewesen sein könnte.
Eine weitere wichtige Person ist Melissande, illegitime Tochter eines französischen Ritters, die in Soissons auf Nick trifft und von ihm gerettet wird. Hier kommt es, wie es kommen muss: Die beiden werden ein Paar. Besonders viel Romantik sollte man hier nicht erwarten, für Cornwells Verhältnisse werden auf diese Beziehung jedoch recht viele Worte verwendet.
Als großer Wortkünstler ist Bernard Cornwell nicht gerade bekannt, und so ist auch hier die Sprache recht einfach und zweckmäßig gehalten, auch der verwendete Wortschatz ist nicht sehr hoch, was ich nicht der Übersetzung anlaste. Auf einige Beschimpfungen trifft man alle paar Seiten, besonders einfallsreich wird hier jedenfalls nicht geflucht.
Wie man es heutzutage erwarten kann, ist auch dieser Roman recht gut ausgestattet. Neben Karten zu Nordfrankreich, der Belagerung von Harfleur und der Aufstellung bei Azincourt gibt es noch ein sehr ausführliches Nachwort des Autors, in dem er unter anderem auf das Kräfteverhältnis der Armeen und das Können der Bogenschützen eingeht.

Fazit
Trotz der zweckmäßigen Sprache, den einfachen Charakterdarstellungen und der recht einseitigen Handlung hat mich der Roman sehr gut unterhalten, schafft es Cornwell doch, lebendige Bilder vor meinem Auge entstehen zu lassen.
Wer sich für die Beschreibung von Kriegshandlungen im Allgemeinen und die Schlacht bei Azincourt im Besonderen interessiert, der kann hier bedenkenlos zugreifen. Zartbesaiteten würde ich jedoch vom Lesen dieses Romans abraten.

Conn Iggulden – Das Bündnis

AutorConn Iggulden
TitelDas Bündnis
OriginaltitelTrinity
ÜbersetzerChristine Naegele
SerieDie Rosenkriege Band 2
Seitenzahl559
VerlagHeyne
ISBN978-3-453-41861-5
Bewertung

Achtung: Diese Rezension enthält kleinere Spoiler zu Sturmvogel!

Inhalt
England, 1454: Seit einiger Zeit ist Richard Neville, Earl of York, Lord Protector, König in allem außer dem Namen nach, denn König Henry VI befindet sich in einer Art Dämmerzustand. Doch auch wenn York sehr gewissenhaft vorgeht, gibt es viele, die mit seiner Regentschaft nicht einverstanden sind.
Doch dann wacht Henry auf und sprüht nur so vor Energie. Durch seine Berater auf den neuesten Stand gebracht, entschließt er sich, eine Gerichtsreise abzuhalten. Auf der Reise treten ihm jedoch York und seine Verbündeten Salisbury und Warwick in den Weg, jeder von ihnen mit einem anderen Ziel…

Meine Meinung
Mit Sturmvogel, dem ersten Band der Reihe um die englischen Rosenkriege, hat Conn Iggulden die Vorgeschichte beschrieben, wieso die Parteien in England so sehr gespalten sind, doch die Rosenkriege selbst waren da noch kein Thema. Dies ändert sich hier schon bald, und man ist sehr schnell mitten drin in den frühen Jahren dieses englischen Bürgerkriegs.
Das Buch ist in zwei Abschnitte eingeteilt, die mit den Zeitangaben 1454-1455 und 1459-1461 versehen sind. Die Zeit dazwischen, in der in England halbwegs Frieden geherrscht hat, wird ausgespart. Dies zeigt schon recht deutlich, dass es genau wie im ersten Band insbesondere die Kampfhandlungen sind, die den Roman ausmachen, während andere politische Themen neben dem Konflikt der Häuser Lancaster und York gar nicht thematisiert werden. Was war außenpolitisch los? Wie genau hat York angeblich die Nevilles bevorzugt? Wie geht es der normalen Bevölkerung unter York und später unter König Henry? Das alles wird, wenn überhaupt, dann nur im Zusammenhang mit dem Konflikt angesprochen. Man bekommt hier also eine sehr ausführliche Chronologie der Kampfhandlungen, wie sie auch möglicherweise gewesen sein mögen. Dies fand ich einerseits zwar sehr interessant, andererseits aber auch einseitig und wenig abwechslungsreich, denn wer mehr erwartet, beispielsweise zusätzliche Einblicke in das Leben der Menschen zu dieser Zeit oder vielleicht eine romantische Nebenhandlung, ist hier fehl am Platz.
Hauptperson ist wie im ersten Band der Reihe der fiktive Meisterspion Derry Brewer. Wieder hat er seine Finger in vielen Entscheidungen, seine Spione hat er überall, so dass er meist auf dem Laufenden ist. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass seine Rolle hier weniger zentral ist als noch im ersten Band, dennoch hat es hier gepasst, ist er doch kein Ritter und somit an den Kämpfen selbst eher indirekt beteiligt.
Überrascht hat mich hier die Darstellung von Richard Neville, Earl of York. Im ersten Band wurde er direkt als jemand eingeführt, der sich am Unglück Anderer erfreuen kann, das ganze Buch hindurch war er mir absolut unsympathisch. Hier jedoch wird er als jemand gezeigt, der zunächst nur Gerechtigkeit will und der seinen möglichen Thronanspruch gar nicht durchsetzen möchte, der in diese Position als Feind des Königs bloß hineingerutscht ist. Auch Henry VI und Margaret von Anjou werden nicht negativ gezeichnet, der Autor vermeidet also überwiegend, Partei für eine der beiden Konfliktparteien zu ergreifen. Stattdessen sind es die Verbündeten und Berater der Häuser York und Lancaster, die hier als die Schuldigen ausgemacht werden, besonders Percy und Salisbury, die ihren persönlichen Konflikt auf dem Rücken des Königs austragen.
Einer meiner größten Kritikpunkte mit dem ersten Band betrifft die fehlenden Zeitangaben. Dieses Problem besteht hier nicht, weil zunächst die Abschnitte klar mit Zeitangaben versehen sind und zudem auch in den beiden Teilen, die zugegebenermaßen jeweils nicht allzu viele Monate umfassen, immer mal wieder beschrieben wird, um welche Jahreszeit es sich handelt, wodurch der Überblick nie verloren geht.
Der Schreibstil ist für den Roman angemessen, meist ist er recht neutral und beschreibend gehalten. Obwohl die Kriegsszenen so eine zentrale Position in diesem Roman einnehmen, werden die Kämpfe nicht in brutalen Details ausgeschmückt, so ganz kann aber nicht auf blutige Beschreibungen verzichtet werden.
Wieder einmal wurde hier nicht mit Zusatzmaterial gespart. Neben einem recht ausführlichen Nachwort, in dem Conn Iggulden die Ereignisse noch einmal zusammenfasst und auf Fiktion und Realität eingeht, gibt es ein Personenregister, sechs Stammbäume sowie mehrere Karten, zwei davon farbig in den Klappen des Covers.

Fazit
Viel Abwechslung bietet der zweite Band aus der Feder Igguldens über die Rosenkriege nicht, wer sich jedoch für die Chronologie der Kampfhandlungen zu dieser Zeit interessiert, wird hier sicher seine Freude haben.

Vielen Dank an den Heyne-Verlag und das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar!

Conn Iggulden – Sturmvogel

AutorConn Iggulden
TitelSturmvogel
OriginaltitelStormbird
ÜbersetzerChristine Naegele
SerieDie Rosenkriege Band 1
Seitenzahl608
VerlagHeyne
ISBN978-3-453-41796-0
Bewertung

Inhalt
England, 1443: Im Gegensatz zu seinem verstorbenen Vater ist Henry VI kein großer Krieger und Stratege, vielmehr ist er sehr gläubig und leicht zu manipulieren. Nicht wenige sehen ihn als schwachen König. Sein wichtigstes Anliegen ist ein Waffenstillstand mit Frankreich, und so beginnt Derihew Brewer, Meisterspion des Königs, mit den Vorbereitungen eines Vertrags: Henry soll Margaret von Anjou heiraten, eine französische Prinzessin, und englische Gebiete auf dem Festland an Frankreich abtreten, im Gegenzug verpflichtet sich Frankreich zu einer begrenzten Waffenruhe.
Doch wird dieser Vertrag ohne das Wissen der Bevölkerung geschlossen, so dass schon bald Aufstände drohen. Richard of York nutzt diese Wirren, um Unterstützer hinter sich zu sammeln…

Meine Meinung
Romane über die Rosenkriege gibt es viele. Dieser Auftakt einer Reihe sticht dadurch aus der Masse hervor, dass er wesentlich früher ansetzt als die meisten anderen. Hier werden die Ursachen beleuchtet, wie es zu dem Bürgerkrieg kommen konnte, der hier selbst noch kein Thema ist. Dennoch spielen große Teile des Romans auf dem Schlachtfeld, Aufstände in England und auch in den abgetretenen Gebieten auf dem Festland machen einen nicht geringen Teil des Inhalts aus. Romantik sollte man hier nicht erwarten, vielmehr wird an ausführlichen Darstellungen blutiger Ereignisse nicht gespart.
Eingeleitet wird der Roman mit einem Prolog, der lange vor der Romanhandlung spielt und eigentlich wenig zu dieser beiträgt, dabei aber für Unkundige eine Erklärung liefert, wie der Anspruch des Hauses York auf die Krone zustande kommt. Zusätzlich gibt es aber noch die eine oder andere Szene, die nichts zum Geschehen beiträgt, beispielsweise ziemlich zu Beginn die Enteignung und Hinrichtung eines Juden, die aber im späteren Verlauf des Romans nicht mehr aufgegriffen wird. Zwar mögen solche Szenen für sich genommen interessant sein, wenn sie aber für die Handlung irrelevant sind kann ich auch gerne darauf verzichten.
Hauptperson dieses Romans ist Derihew Brewer, meist Derry genannt, der Meisterspion des Königs, der viele Fäden in der Hand hält und die Geschicke des Königreichs aus dem Hintergrund lenkt. Er ist Vermittler und Berater, hat seine Augen und Ohren überall, nicht selten ist er auch mitten im Geschehen. In dieser Position muss er immer das Große und Ganze im Auge haben und kann sich nicht auf die Belange Einzelner kümmern, was ihn nicht immer sympathisch erscheinen lässt, wenn er sich für seine ehemaligen Freunde nicht einsetzen kann, und so ist er nicht der große Held, der immer alles richtig macht, sondern ein Mensch mit seinen Fehlern. Auch wenn es sich hier um einen fiktiven Charakter handelt, kann ich mir schon vorstellen, dass es jemanden wie ihn hätte geben können, wenn mich auch die Darstellung dieser Position nicht vollständig überzeugt.
Einige wenige Charaktere sind mir zu einseitig dargestellt. So werden beispielsweise Richard of York und seine Frau Cecily von Beginn an negativ beschrieben, als Menschen, die sich am Leid Anderer erfreuen und nur auf den eigenen Vorteil bedacht sind.
Der Roman umfasst eine Zeitspanne von etwa neun Jahren. Leider sind so gut wie keine Zeitangaben im Roman enthalten, so dass die zeitliche Orientierung mir sehr schwer gefallen ist oder ich sie auch völlig verloren habe. Dass Conn Iggulden nun, wie im Nachwort angegeben, Ereignisse aus dramaturgischen Gründen zeitlich gestrafft hat, wäre mir aus diesem Grund niemals aufgefallen, umso lobenswerter ist es, dass dies angegeben ist.
Eine weitere Änderung, die mir nicht zusagt, ist dem sehr ausführlichen Nachwort zu entnehmen, nämlich dass Kardinal Henry Beaufort, der zum Zeitpunkt der Romanhandlung eigentlich bereits verstorben war, dennoch seinen Auftritt hat. Darauf hätte der Autor zugunsten der Glaubwürdigkeit gerne verzichten können, hätte es doch genügend Möglichkeiten gegeben, diese Rolle auszuführen.
Abgerundet wird der Roman durch ein ausführliches Personenregister, mehreren Karten und Stammbäumen, so dass kaum noch Fragen zu Abstammung und Verwandtschaftsgraden offen bleiben sollten.

Fazit
Ein etwas anderer Roman über die Ereignisse, die den Rosenkriegen vorausgehen, der mich nicht vollständig überzeugen konnte, mich aber neugierig auf die Fortsetzung gemacht hat. Für Leser, die nicht allzu feinfühlig sind und sich für das Thema Rosenkriege interessieren, durchaus lesenswert.