Schlagwort-Archive: 12. Jh.

Kiera Brennan – Die Herren der grünen Insel

AutorKiera Brennan
TitelDie Herren der grünen Insel
Seitenzahl959
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-7645-0559-2
Bewertung

Inhalt
Irland, 1166: Die irischen Stämme sind untereinander zerstritten. Kleinere Fehden wie die zwischen den O’Bjolans und Ascall von Toora, bei denen es um verletzten Stolz geht, sind an der Tagesordnung, doch auch die Könige der Insel bekämpfen einander.
Als König Diarmait von Leinster Hilfe im Ausland sucht und bei Henry Plantagenet Aufnahme und ein offenes Ohr findet, setzt er damit Ereignisse in Gang, die Irland für immer verändern sollen. Auch Diarmaits Tochter Aoife, ein schüchternes, schnell zu ängstigendes Mädchen, erhält durch die Begegnung mit Henry und seiner Frau Eleonore ein Ziel, auf das sie von nun an mit aller Kraft hinarbeitet…

Meine Meinung
Normalerweise veröffentlicht Julia Kröhn ihre historischen Romane unter ihrem richtigen Namen. In diesem Fall wurde ein Pseudonym entwickelt, da sich dieses Buch doch sehr von dem unterscheidet, was Julia Kröhn bisher in diesem Genre geschrieben hat.
Thema des Romans ist die Eroberung Irlands durch die Normannen aus irischer Sicht. Der Leser folgt den Erlebnissen einiger, meist fiktiver, Personen. Hier gibt es eine kleine Fehde, dort versucht ein Händler, sich in die Politik einzumischen, und dann ist da ja auch noch Aoife, die einzige historische Hauptperson…
Insgesamt gibt es sehr viele Charaktere, weshalb das Personenregister sehr hilfreich ist, das auch Hinweise zur Aussprache irischer Namen enthält. Da ich schon mehrere Romane mit irisch-gälischem Bezug gelesen habe, waren mir einige Namen geläufig. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass sie dem einen oder anderen Leser durchaus Probleme bereiten können.
Trotz oder vielleicht auch wegen der vielen Hauptcharaktere hatte ich so meine Schwierigkeiten mit diesem Roman. Immer wieder springt die Autorin zwischen den einzelnen Personen hin und her, man erfährt episodenhaft, was mit ihnen passiert, und bis man sie das nächste Mal begleitet sind einige Monate vergangen. Dazu kommt, dass es eigentlich keine echten Sympathieträger gibt. Kaum denkt man, mit einem Charakter wirklich mitfühlen zu können, zeigt er eine ganz andere Seite, doch auch die gegensätzliche Entwicklung gibt es, dass ein Unsympath plötzlich zumindest phasenweise zum Lieblingscharakter wird. Dies ist schon recht erfrischend, schafft die Autorin es doch auf diesem Weg, ihre Geschichte erstaunlich frei von Stereotypen und die Handlung, abgesehen vom historisch vorgegebenen Rahmen, weitestgehend unvorhersehbar zu gestalten. Dennoch hätte ich mir wenigstens eine Hauptperson gewünscht, mit der man von Anfang bis Ende mitfiebern kann. Ebenso auffällig ist es, dass sich die Autorin hier nicht scheut, Hauptpersonen sterben zu lassen, wie man es sonst in Romanen eher selten erlebt.
Die Handlung an sich ist eigentlich sehr spannend und ganz mein Thema. Dadurch, dass man aber immer nur erfährt, was auch die handelnden Personen erleben, kommt gar kein Überblick über den Ablauf der eigentlichen Eroberung zustande. Vielmehr sind es eben wie schon angemerkt kleine Episoden, die oft wenig mit denen anderer Charaktere zu tun haben. Gelegentlich überschneiden sich die Handlungsstränge, oft genug verlaufen sie aber auch unabhängig voneinander.
Wer eine Liebesgeschichte erwartet, der kommt hier nicht auf seine Kosten, denn auf Romantik wird weitestgehend verzichtet.
Dazu trägt auch der Schreibstil bei. Statt neutral beschreibend ist er sehr subjektiv, teilweise (ab-)wertend, was jeden Keim von Romantik zerstört, auch erhält man sehr schnell falsche Eindrücke von Charakteren, die man dann später in vielen Fällen korrigieren muss. Da wird im Erzähltext auch mal das Wort Köter verwendet, obwohl der neutrale Begriff Hund völlig ausreichend gewesen wäre. Dazu kommt, dass sich der Erzähler immer mal wieder selbst korrigiert: Ein Ächzen, nein, ein Schluchzen. Etwas Silbernes: ein Helm, nein, eine Rüstung, nein, ein Speer… Diese Korrekturen haben mich zu Beginn nur irritiert, je öfter sie vorkamen, umso mehr haben sie mich genervt.
An der Ausstattung des Buches wurde nicht gespart. Neben dem bereits erwähnten Personenregister enthält die Hardcoverausgabe eine kurze Vorbemerkung zur Aussprache, eine Zeittafel über die Ereignisse, die zur Eroberung Irlands führen, eine Karte, Anmerkungen zur Historie sowie ein Lesezeichen, auf dem die wichtigsten Figuren genannt werden.

Fazit
Mit seiner Charakterdarstellung kann der Roman positiv wie auch negativ punkten, und die Handlung ist spannend in Szene gesetzt. Leider ist es vor allem der Schreibstil, mit dem ich so meine Probleme hatte und der eine bessere Wertung verhindert hat. Eine Fortsetzung würde ich dennoch lesen, wenn auch ohne allzu hohe Erwartungen.
Für Interessierte an der irischen Geschichte durchaus einen Blick wert, jedoch sollte man damit zurecht kommen, dass es keinen wirklichen Sympathieträger gibt.

Vielen Dank an den Blanvalet-Verlag und das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar!

Simon Beaufort – Das Geheimnis der Heiligen Stadt

AutorSimon Beaufort
TitelDas Geheimnis der Heiligen Stadt
OriginaltitelMurder in the Holy City
ÜbersetzerLinda Budinger, Alexander Lohmann
SerieGeoffrey Mappestone Band 1
Seitenzahl397
VerlagBastei Lübbe
ISBN978-3-404-15344-2
Bewertung

Inhalt
Jerusalem, 1100: Nach der Eroberung der heiligen Stadt durch die Teilnehmer des Kreuzzugs ist der Friede lange nicht gesichert, denn die verschiedenen Gruppierungen stehen einander ablehnend gegenüber. Immer wieder kommt es zu tödlichen Konflikten zwischen den Parteien.
Als relativ kurz hintereinander zwei Mönche und zwei Ritter mit ähnlichen Waffen umgebracht werden, wird Geoffrey Mappestone, ein anglo-normannischer Ritter und Freund eines der Ermordeten, von seinem Herrn Tankred de Hauteville mit der Aufklärung der Verbrechen betraut. Doch auch der Vogt und der Patriarch der Stadt sind daran interessiert, den Schuldigen zu fassen, könnte eine Fortführung der Verbrechen doch weitreichende Folgen haben.
Schon bald stößt Geoffrey auf die ersten Unstimmigkeiten…

Meine Meinung
Das Geheimnis der heiligen Stadt ist der Auftakt einer bisher achtbändigen Reihe, deren erste fünf Bände ins Deutsche übersetzt wurden. Hinter dem Pseudonym Simon beaufort verbergen sich die Autorin Elizabeth Cruwys, besser bekannt als Susanna Gregory, und ihr Mann Beau Riffenburgh.
Wie so viele historische Krimis ist auch dieser Auftaktband nicht besonders umfangreich. Mit gerade einmal knapp 400 Seiten bleibt nicht besonders viel Raum, neben der Krimihandlung auch noch Hintergrundinformationen über die beschriebene Zeit und die politischen Umstände einzustreuen. So waren mir die Personen Bohemund und Tancred zwar durchaus bekannt, dies dürfte jedoch kaum auf alle Leser zutreffen. Regelrecht verwirrend waren für mich die Personen des Vogts und des Patriarchen, deren Rollen mir alleine durch die Lektüre des Romans nicht klar waren. Hier musste ich extern recherchieren, warum es zwischen den verschiedenen Parteien überhaupt Konflikte gab.
Die handelnden Personen entsprechen recht einfach gehaltenen Stereotypen. Da wäre zunächst der gebildete Geoffrey mit seinen doch recht modernen Einstellungen. Er ist eigentlich nur im Heiligen Land, weil es für ihn in seiner Heimat keine Zukunft gibt und sich hier die Möglichkeit ergibt, neue Sprachen und Kulturen kennenzulernen. Er ist sogar so gescheit, dass er von mehreren Fraktionen, sogar von denen, die ihm ablehnend gegenüberstehen, mit der Aufklärung des Falles betraut wird. Und natürlich ist er nicht nur klug, sondern kann auch noch sehr gut mit dem Schwert umgehen.
Ihm zur Seite stehen der tumbe Roger, der geistig recht schwerfällig, im Kampf aber unschlagbar ist, und der gescheite Hugo, der gegen seinen Willen in den Fall hineingezogen wird. Und dann gibt es da noch die griechische Witwe Melissande, die offensichtlich etwas zu verbergen hat…
Die Handlung des Krimis an sich konnte mich nicht völlig überzeugen. Es gibt diverse falsche Fährten, die für mich jedoch recht offensichtlich waren, so dass ich schon recht früh eine Ahnung hatte, wer in den Mordfall verwickelt sein könnte. Andere Stellen sind doch sehr konstruiert und weit hergeholt, stellenweise ist die Handlung dann auch nicht ganz logisch. Und natürlich nimmt sich an entsprechender Stelle der Mörder die Zeit, seine Motive haarklein darzulegen, damit auch jeder versteht, warum er so und nicht anders handeln musste. Dennoch war der Krimi nicht uninteressant und konnte mich stellenweise regelrecht fesseln, selbst wenn es nur darum ging, zu überprüfen, ob ich mir meiner Vermutung richtig gelegen hatte.
Das Ende kommt dann ziemlich abrupt und konnte mich dann doch noch überraschen. Die eher unglaubwürdige Handlung wird noch gedreht, so dass das Ergebnis der Historie entspricht.
Im Buch enthalten sind grobe geschichtliche Nachbemerkungen, die ein wenig Einblick über die tatsächliche Lage in Jerusalem um das Jahr 1100 geben. Dies ist positiv anzumerken, denn dies war zu dem Zeitpunkt, zu dem der Roman erstmals erschienen ist, keineswegs üblich.

Fazit
Ein historischer Krimi, den man lesen kann, aber nicht muss. Ein wenig Vorwissen über Jerusalem kurz nach der Eroberung durch den Ersten Kreuzzug wäre nicht verkehrt, um den Überblick über die Personen zu behalten.

Juliet Marillier – Heart’s Blood

AutorJuliet Marillier
TitelHeart's Blood
Seitenzahl485
VerlagTor
ISBN978-0-330-45112-3
Bewertung

Inhalt
Irland, im 12. Jahrhundert: Die Schriftgelehrte Caitrin befindet sich auf der Flucht vor ihren entfernten Verwandten, die es auf das Erbe der jungen Frau abgesehen haben. Von einem Kutscher mitten in der Wildnis alleine gelassen findet sie sich plötzlich an einem unheimlichen Ort wieder, an dem sie nicht besonders freundlich aufgenommen wird.
Als sie erfährt, dass der Grundbesitzer einen Schreiber sucht, entschließt sie sich dazu, bei diesem vorzusprechen, obwohl sie von den Dorfbewohnern vor schrecklichen Gestalten gewarnt wird, die den Hügel bewohnen.
Während Caitrin dies zunächst als Hirngespinst abtut, muss sie schon bald erkennen, dass die Warnungen nicht übertrieben waren. Doch sieht Cait dies als Chance, denn hier scheint sie vor ihren Verwandten sicher…

Meine Meinung
Wie schon in Die Tochter der Wälder hat sich Juliet Marillier hier an einem Märchen orientiert – an welchem verrate ich an dieser Stelle nicht – und die Handlung nach Irland verlegt. Doch während die Welt der Sevenwaters-Romane überwiegend hell und freundlich erscheint, ist die Welt um Whistling Tor düster und unheimlich.
Wie häufig bei Romanen von Juliet Marillier handelt es sich auch hier wieder um eine Erzählung aus der Ich-Perspektive. Der Leser erfährt hautnah, wie Caitrin Stück für Stück in die Geheimnisse von Whistling Tor eintaucht und auch die Bewohner der Burg besser kennen lernt. Dabei teilt Caitrin dem Leser nicht alles über sich direkt mit, auch ihre Vorgeschichte wird erst mit der Zeit vorgestellt.
Die Darstellung der Charaktere ist eine der Stärken Marilliers. Obwohl es bei Ich-Erzählungen häufig der Fall ist, dass Nebencharaktere sehr oberflächlich beschrieben werden, sind sie hier sehr lebendig dargestellt, so dass ich sie bildlich vor mir sehen konnte. Reine Schwarz-Weiß-Zeichnungen findet man bei ihr sehr selten, so auch hier, denn wenig ist so, wie es scheint.
Die Ich-Erzählerin Caitrin ist eine gebildete junge Frau, die von ihrem Vater als Schriftgelehrte ausgebildet wurde. Dies mag für die Zeit nicht alltäglich gewesen sein, ist aber im Zusammenhang stimmig beschrieben und wirkt nicht aufgesetzt. Auch wenn sie nun gezwungener Maßen auf eigenen Beinen stehen muss, ist sie unsicher. Dennoch kann sie sich im richtigen Moment behaupten.
Anluan ist der Herr von Whistling Tor. Er ist verwachsen und seine Stimmungen schwanken innerhalb kürzester Zeit, und so ist es nicht leicht, mit ihm zu leben. Doch ein Geheimnis umgibt ihn und sein Heim, so dass Caitlin trotz Allem gewillt ist, den Auftrag zu erfüllen.
Neben dem Herrn leben nur wenige weitere Personen auf Whistling Tor, die alle mehr oder weniger ungewöhnlich sind.
Und dann ist da noch der „Host“, die Schar, eine nicht näher definierte Anzahl an Geistwesen, deren Herkunft unklar ist und vor denen die Bewohner der Umgebung sich fürchten.
Den historischen Hintergrund bildet die Eroberung Irlands durch die Normannen. Genaue Jahreszahlen und Details werden nicht genannt, so dass der Roman auch zu einer anderen Zeit hätte spielen können. Der Schwerpunkt liegt hier deutlich mehr auf der leicht romantischen Fantasy als auf dem History-Anteil.
Die Liebesgeschichte in diesem Roman entwickelt sich sehr gemächlich und wird sehr dezent beschrieben, dabei ist die meiste Zeit eine romantische Grundstimmung zu erahnen, obwohl der Schwerpunkt eher auf der Suche nach einer alten Schrift und der Lösung eines Problems liegt als auf der Liebesgeschichte.
Sprachlich ist der Roman ebenfalls sehr gefühlvoll gehalten. Leider ist dieses Buch bisher nicht ins Deutsche übersetzt worden, das verwendete Englisch ist allerdings recht leicht verständlich.

Fazit
Wieder einmal ein wunderschöner, wenn auch recht düsterer Roman von Juliet Marillier. Für Leser historischer romantischer Fantasy, die des Englischen mächtig sind, auf jeden Fall zu empfehlen!

Ricarda Jordan – Die Geisel des Löwen

AutorRicarda Jordan
TitelDie Geisel des Löwen
Seitenzahl623
VerlagBastei Lübbe
ISBN978-3-404-16825-5
Bewertung

Inhalt
Kap Arkona, 1163: Vor der Insel Rujana wurde ein Schiff der Tempelritter gekapert. Zwei Überlebende sollen dem Gott Svantevit geopfert werden. Doch die dreizehnjährige Ranin Amra verhilft dem jungen Magnus, dem Neffen des dänischen Königs, zur Flucht. Ihr Einsatz ist allerdings nicht unbemerkt geblieben und hat schlimme Folgen für das Mädchen.
Fünf Jahre später: Wieder ist Magnus nach Rujana unterwegs, diesmal im Heer Heinrichs des Löwen. Das Ziel des Herzogs ist es, das Heiligtum auf Arkona zu zerstören und die Slawen zu christianisieren. All die Jahre hat Magnus Amra nicht vergessen können. Wird er sie nun wiedersehen?

Meine Meinung
Wer schon einmal auf Rügen war, wird bestimmt auch dem Kap Arkona einen Besuch abgestattet und auch davon gehört haben, dass hier früher mal ein Heiligtum der Ranen stand, das dem slavischen Gott Svantevit gewidmet war. Auch ich habe so ein wenig über die Geschichte der Insel erfahren.
Als ich also einige Monate später über diesen Roman gestolpert bin, musste ich ihn auch unbedingt lesen. Mich hat besonders interessiert, wie Ricarda Jordan sich das Heiligtum und die Verehrung des Gottes vorstellt und die Zerstörung des Tempels schildert.
Diese Schilderungen empfand ich als sehr interessant und in sich stimmig, sie nehmen allerdings nur einen kleinen Teil der Handlung ein, denn schon bald verlagert sich die Handlung an den Hof Heinrichs des Löwen. Während mir das Hofleben in seiner Darstellung ebenfalls glaubwürdig erschien, waren es gerade Amras Stellung und ihre Erlebnisse, mit denen ich so meine Schwierigkeiten hatte.
Sie ist die Tochter eines jüdischen Kaufmanns mit seiner slawischen Haushälterin. Er bekennt sich zwar nicht zu ihr, hat ihr aber viel Wissen vermittelt, so kann sie mehrere Sprachen sprechen und auch lesen und schreiben, auch ist sie sehr schlau und durchschaut die Tricks der Priester innerhalb kürzester Zeit. Zudem zieht sie mit ihren roten Haaren und grünen Augen die Aufmerksamkeit der Männer auch sich, selbst im Alter von dreizehn Jahren. Trotz ihrer Bildung ist sie schrecklich naiv, nicht nur zu Beginn, sondern auch noch Jahre später.
Wie aber gerät eine junge Frau, die offiziell nur die Tochter einer Haushälterin ist, an den Hof Heinrichs des Löwen, und noch dazu nicht als Magd, sondern als hochgestellte Geisel? Dieser Weg war mir dann doch etwas weit hergeholt. Und dass Amra, die ja so hübsch ist, es über die Jahre schafft, unberührt zu bleiben, erstaunt dann noch mehr. Hier wurde eine Heldin geschaffen, die alles kann, durch ihre Naivität aber immer wieder in Schwierigkeiten oder unglückliche Situationen gerät.
Magnus ist dann der passende Partner für sie, denn schon von Beginn an wird deutlich, dass er ihre große Liebe sein wird, obwohl sie doch nur ein paar Worte miteinander wechseln. Er ist natürlich ebenfalls gutaussehend, mit blonden Haaren und blauen Augen, dabei aber wesentlich weniger naiv, nachdem er erkennen musste, wie knapp er dem Tod entronnen ist. Als Ritter ohne Land ist er darauf angewiesen, bei seinen Herren im guten Licht dazustehen, und so entsteht hier genügend Konfliktpotential, um die Geschichte immer wieder voranzutreiben.
Auch andere Charaktere sind sehr stereotyp beschrieben, sei es nun der geldgierige, machtbesessene ranische Priester Muris, der gütige jüdische Kaufmann Baruch oder die verzogene Königstochter Mathilde, die klar in ihren Rollen als Freund oder Feind festgelegt sind.
Die Handlung selbst ist meist überwiegend spannend, wenn auch, wie bereits angesprochen, nicht immer glaubwürdig. Hier stand wohl eher die Liebesgeschichte im Zentrum, auch wenn der historische Hintergrund mir recht gut recherchiert erscheint und auch nicht uninteressant ist. Ich habe den Roman so innerhalb kurzer Zeit durchgelesen, einerseits angezogen von der doch recht spannenden Geschichte, andererseits aber auch wenig begeistert von den beschriebenen Abenteuern, die Amra hier erlebt.
In einem Nachwort geht die Autorin auch noch einmal auf die historischen Tatsachen und die Quellenllage ein, auf die Situation der Ranen, die Christianisierung der Slawen, aber auch auf Heinrich den Löwen selbst. Weiteres Zusatzmaterial ist nicht vorhanden, dabei wäre eine Karte der Gebiete um Vitt und Arkona zur damaligen Zeit schon sehr interessant gewesen.
Sprachlich ist der Roman wenig auffällig, der flüssige Schreibstil ermöglicht es, den Roman zügig zu lesen. Einige wenige slawische Namen sind gewöhnungsbedürftig und leicht zu verwechseln, dies geht jedoch weniger zu Lasten der Autorin.

Fazit
Wer hier mehr über die Ranen und die Geschichte Rügens lernen möchte, wird hier wahrscheinlich enttäuscht werden, weil dies doch eher kurz kommt. Wer sich dagegen von einer spannenden Liebesgeschichte unterhalten lassen und nebenbei ein wenig Hintergrundwissen über diese Zeit aufnehmen möchte, der ist mit diesem Buch sicher gut bedient.

Ulf Schiewe – Die Hure Babylon

AutorUlf Schiewe
TitelDie Hure Babylon
SerieMontalban Band 3
Seitenzahl576
VerlagDroemer
ISBN978-3-426-19930-5
Bewertung

Achtung: Diese Rezension enthält Spoiler zu Die Comtessa!

Inhalt
Narbona, 1147: Die Vizegräfin Ermengarda und Arnaut könnten eigentlich zufrieden mit ihrem Leben sein, wäre da nicht die Scheinehe, die eine legitimierte Verbindung zwischen den beiden verhindert.
Als die Kirche zu einem Kreuzzug aufruft und Ermengarda kurz darauf eine Fehlgeburt erleidet, sieht Arnaut dies als einen Wink des Himmels, für seinen Ehebruch Buße zu tun, indem er sich dem Heer anschließt.
Aber Arnaut reist nicht allein, auch einige der Gefährten, die ihm schon zuvor auf seinen Abenteuern beigestanden haben, begleiten ihn auf diese Reise. Doch selbst die schlimmsten Erzählungen seines Großvaters haben ihn nicht auf das vorbereiten können, was ihm bevorsteht…

Meine Meinung
Bei diesem Roman handelt es sich um den dritten Band über die fiktive Familie Montalban. Während es nur wenige Querverweise zu Der Bastard von Tolosa gibt, besteht eine direkte Verbindung zu Die Comtessa, denn viele der Hauptpersonen aus dem zweiten Band treten auch hier wieder auf. Auch wenn der vorliegende dritte Band eine unabhängige Geschichte erzählt, die man ohne Vorkenntnisse verstehen kann, so hilft es doch sehr, wenn man die Charaktere durch den zweiten Band bereits genauer kennt, denn eine detaillierte Einführung erfolgt nicht.
Arnaut, die Hauptperson des Romans, ist nicht der typische Held. Schon alleine der Grund für die Teilnahme am Kreuzzug ist aus heutiger Sicht schwer nachzuvollziehen. Und auch wenn er während der Reise gen Osten die eine oder andere Heldentat erledigt und dadurch die Aufmerksamkeit mancher Befehlshaber auf sich lenkt, so ist er doch ein schwieriger Charakter.
Er wird begleitet von Jori, einem ehemaligen Straßenjungen, der sich in den letzten Jahren ordentlich gemausert hat, seinem besten Freund Severin und dem Mönch Fraire Aimar, der als Chronist den Zug begleitet. Zusätzlich nehmen auch einige weibliche Charaktere wichtige Rollen in diesem Roman ein, nämlich eine Marketenderin, eine Prostituierte sowie eine junge Kämpferin, die mit dem Schwert sehr gut umzugehen weiß.
Während ich mir die meisten Charaktere gut auf dem Kreuzzug vorstellen konnte, hatte ich mit der Amazone Constansa so meine Probleme, in meinen Augen passt sie hier nicht hin. Dass es durch sie auch zu bestimmten Problemen kommt, kann man sich vielleicht vorstellen.
Auch die eine oder andere historische Person hat hier einen größeren Auftritt. Insbesondere Alienor, die Herzogin von Aquitanien und Königin Frankreichs, nimmt eine wichtige Rolle ein, die einem aber auch schon in anderen Romanen über ihre Person begegnet sein könnte.
Der Kreuzzug wird in diesem Roman keinesfalls glorifiziert, die schlechte, ja geradezu miserable Organisation und die nicht vorhandene Führung, die Streitereien und Fehleinschätzungen werden gnadenlos beschrieben, und besonders die Probleme, die durch den Tross und insbesondere die adeligen Frauen, die über den gesamten Weg mitgeschleppt werden, haben mich das eine oder andere Mal schon fragen lassen, ob denn die Menschen damals keine Vorstellung davon hatten, auf was sie sich dort einlassen würden. Denn daran, dass Ulf Schiewe hier gründlich recherchiert hat und nichts übertreibt oder beschönigt, habe ich keine Zweifel. Kampfbeschreibungen kommen auch immer mal wieder vor, so dass dem Leser wenig erspart wird, dies wird jedoch nicht übertrieben.
Und so sollte man nicht unbedingt erwarten, dass alle Teilnehmer diesen Krieg unbeschadet überstehen. So hatte ich das Ende nicht erwartet, aber insgesamt ist es doch sehr stimmig.
Neben der Schilderung des Kreuzzugs gibt es zu jedem Abschnittsbeginn ein Kapitel, in dem in der Ich-Perspektive aus Ermengardas Sicht beschrieben wird, was in der Heimat, in Narbonne geschieht und was für Informationen die Vizegräfin erreichen. Einerseits haben mich diese Abschnitte beim Lesen ein wenig gestört, schließlich wollte ich wissen, wie es mit Arnaut und seinen Freunden weiter geht, andererseits bekommt der Leser die eine oder andere nützliche Information dadurch mitgeteilt.
Die Sprache ist überwiegend passend gewählt und lässt sich flüssig lesen. Einzig diverse Wörter aus der okzitanischen Sprache, die immer wieder in den Text eingestreut werden, fallen störend auf.
Ergänzt wird der Roman durch Karten, auf denen die Route des Kreuzzugs eingezeichnet ist, ein Glossar, ein Personenregister sowie ein Nachwort zum historischen Kontext, so dass hier kaum Wünsche offen bleiben.

Fazit
Ein lesenswerter Roman über den Zweiten Kreuzzug, der ohne romantische Verklärung daher kommt. Als Abschluss der Trilogie über die Familie Montalban ist dieser Roman unbedingt lesenswert, zumindest aber sollte man den direkten Vorgänger gelesen haben, um die Ausgangssituation besser verstehen zu können.