Schlagwort-Archive: 12. Jh.

Elizabeth Chadwick – Der Ritter der Königin

AutorElizabeth Chadwick
TitelDer Ritter der Königin
OriginaltitelThe Greatest Knight
ÜbersetzerMonika Koch
SerieMarshal Band 2
Seitenzahl608
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-442-36903-4
Bewertung

Inhalt
Normandie, 1167: William Marshal ist der vierte Sohn von John FitzGilbert, Marshal von Heinrich II. Als solcher hat er keine Aussicht auf ein Erbe und muss seinen Platz in der Welt noch finden und sich hart erarbeiten. Als Knappe im Dienst von Guillaume de Tancarville, einem entfernten Verwandten, hat der Zwanzigjährige die bestmögliche Ausbildung erhalten, doch nach seinem Ritterschlag ist seine Zukunft ungewiss, auch wenn sein Können in der Schlacht und auf Turnierplätzen schon früh überzeugt.
Im Dienst unter seinem Onkel Patrick of Salisbury tritt er ins Gefolge von Königin Eleonore ein – ein Schritt mit großen Folgen!

Meine Meinung
Der Ritter der Königin, im englischen Original The Greatest Knight, ist der erste Roman, den ich von Elizabeth Chadwick gelesen habe, und er sollte nicht der letzte bleiben. Es handelt sich hierbei um den ersten von bisher zwei Bänden (ein dritter soll kommenden März in englischer Sprache erscheinen) über das Leben William Marshals, der es als zunächst mittelloser Ritter sehr weit gebracht hat. Sogar so weit, dass ich zunächst nicht glauben konnte, dass es sich hier eben nicht um einen fiktiven Romancharakter handelt, sondern um jemanden, der tatsächlich gelebt hat, auch wenn die Autorin einige Lücken in seiner Biografie zu füllen hatte. Inwieweit nun alles historisch korrekt ist kann ich nicht beurteilen, für mich erscheint die Handlung jedoch schlüssig und ist so spannend erzählt, dass ich dieses Buch auch zum wiederholten Mal kaum aus der Hand legen konnte.
Der historische Hintergrund wird durch Heinrich II., Königin Eleonore und deren Söhne gebildet, deren Konflikte untereinander und mit Adligen des Reiches, in die William schon bald hineingezogen wird. Vorwissen über diese Zeit ist nicht nötig, um den Roman genießen zu können, aber hilfreich, will man die Feinheiten aufnehmen. Neben dem politischen Hintergrund werden immer wieder zusätzliche Beschreibungen über den Alltag bei Hofe, die Kleidung, das Leben der Menschen eingeflochten, die dafür gesorgt haben, dass ich mir das Beschriebene sehr gut vorstellen konnte und ein regelrechtes Kopfkino abgelaufen ist, ohne dass es zu viele Informationen auf einen Schlag gewesen wären.
Chadwick stellt William Marshal als jemanden dar, der durch ein Erlebnis in jungen Jahren stark geprägt ist: Ihm geht Treue zu seinem jeweiligen Herrn über alles, und auch seine eigene Ehre ist ihm wichtig. Einen Schwur spricht er nicht leichtfertig aus, im Gegensatz zu manchen seiner Zeitgenossen. Da er zudem ein guter Kämpfer, sowohl in Turnieren als auch in echten Schlachten, ist, erscheint er hier schon fast übertrieben gut, edel und geschickt, dazu noch wortgewandt und gutaussehend. Negative Seiten sucht man beinahe vergeblich, denn seine Beschreibung als Vielfraß und Langschläfer sehe ich eher als spöttische Hänselei denn als echte negative Darstellung. Und dennoch kam er mir hier nicht wie ein Übermensch vor, sondern eben als Mensch seiner Zeit, der durch seine Erlebnisse und Mitmenschen geprägt ist. Wer mehr über Williams Jugend lesen will, kann darüber in Das Banner der Königin nachlesen, dies ist aber für das Verständnis nicht notwendig.
Es kommen eine Vielzahl an überwiegend belegt historischen Personen vor, so dass es nicht gerade einfach ist, den Überblick zu behalten – ein Personenregister ist leider in meiner Ausgabe nicht vorhanden, wäre hier aber hilfreich gewesen. An der Darstellung der wenigsten Personen habe ich etwas auszusetzen. Zwar sind einige Charaktere direkt bei ihrer Einführung als Gegenspieler und mögliche spätere Feinde Williams zu erkennen, aber diese Feindseligkeiten werden stets plausibel geschildert.
Sprachlich ist der Roman wenig auffällig. Er ist vielleicht nüchterner, nicht ganz so emotional gehalten wie die manch anderer Autorinnen, dies hat mich jedoch an keiner Stelle gestört. Auch die Übersetzung scheint gelungen, nur ist es, wie schon bei Das Banner der Königin, die Übersetzung einiger Namen, die mir sauer aufstößt. Warum müssen die Namen der Plantagenets eingedeutscht werden, wenn alle anderen Namen der englischen Version des Romans entsprechen?
Zusatzmaterial ist hier kaum vorhanden, einzig eine Anmerkung der Autorin über den historischen William Marshal und eine kurze Danksagung sind enthalten. Gegen ein Personenregister und eine Karte hätte ich nichts einzuwenden gehabt.

Fazit
Eine uneingeschränkte Leseempfehlung für Interessierte an englischer Geschichte dieser Zeit, spannend erzählt.

Elizabeth Chadwick – Das Banner der Königin

AutorElizabeth Chadwick
TitelDas Banner der Königin
OriginaltitelA Place Beyond Courage
ÜbersetzerMonika Koch
SerieMarshal Band 1
Seitenzahl543
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-442-37235-5
Bewertung

Inhalt
Normandie, 1130: John FitzGilbert ist der junge Marshal des Königs, der Herr über die Ordnung bei Hofe, verantwortlich für reibungslose Abläufe und für die Hofdirnen. Mit dem jungen Robert of Gloucester, dem unehelichen Sohn des Königs, verbindet ihn eine tiefe Freundschaft. Sorgen bereitet ihm jedoch der Blick auf die Zukunft, denn es gibt keinen direkten männlichen Thronfolger.
Als der König unerwartet stirbt, entbrennt ein erbitterter Kampf um die Nachfolge. Wem soll sich John anschließen, Matilda, der legitimen Tochter des Königs, auf die die Edlen des Landes eingeschworen wurden, die aber mit dem verhassten Geoffrey von Anjou verheiratet ist, oder einem Neffen des Königs, Stephan von Blois?

Meine Meinung
Während der Recherchen über William Marshal ist der Autorin Elizabeth Chadwick aufgefallen, dass auch das Leben dessen Vaters genügend Material für einen spannenden Roman bietet. Und somit ist Das Banner der Königin nun der nachgeschobene Auftakt der Reihe über die Familie Marshal.
Den geschichtlichen Hintergrund bildet die sogenannte Anarchy, der Bürgerkrieg Englands, in dem es um die Nachfolge Heinrichs I. geht. Als jemand, der eine hohe Position bei Hofe einnimmt, ist John FitzGilbert dicht am Geschehen, und somit verkommt der Krieg nicht nur zur Kulisse, sondern ist entscheidender Teil der Handlung. Oft genug ist er selbst involviert, nimmt an Kämpfen teil, ist beratend tätig, oder seine Familie wird mit in den Krieg hineingezogen. Dabei orientiert sich die Autorin an Fakten, sofern überliefert, und zaubert ein stimmiges Bild dieser Zeit, verpackt in einer Geschichte, die erfunden auch kaum spannender hätte sein können. Ein wenig Vorwissen über diese Zeit kann aufgrund der Fülle der Nebenpersonen nicht schaden, weil man sonst doch recht schnell den Überblick verlieren kann, ist jedoch kein Muss.
Neben den politischen Handlungen ist auch das Familienleben ein großer und wichtiger Bestandteil des Romans, man erfährt etwas über das Alltags- und Liebesleben der Edlen des Landes. Dieses ist im Vergleich nicht ganz so spannend, auch weil man schon recht früh erkennen kann, in welche Richtung es sich entwickelt. Nimmt man jedoch alles zusammen ergibt sich ein stimmiges Bild über das Leben dieser Zeit, das eben nicht nur aus Kampf und Politik, sondern auch aus den schönen Dingen und Alltäglichem besteht.
John FitzGilbert wird als ehrgeiziger Mann geschildert, der durch sein Vermögen, immer den Überblick zu behalten, schon sehr jung eine wichtige Position erworben hat, der aber auch schon mal skrupellos sein kann, wenn es um die Vermehrung seines Vermögens geht und der sehr viel auf seine Ehre gibt. Er ist eben nicht nur ein Gutmensch, sondern ein Kind seiner Zeit, und dennoch war er mir die meiste Zeit über sympathisch.
Weitere wichtige Personen sind Aline Pipard, Johns Mündel und Frau, deren Frömmigkeit stark übertrieben anmutet, aber für die damalige Zeit nicht ganz ungewöhnlich gewesen sein dürfte und die mit der Führung eines Haushalts gnadenlos überfordert ist, sowie Sybilla von Salisbury, ein junges Mädchen, das John aus der Ferne bewundert. Auch wenn es hier einige Charaktere gibt, die eher negativ dargestellt werden, gibt es keine reine Schwarz-Weiß-Zeichnung, jeder, auch John FitzGilbert, zeigt sich von mehreren Seiten und hat einen Grund für sein Handeln.
Die Sprache ist klar und einfach, die Übersetzung gut lesbar. Einzig gestört hat mich, wie auch bei anderen Romanen von Elizabeth Chadwick, das Durcheinander von übersetzten und nicht-übersetzten Namen. Warum muss der englische König unbedingt Heinrich heißen? Sein Schwiegersohn heißt doch auf weiterhin Geoffrey, wenn auch „von“ Anjou, anstelle von Geoffroy oder Gottfried.
Die Taschenbuchausgabe ist mit diversem Zusatzmaterial ausgestattet. So gibt es einige Karten, einen Stammbaum der Marshals, historische Anmerkungen sowie eine kurze Bibliographie.

Fazit
Ein lesenswerter Roman über die Anarchy, den ich allen Interessierten über diese Zeit ans Herz legen möchte und an dem ich neben der übersetzten Namen kaum etwas auszusetzen habe.

Kiera Brennan – Die Herren der grünen Insel

AutorKiera Brennan
TitelDie Herren der grünen Insel
Seitenzahl959
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-7645-0559-2
Bewertung

Inhalt
Irland, 1166: Die irischen Stämme sind untereinander zerstritten. Kleinere Fehden wie die zwischen den O’Bjolans und Ascall von Toora, bei denen es um verletzten Stolz geht, sind an der Tagesordnung, doch auch die Könige der Insel bekämpfen einander.
Als König Diarmait von Leinster Hilfe im Ausland sucht und bei Henry Plantagenet Aufnahme und ein offenes Ohr findet, setzt er damit Ereignisse in Gang, die Irland für immer verändern sollen. Auch Diarmaits Tochter Aoife, ein schüchternes, schnell zu ängstigendes Mädchen, erhält durch die Begegnung mit Henry und seiner Frau Eleonore ein Ziel, auf das sie von nun an mit aller Kraft hinarbeitet…

Meine Meinung
Normalerweise veröffentlicht Julia Kröhn ihre historischen Romane unter ihrem richtigen Namen. In diesem Fall wurde ein Pseudonym entwickelt, da sich dieses Buch doch sehr von dem unterscheidet, was Julia Kröhn bisher in diesem Genre geschrieben hat.
Thema des Romans ist die Eroberung Irlands durch die Normannen aus irischer Sicht. Der Leser folgt den Erlebnissen einiger, meist fiktiver, Personen. Hier gibt es eine kleine Fehde, dort versucht ein Händler, sich in die Politik einzumischen, und dann ist da ja auch noch Aoife, die einzige historische Hauptperson…
Insgesamt gibt es sehr viele Charaktere, weshalb das Personenregister sehr hilfreich ist, das auch Hinweise zur Aussprache irischer Namen enthält. Da ich schon mehrere Romane mit irisch-gälischem Bezug gelesen habe, waren mir einige Namen geläufig. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass sie dem einen oder anderen Leser durchaus Probleme bereiten können.
Trotz oder vielleicht auch wegen der vielen Hauptcharaktere hatte ich so meine Schwierigkeiten mit diesem Roman. Immer wieder springt die Autorin zwischen den einzelnen Personen hin und her, man erfährt episodenhaft, was mit ihnen passiert, und bis man sie das nächste Mal begleitet sind einige Monate vergangen. Dazu kommt, dass es eigentlich keine echten Sympathieträger gibt. Kaum denkt man, mit einem Charakter wirklich mitfühlen zu können, zeigt er eine ganz andere Seite, doch auch die gegensätzliche Entwicklung gibt es, dass ein Unsympath plötzlich zumindest phasenweise zum Lieblingscharakter wird. Dies ist schon recht erfrischend, schafft die Autorin es doch auf diesem Weg, ihre Geschichte erstaunlich frei von Stereotypen und die Handlung, abgesehen vom historisch vorgegebenen Rahmen, weitestgehend unvorhersehbar zu gestalten. Dennoch hätte ich mir wenigstens eine Hauptperson gewünscht, mit der man von Anfang bis Ende mitfiebern kann. Ebenso auffällig ist es, dass sich die Autorin hier nicht scheut, Hauptpersonen sterben zu lassen, wie man es sonst in Romanen eher selten erlebt.
Die Handlung an sich ist eigentlich sehr spannend und ganz mein Thema. Dadurch, dass man aber immer nur erfährt, was auch die handelnden Personen erleben, kommt gar kein Überblick über den Ablauf der eigentlichen Eroberung zustande. Vielmehr sind es eben wie schon angemerkt kleine Episoden, die oft wenig mit denen anderer Charaktere zu tun haben. Gelegentlich überschneiden sich die Handlungsstränge, oft genug verlaufen sie aber auch unabhängig voneinander.
Wer eine Liebesgeschichte erwartet, der kommt hier nicht auf seine Kosten, denn auf Romantik wird weitestgehend verzichtet.
Dazu trägt auch der Schreibstil bei. Statt neutral beschreibend ist er sehr subjektiv, teilweise (ab-)wertend, was jeden Keim von Romantik zerstört, auch erhält man sehr schnell falsche Eindrücke von Charakteren, die man dann später in vielen Fällen korrigieren muss. Da wird im Erzähltext auch mal das Wort Köter verwendet, obwohl der neutrale Begriff Hund völlig ausreichend gewesen wäre. Dazu kommt, dass sich der Erzähler immer mal wieder selbst korrigiert: Ein Ächzen, nein, ein Schluchzen. Etwas Silbernes: ein Helm, nein, eine Rüstung, nein, ein Speer… Diese Korrekturen haben mich zu Beginn nur irritiert, je öfter sie vorkamen, umso mehr haben sie mich genervt.
An der Ausstattung des Buches wurde nicht gespart. Neben dem bereits erwähnten Personenregister enthält die Hardcoverausgabe eine kurze Vorbemerkung zur Aussprache, eine Zeittafel über die Ereignisse, die zur Eroberung Irlands führen, eine Karte, Anmerkungen zur Historie sowie ein Lesezeichen, auf dem die wichtigsten Figuren genannt werden.

Fazit
Mit seiner Charakterdarstellung kann der Roman positiv wie auch negativ punkten, und die Handlung ist spannend in Szene gesetzt. Leider ist es vor allem der Schreibstil, mit dem ich so meine Probleme hatte und der eine bessere Wertung verhindert hat. Eine Fortsetzung würde ich dennoch lesen, wenn auch ohne allzu hohe Erwartungen.
Für Interessierte an der irischen Geschichte durchaus einen Blick wert, jedoch sollte man damit zurecht kommen, dass es keinen wirklichen Sympathieträger gibt.

Vielen Dank an den Blanvalet-Verlag und das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar!

Simon Beaufort – Das Geheimnis der Heiligen Stadt

AutorSimon Beaufort
TitelDas Geheimnis der Heiligen Stadt
OriginaltitelMurder in the Holy City
ÜbersetzerLinda Budinger, Alexander Lohmann
SerieGeoffrey Mappestone Band 1
Seitenzahl397
VerlagBastei Lübbe
ISBN978-3-404-15344-2
Bewertung

Inhalt
Jerusalem, 1100: Nach der Eroberung der heiligen Stadt durch die Teilnehmer des Kreuzzugs ist der Friede lange nicht gesichert, denn die verschiedenen Gruppierungen stehen einander ablehnend gegenüber. Immer wieder kommt es zu tödlichen Konflikten zwischen den Parteien.
Als relativ kurz hintereinander zwei Mönche und zwei Ritter mit ähnlichen Waffen umgebracht werden, wird Geoffrey Mappestone, ein anglo-normannischer Ritter und Freund eines der Ermordeten, von seinem Herrn Tankred de Hauteville mit der Aufklärung der Verbrechen betraut. Doch auch der Vogt und der Patriarch der Stadt sind daran interessiert, den Schuldigen zu fassen, könnte eine Fortführung der Verbrechen doch weitreichende Folgen haben.
Schon bald stößt Geoffrey auf die ersten Unstimmigkeiten…

Meine Meinung
Das Geheimnis der heiligen Stadt ist der Auftakt einer bisher achtbändigen Reihe, deren erste fünf Bände ins Deutsche übersetzt wurden. Hinter dem Pseudonym Simon beaufort verbergen sich die Autorin Elizabeth Cruwys, besser bekannt als Susanna Gregory, und ihr Mann Beau Riffenburgh.
Wie so viele historische Krimis ist auch dieser Auftaktband nicht besonders umfangreich. Mit gerade einmal knapp 400 Seiten bleibt nicht besonders viel Raum, neben der Krimihandlung auch noch Hintergrundinformationen über die beschriebene Zeit und die politischen Umstände einzustreuen. So waren mir die Personen Bohemund und Tancred zwar durchaus bekannt, dies dürfte jedoch kaum auf alle Leser zutreffen. Regelrecht verwirrend waren für mich die Personen des Vogts und des Patriarchen, deren Rollen mir alleine durch die Lektüre des Romans nicht klar waren. Hier musste ich extern recherchieren, warum es zwischen den verschiedenen Parteien überhaupt Konflikte gab.
Die handelnden Personen entsprechen recht einfach gehaltenen Stereotypen. Da wäre zunächst der gebildete Geoffrey mit seinen doch recht modernen Einstellungen. Er ist eigentlich nur im Heiligen Land, weil es für ihn in seiner Heimat keine Zukunft gibt und sich hier die Möglichkeit ergibt, neue Sprachen und Kulturen kennenzulernen. Er ist sogar so gescheit, dass er von mehreren Fraktionen, sogar von denen, die ihm ablehnend gegenüberstehen, mit der Aufklärung des Falles betraut wird. Und natürlich ist er nicht nur klug, sondern kann auch noch sehr gut mit dem Schwert umgehen.
Ihm zur Seite stehen der tumbe Roger, der geistig recht schwerfällig, im Kampf aber unschlagbar ist, und der gescheite Hugo, der gegen seinen Willen in den Fall hineingezogen wird. Und dann gibt es da noch die griechische Witwe Melissande, die offensichtlich etwas zu verbergen hat…
Die Handlung des Krimis an sich konnte mich nicht völlig überzeugen. Es gibt diverse falsche Fährten, die für mich jedoch recht offensichtlich waren, so dass ich schon recht früh eine Ahnung hatte, wer in den Mordfall verwickelt sein könnte. Andere Stellen sind doch sehr konstruiert und weit hergeholt, stellenweise ist die Handlung dann auch nicht ganz logisch. Und natürlich nimmt sich an entsprechender Stelle der Mörder die Zeit, seine Motive haarklein darzulegen, damit auch jeder versteht, warum er so und nicht anders handeln musste. Dennoch war der Krimi nicht uninteressant und konnte mich stellenweise regelrecht fesseln, selbst wenn es nur darum ging, zu überprüfen, ob ich mir meiner Vermutung richtig gelegen hatte.
Das Ende kommt dann ziemlich abrupt und konnte mich dann doch noch überraschen. Die eher unglaubwürdige Handlung wird noch gedreht, so dass das Ergebnis der Historie entspricht.
Im Buch enthalten sind grobe geschichtliche Nachbemerkungen, die ein wenig Einblick über die tatsächliche Lage in Jerusalem um das Jahr 1100 geben. Dies ist positiv anzumerken, denn dies war zu dem Zeitpunkt, zu dem der Roman erstmals erschienen ist, keineswegs üblich.

Fazit
Ein historischer Krimi, den man lesen kann, aber nicht muss. Ein wenig Vorwissen über Jerusalem kurz nach der Eroberung durch den Ersten Kreuzzug wäre nicht verkehrt, um den Überblick über die Personen zu behalten.

Juliet Marillier – Heart’s Blood

AutorJuliet Marillier
TitelHeart's Blood
Seitenzahl485
VerlagTor
ISBN978-0-330-45112-3
Bewertung

Inhalt
Irland, im 12. Jahrhundert: Die Schriftgelehrte Caitrin befindet sich auf der Flucht vor ihren entfernten Verwandten, die es auf das Erbe der jungen Frau abgesehen haben. Von einem Kutscher mitten in der Wildnis alleine gelassen findet sie sich plötzlich an einem unheimlichen Ort wieder, an dem sie nicht besonders freundlich aufgenommen wird.
Als sie erfährt, dass der Grundbesitzer einen Schreiber sucht, entschließt sie sich dazu, bei diesem vorzusprechen, obwohl sie von den Dorfbewohnern vor schrecklichen Gestalten gewarnt wird, die den Hügel bewohnen.
Während Caitrin dies zunächst als Hirngespinst abtut, muss sie schon bald erkennen, dass die Warnungen nicht übertrieben waren. Doch sieht Cait dies als Chance, denn hier scheint sie vor ihren Verwandten sicher…

Meine Meinung
Wie schon in Die Tochter der Wälder hat sich Juliet Marillier hier an einem Märchen orientiert – an welchem verrate ich an dieser Stelle nicht – und die Handlung nach Irland verlegt. Doch während die Welt der Sevenwaters-Romane überwiegend hell und freundlich erscheint, ist die Welt um Whistling Tor düster und unheimlich.
Wie häufig bei Romanen von Juliet Marillier handelt es sich auch hier wieder um eine Erzählung aus der Ich-Perspektive. Der Leser erfährt hautnah, wie Caitrin Stück für Stück in die Geheimnisse von Whistling Tor eintaucht und auch die Bewohner der Burg besser kennen lernt. Dabei teilt Caitrin dem Leser nicht alles über sich direkt mit, auch ihre Vorgeschichte wird erst mit der Zeit vorgestellt.
Die Darstellung der Charaktere ist eine der Stärken Marilliers. Obwohl es bei Ich-Erzählungen häufig der Fall ist, dass Nebencharaktere sehr oberflächlich beschrieben werden, sind sie hier sehr lebendig dargestellt, so dass ich sie bildlich vor mir sehen konnte. Reine Schwarz-Weiß-Zeichnungen findet man bei ihr sehr selten, so auch hier, denn wenig ist so, wie es scheint.
Die Ich-Erzählerin Caitrin ist eine gebildete junge Frau, die von ihrem Vater als Schriftgelehrte ausgebildet wurde. Dies mag für die Zeit nicht alltäglich gewesen sein, ist aber im Zusammenhang stimmig beschrieben und wirkt nicht aufgesetzt. Auch wenn sie nun gezwungener Maßen auf eigenen Beinen stehen muss, ist sie unsicher. Dennoch kann sie sich im richtigen Moment behaupten.
Anluan ist der Herr von Whistling Tor. Er ist verwachsen und seine Stimmungen schwanken innerhalb kürzester Zeit, und so ist es nicht leicht, mit ihm zu leben. Doch ein Geheimnis umgibt ihn und sein Heim, so dass Caitlin trotz Allem gewillt ist, den Auftrag zu erfüllen.
Neben dem Herrn leben nur wenige weitere Personen auf Whistling Tor, die alle mehr oder weniger ungewöhnlich sind.
Und dann ist da noch der „Host“, die Schar, eine nicht näher definierte Anzahl an Geistwesen, deren Herkunft unklar ist und vor denen die Bewohner der Umgebung sich fürchten.
Den historischen Hintergrund bildet die Eroberung Irlands durch die Normannen. Genaue Jahreszahlen und Details werden nicht genannt, so dass der Roman auch zu einer anderen Zeit hätte spielen können. Der Schwerpunkt liegt hier deutlich mehr auf der leicht romantischen Fantasy als auf dem History-Anteil.
Die Liebesgeschichte in diesem Roman entwickelt sich sehr gemächlich und wird sehr dezent beschrieben, dabei ist die meiste Zeit eine romantische Grundstimmung zu erahnen, obwohl der Schwerpunkt eher auf der Suche nach einer alten Schrift und der Lösung eines Problems liegt als auf der Liebesgeschichte.
Sprachlich ist der Roman ebenfalls sehr gefühlvoll gehalten. Leider ist dieses Buch bisher nicht ins Deutsche übersetzt worden, das verwendete Englisch ist allerdings recht leicht verständlich.

Fazit
Wieder einmal ein wunderschöner, wenn auch recht düsterer Roman von Juliet Marillier. Für Leser historischer romantischer Fantasy, die des Englischen mächtig sind, auf jeden Fall zu empfehlen!