Schlagwort-Archive: 11. Jh.

Julia Kröhn – Distel und Rose

AutorJulia Kröhn
TitelDistel und Rose
Seitenzahl575
VerlagBastei Lübbe
ISBN978-3-404-17306-8
Bewertung

Inhalt
Schottland, 1791: Die junge Engländerin Magdalene hat ihre vertraute Heimat verlassen, um in die schottischen Highlands zu ziehen, zu ihrem Ehemann, den sie kaum kennt und mit dem sie nichts verbindet. Der Kontakt zu den Bewohnern der Highlands lässt ihre Vorurteile der Wildnis gegenüber schrumpfen, doch die Kluft zu ihrem Mann wird immer größer. Doch dann entdeckt sie in der Bibliothek ein altes Pergament, das viele Fragen aufwirft.
1078: Die junge Northumbrierin Aelswith wächst am Hof der schottischen Königin Margaret auf. Doch eines Tages wird sie nach einem Streich von zwei Wanderheilern entführt. Was führen die beiden im Schilde?

Meine Meinung
Romane mit zwei verschiedenen Handlungssträngen zu verschiedenen Zeiten, die durch einen bestimmten Gegenstand miteinander verbunden sind, gibt es nicht gerade wenige. Solche, bei denen beide weit in der Vergangenheit liegen, findet man dagegen eher selten. Doch genau so ein Roman liegt mit Distel und Rose vor.
Während der frühere Handlungsstrang auch für sich gelesen werden kann, nimmt der spätere immer wieder Bezug auf diesen, jedoch nicht in einem solchen Maße, dass er völlig davon abhängig wäre, vielmehr wird hier eine eigene Geschichte erzählt, die auch ohne diesen Bezug funktioniert hätte. Dadurch, dass sich beide Geschichten abwechseln und die Kapitel immer wieder mit Cliffhängern enden, bleibt die Spannung stets auf einem hohen Niveau.
Beide Teile der Handlung behandeln interessante Zeiten, zu denen ich jedoch bisher wenig gelesen habe.
So beschäftigt sich der später spielende Teil mit der Zeit der Clearances, der Umsiedlung der Highlander an die Küsten und der Nutzung der ehemaligen Ackerflächen als Weiden, während der frühere sich mit der Aufklärung eines Geheimnisses beschäftigt, das mit der Nachfolge Macbeth‘ zu tun hat.
In beiden Handlungssträngen scheinen die Rollen klar verteilt zu sein: David als Vertreter der Oberschicht, der die Armen unterdrückt, Seòras als deren Sprachrohr, als Rebell, der in Magdalene, dem naiven Bücherwurm, romantische Vorstellungen weckt. Und im 11. Jahrhundert lernen wir Aelswith als junge, manchmal etwas vorlaute junge Frau kennen, die gegen ein kleines Abenteuer nichts einzuwenden hat, Taraín als jungen, gutaussehenden Wanderheiler, der sehr sympathisch erscheint, aber auch Hlothere, den angelsächsischen Ritter, der die Gruppe verfolgt.
Doch nicht immer ist alles so, wie es zu Beginn den Anschein erweckt, die zu erwartenden Liebesgeschichten eingeschlossen, man darf sich also auf die eine oder andere interessante Wendung freuen. Julia Kröhn spielt hier mit den Erwartungen der Leser, die durch Klischees und typische Romanelemente geprägt sind, und erzählt so eine ganz eigene Geschichte, die weitestgehend stimmig ist, wenn auch die eine oder andere falsche Fährte recht weit hergeholt oder nicht ganz stimmig zu sein scheint. Eine für die Handlung sehr wichtige Frage wird auch nur am Rande beantwortet, so dass man diese sehr schnell überlesen kann. Hier hätte ich mir eine deutlichere Aufklärung gewünscht.
Auch zum Thema Macbeth hätte ich mir mehr erhofft. Es wird zwar gesagt, dass dieser schottische König als sehr grausam beschrieben wird – so erinnert sich Magdalene an Vorführungen von Shakespeares Stück, die ihr Schauer über den Rücken laufen lassen, und Aelswith wird über Ströme von Blut unterrichtet, für die Macbeth verantwortlich gewesen sein soll -, Genaueres wird jedoch nicht gesagt, also wie genau seine Grausamkeit sich geäußert haben, welche Untaten er vollbracht haben soll. Dies muss man also selbst beispielsweise bei Shakespeare nachlesen, um eben dieses Bild zu kennen. Kennt man dies aber nicht, kann auch dieser Ansatz der Rehabilitation nicht funktionieren, der darauf basiert, dass das Bild, das man im Allgemeinen von ihm hat, als Ausgangsbasis genommen wird.
An Zusatzmaterial bietet das Buch eine farbige Karte Schottlands, kurze Hinweise zur Aussprache einiger Namen sowie historische Anmerkungen.

Fazit
Eine interessante Verquickung von zwei Geschichten, die beide ihren Reiz haben und auch alleine stehen könnten. Gerne hätte es bei beiden mehr Details zum historischen Hintergrund geben dürfen. Man sollte sich zumindest am Rande für schottische Geschichte interessieren, denn wer den Roman liest, weil er nette Liebesgeschichten erwartet, könnte enttäuscht werden.

Vielen Dank an Bastei Lübbe und Leserunden.de für das Leserundenexemplar!

Dagmar Trodler – Die Stunde der Seherin

AutorDagmar Trodler
TitelDie Stunde der Seherin
Seitenzahl415
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-442-37223-2
Bewertung

Inhalt
Vor der Küste Schottlands, 1069: Christina ist mit ihrer Familie auf der Flucht vor dem normannischen König William, als sie vor der schottischen Küste Schiffbruch erleidet. Von König Malcolm gerettet, ist dieser von Christinas Schwester Margaret wie verzaubert, die als Schwester des Æthlings Edgar eine geeignete Heiratskandidatin ist. Doch auch die klein gewachsene Christina kann sich vor politisch motivierten Anträgen kaum retten.
Als dann ein Fluch Margaret befällt, ist es an der jüngeren Schwester, ihm auf den Grund zu gehen und zu stoppen. Christinas Aufgabe ist jedoch beschwerlich, glaubt doch kaum jemand an die Existenz des Fluches…

Meine Meinung
Wie schon in einigen anderen Romanen von Dagmar Trodler entführt die Autorin ihre Leser auch hier wieder ins 11. Jahrhundert, dieses Mal nach Schottland und das nördliche England.
Während ich jedoch die anderen fünf Bücher überwiegend mit Genuss gelesen habe, hatte ich mit diesem Roman so meine Schwierigkeiten.
Dies lag überwiegend daran, dass der Schreibstil recht eigensinnig ist. Dabei störten mich weniger die immer wieder eingeschobenen lateinischen Sätze, überwiegend Bibelzitate, die schon mal mehrere Zeilen einnehmen und im Glossar im Anhang übersetzt werden – so etwas gab es auch in den anderen Büchern schon – sondern vielmehr die Vermenschlichung lebloser Dinge, oft in völlig abstrusen Kombinationen, wenn beispielsweise eine Fackel an der Wand nachdenklich die Schatten zweier Personen lang zieht oder einer Drohung Asche von den Schwingen rieselt. Dazu kommt, dass wörtliche Rede immer wieder von Auslassungszeichen unterbrochen wird. Durch die drei Pünktchen wird zwar sehr schnell deutlich, dass die Personen sprachlos sind oder die richtigen Worte nicht finden, doch zieht sich dies durch das ganze Buch und hat mich irgendwann nur noch genervt. Ebenfalls auffällig ist die Erwähnung der hygienischen Umstände. Immer wieder wird erwähnt, wie dreckig etwas ist, wie sehr die Personen stinken und was für Ungeziefer vorhanden ist. Dies sorgt zwar dafür, dass die Zeit nicht verklärt wird, aber irgendwann hat jeder mitbekommen, dass es unangenehm riecht, wenn mehrere Menschen im gleichen Raum schlafen und nicht lüften.
Während es in den vorherigen Büchern der Autorin zwar kleinere mystische Elemente gab, die mich nicht weiter gestört haben, sondern vielmehr ganz gut ins Gesamtbild passten, spielen sie hier eine deutlich größere Rolle. Denn Christina ist eine Táltos, eine Heilerin, die auf wundersame Weise schwere Wunden und Krankheiten heilen kann, zudem ist sie zunächst die einzige, die den Fluch und die damit einher gehende Bedrohung wahr nimmt. Erschien es mir zunächst nicht eindeutig, ob einige der beschriebenen Dinge tatsächlich passieren oder es sich um Einbildung handelt, wird dies zum Ende des Romans hin deutlicher, mir hat diese Entwicklung allerdings nicht zugesagt. Dafür, dass die meisten Charaktere historisch belegt sind, passiert einfach zu viel, was doch recht unglaubwürdig ist.
Auch sonst ist nicht immer deutlich, was denn genau passiert und was die Menschen aussagen, zu zerklüftet ist die Handlung, zu uneindeutig die Beschreibungen. Viele Dinge muss man sich zusammenreimen. Dafür ist die Handlung im Großen und Ganzen gesehen nicht unbedingt vorhersehbar, was dann wieder positiv gesehen werden kann.
Auch die Personen sind durch die schwammigen Beschreibungen sehr schwer zu greifen. Zwar wird klar, dass Christina ein gutes Herz hat und ihre Kräfte auch für Menschen aufwendet, die sie kaum kennt, dass sie gewisse Menschen aus dem Umfeld ihres Bruders verabscheut und das Leben im Kloster zwar angenehm, aber auch langweilig fand, dennoch hatte ich nie das Gefühl, sie irgendwie zu kennen oder zu verstehen, wie es bei anderen Romanfiguren durchaus der Fall sein kann.
Dazu kommt, dass es neben der schwer verständlichen Anziehung zwischen Malcolm und Margaret noch eine weitere Liebesbeziehung gibt, nämlich zwischen Christina und dem Culdee Nial, einem Einsiedler, der wie ein Mönch lebt. Eine Entwicklung ist in beiden Fällen kaum festzustellen, die Anziehungskraft ist da, und dann wird eben gehandelt – oder auch nicht. Warum sie aber zustande kommt und worauf sie aufbaut wird jedoch nicht deutlich. Ein Gutes hat diese Art der Darstellung: Die Charaktere sind in den seltensten Fällen nur gut oder nur böse, manche zeigen auf eingeschränkte Art auch durchaus andere Seiten, die ich so zuvor nicht erwartet hätte.
Neben dem bereits erwähnten Glossar gibt es auch ein Nachwort, in dem die Autorin zu ein paar Details Stellung nimmt.

Fazit
Konnten mich andere Bücher der Autorin noch fesseln, ist ihr das mit diesem Roman nicht gelungen. Die Handlung ist zwar mehr oder weniger spannend, doch ist sie mir zu abgedreht und dabei zu verwirrend beschrieben. Der Schreibstil trägt dann noch dazu bei, dass mich dieser Roman nicht überzeugen konnte.

James Aitcheson – Der Pakt der Schwerter

AutorJames Aitcheson
TitelDer Pakt der Schwerter
OriginaltitelSworn Sword
ÜbersetzerJochen Stremmel
SerieConquest Band 1
Seitenzahl542
VerlagGoldmann
ISBN978-3-442-47713-5
Bewertung

Inhalt
Dunholm, 1069: Seit drei Jahren steht England unter normannischer Herrschaft, doch nicht alle Engländer akzeptieren ihren neuen König.
Tancred a Dinant ist ein Ritter im Gefolge von Lord Robert de Commines, der kürzlich als Earl von Northumbria eingesetzt worden ist. Doch immer wieder kommt es zu feindlichen Übergriffen.
Als die Stadt von Angelsachsen überrannt wird, kann sich Tancred schwer verletzt nach Eoferwic retten. Doch auch Eoferwic ist nicht sicher, und so erhält er von Guillaume Malet den Auftrag, dessen Frau und Tochter nach Lundene und Malets Kaplan, den Angelsachsen Ælfwold, im Anschluss nach Wiltune zu geleiten. Doch was für eine Botschaft soll überbracht werden? Kann Tancred Malet trauen?

Meine Meinung
Der Pakt der Schwerter ist der Debütroman des noch recht jungen britischen Autors James Aitcheson, in dem die Zeit nach der Eroberung Englands aus normannischer Perspektive betrachtet wird.
Dabei konzentriert sich der Autor auf die Ereignisse, wie sie aus Sicht eines Kriegers geschehen, indem er den Bretonen Tancred die Geschichte erzählen lässt.
Zu Beginn wird der Leser mitten in die Geschichte hineingeworfen. Wer Tancred und seine Gefährten sind erfährt der Leser zum Teil in Rückblicken, abgesehen davon wird nur betrachtet, was um den Ritter herum gerade passiert. Was während Tancreds Reisen andernorts geschieht, erfährt der Leser allenfalls im Nachhinein, wenn Informationen ausgetauscht werden. Dadurch ist der Blick doch recht eingeschränkt, der Gesamtzusammenhang fehlte mir an mancher Stelle und die Kämpfe, in die Tancred hineingerät, erschienen dann doch ein wenig beliebig.
Nicht immer war die Handlung völlig logisch. So trägt Tancred eine tiefe Wunde am Bein davon, doch nur wenige Tage später ist diese völlig verheilt, nur eine Narbe bleibt zurück, und kämpfen kann er auch schon wieder. Und dies ist nicht die einzige Logiklücke. Dennoch erscheint die Geschichte auf mich nicht völlig unglaubwürdig, im Großen und Ganzen hätte die Handlung so wohl stattfinden können.
Tancred als Ich-Erzähler ist eigentlich ein interessanter Charakter. Er vereint klösterliche Bildung mit vielen Jahren Schwertkampftraining, ist dabei aber der Kirche nicht extrem negativ gegenüber eingestellt. Auch ist er seinem Herrn Robert schon lange treu, so dass es ihm schwer fällt, sich anderweitig zu binden. Nicht immer durchdenkt er seine Handlungen bis zum Schluss, sondern handelt oft spontan.
Neben Tancred treten noch viele anderen Charaktere auf, doch schafft es Aitcheson leider nicht, diese durch Tancreds Sicht so zu beschreiben, dass sie Persönlichkeit erhalten. Insbesondere seine Gefährten blieben mir zu blass und austauschbar, die meisten anderen Personen werden nur einseitig beschrieben.
Grundsätzlich ist der Roman recht flüssig zu lesen, an einigen wenigen Stellen tauchen angelsächsische Wörter und Sätze auf, die nicht immer übersetzt werden. Die Bedeutung kann man sich zum Teil herleiten, für das Verständnis sind sie nicht wichtig, jedoch verdeutlichen sie Tancreds Sprachbarriere. Nicht ganz zufrieden war ich allerdings damit, dass die Normannen hier häufig als Franzosen bezeichnet werden, denn während dies in unserer Zeit korrekt ist, handelt es sich im 11. Jahrhundert um völlig unterschiedliche Völker, die nur die gleiche Sprache sprechen. Dies kollidiert zudem damit, dass Ortsnamen in ihrer alten Form verwendet werden. Ob dieser Fehler nun auf eine schlechte Übersetzung oder auf eine ungenaue Wortwahl des Autors zurückzuführen ist kann ich nicht einschätzen.
Wie man es von halbwegs aktuellen Romanen gewohnt ist, weist auch dieser Roman ein wenig Zusatzmaterial auf. Neben einer Karte gibt es eine Auflistung der Orte in mittelalterlicher und aktueller Schreibweise, zudem ist ein Nachwort zu finden, in dem der Autor Fakten und Fiktion trennt.

Fazit
Ein Roman in der Tradition Bernard Cornwells, in dem sehr viel gekämpft und gereist wird. An Cornwell reicht Aitcheson noch nicht heran, doch für einen Debütroman ist dieses Buch nicht schlecht.

Martha Sophie Marcus – Herrin des Nordens

AutorMartha Sophie Marcus
TitelHerrin des Nordens
Seitenzahl764
VerlagGolmann
ISBN978-3-442-48106-4
Bewertung

Inhalt
Haithabu, 1044: Die vierzehnjährige Ingunn ist die Tochter des angesehenen Händlers Sigmund. Wie ihr Vater glaubt auch sie an die alten Götter, während ihre Mutter Godelind sich den Christen angeschlossen hat, was gelegentlich zu Unfrieden im Haus führt.
Als eines Tages die Brüder Torge und Jostein aus England eintreffen, verliebt sich Ingunn in den nur wenig älteren Torge. Das Mädchen überglücklich, als dieser um ihre Hand anhält, doch Torge und Jon stehen im Dienst des Jarls von Northumbria, viele Meilen entfernt.
Um Ingunn, sein einziges überlebendes Kind, abzusichern, beschließt Sigmund, sie als Nachfolgerin auszubilden.
Doch der kleinen Stadt Haithabu stehen unruhige Zeiten bevor…

Meine Meinung
Mit diesem Roman beschäftigt sich Martha Sophie Marcus mit dem Schicksal der Stadt Haithabu, die immer wieder Opfer von Überfällen wurde. Anhand fiktiver Personen schildert sie, wie die Menschen in dieser Zeit des Umbruchs gelebt haben.
Der Schwerpunkt liegt hier zu Beginn klar auf dem Alltag, der Verbreitung des Christentums und den damit einhergehenden kleinen und großen Konflikten, aber mit Fortschreiten der Handlung verlagert sich dies hin zu politischen Entscheidungen und der einen oder anderen Kampfhandlung. Auch eine Liebesgeschichte kann man erwarten, und auch wenn diese für die Handlung doch sehr wichtig ist, so ist sie nicht der Dreh- und Angelpunkt des Romans.
Dabei hangelt sich die Autorin an den historischen Ereignissen entlang, an denen die Hauptpersonen nicht selten direkt beteiligt sind, auch zögert sie nicht, die eine oder andere überlieferte Anekdote über reale Charaktere einzubringen. Es empfiehlt sich, ein wenig Vorwissen über diese Zeit mitzubringen, da doch recht viele historische Persönlichkeiten am Rande erwähnt werden, ohne dass genauer auf sie eingegangen wird.
Die meiste Zeit beschreibt die Autorin Ingunns Erlebnisse, gelegentlich zeigt sie aber auch, wie es Jostein gerade ergeht. Dabei werden nur die Dinge beschrieben, die die beiden Personen auch tatsächlich mitbekommen, was andernorts geschieht wird ausgelassen. Es kommt auch zu der einen oder anderen grausamen Szene, doch anstatt diese in allen Details zu beschreiben, geht Martha Sophie Marcus sehr sparsam mit diesen Beschreibungen um und deutet die schlimmen Dinge nur an. Dies hat mir gut gefallen, insbesondere, da diese Szenen alle für den weiteren Verlauf der Handlung wichtig sind und nicht bloß aufgepfropft wirken.
Während die Handlung zu Beginn recht dicht beschrieben ist und wenige Wochen oder Monate zwischen den einzelnen Kapiteln liegen, werden gen Ende hin die zeitlichen Abstände zwischen den Kapiteln immer länger, ganze Jahre werden übersprungen. Insbesondere die letzten zweihundert Seiten haben sich so etwas gezogen, hatte ich doch den Eindruck, dass der Roman eigentlich schon vorbei sein könnte, wenn nicht ein bestimmtes Ereignis am Ende des Romans hätte stehen sollen.
Hauptperson ist Ingunn, zu Beginn vierzehn Jahre alt, die als Tochter eines reichen Händlers sehr viele Freiheiten genießt. Im Haushalt hilft sie ungern mit, was auch daran liegt, dass ihre Mutter Godelind, inzwischen Christin, sich anscheinend jede Freude versagt und versucht, Ingunn ihren Glauben aufzudrängen. Sie ist sehr offen und spricht aus, was ihr gerade in den Sinn kommt, und auch in anderen Menschen zieht sie Offenheit vor.
Jostein, genannt, Jon, ist genau das Gegenteil von Ingunn. Er ist in sich gekehrt und denkt viel über seine Handlungen und die anderer Leute nach. Als Kämpfer ist er nicht zu verachten, doch seine Fähigkeit, sich nach außen hin bedeckt zu geben, qualifiziert ihn für ganz andere Tätigkeiten.
Neben diesen gibt es noch viele anderen Haupt- und Nebenfiguren – das Personenregister mit Erläuterungen umfasst etwa fünfeinhalb Seiten. Stereotype Darstellungen sucht man hier jedoch weitestgehend vergebens, nur wenige Charaktere sind einseitig gezeichnet, und der eine oder andere zeigt dann doch noch ein anderes Bild von sich.
Neben dem Personenregister weist das Buch noch weitere Zusatzausstattung auf. So ist vorne eine Karte enthalten, hinten findet sich zudem ein Glossar sowie ein Nachwort zu den historischen Ereignissen nach Ende des Buches sowie Erläuterungen zur Entstehung des Romans.

Fazit
Ein wunderschöner Roman, der mich, mit kleinen Abstrichen, wunderbar unterhalten und dabei nebenbei auch ein wenig über die Geschichte der Stadt Haithabu informiert hat.

Robert Lyndon – Schwert und Feuer

AutorRobert Lyndon
TitelSchwert und Feuer
OriginaltitelImperial Fire
ÜbersetzerLeonard Thamm
SerieHawk Quest Band 2
Seitenzahl704
VerlagWunderlich
ISBN978-3-8052-5076-4
Bewertung

Achtung: Diese Rezension enthält kleinere Spoiler zu Der Thron der Welt!

Inhalt
Byzanz, 1081: Der Franke Vallon, Anführer einer Kampftruppe des byzantinischen Kaisers Alexios I. Komnenos, erlangt dessen Aufmerksamkeit, nachdem er sein Leben gerettet hat.
Zum General befördert, wird er nun auf eine diplomatische Mission geschickt, die von Beginn an zum Scheitern verurteilt zu sein scheint: Er soll nach China reisen und dort das Rezept für das sogenannte Donnerkraut, eine gefährliche Waffe, beschaffen.
Doch Vallon ist nicht alleine, seine Gefährten Wayland und Hero, die mit ihm schon um die halbe Welt gereist sind, schließen sich auch dieser Mission an. Und dann ist da noch Lucas, Vallons totgeglaubter Sohn aus erster Ehe, der sich nicht zu erkennen gibt und noch eine Rechnung mit seinem Vater offen hat…

Meine Meinung
Mit Schwert und Feuer hat Robert Lyndon eine Fortsetzung zu Der Thron der Welt geschrieben. Auch wenn dieser zweite Band etliche Jahre nach dem ersten spielt und nicht direkt an ihn anschließt, würde ich nicht dazu raten, ihn ohne den ersten Band zu lesen, denn es wird nahezu vollständig auf eine Einführung der Hauptcharaktere verzichtet. Es wird einfach vorausgesetzt, dass man weiß, wer sie sind und welche Rolle sie im ersten Band gespielt haben, ihre Vergangenheit und die gemeinsamen Erlebnisse werden immer mal wieder kurz angesprochen, ohne, dass es konkret wird und man sich dadurch ein Bild machen könnte.
Trotz der etwa acht Jahre, die zwischen den beiden Romanhandlungen liegen, macht der Autor da weiter, wo er aufgehört hat. Wieder gibt es eine nahezu aussichtslose Reise ins Ungewisse, während der die Gruppe immer wieder in Schwierigkeiten gerät.
Wie schon im ersten Band fällt es mir hier schwer, die Hauptpersonen richtig zu charakterisieren, denn so wirklich viel Persönlichkeit zeigt kaum einer von ihnen. Vallon ist noch immer der Sturkopf, der einfach seinen Weg geht und dabei auch mal die falsche Entscheidung trifft, Hero ist der Gelehrte, der in den acht Jahren sein Wissen erweitert hat und nun zur Anwendung bringt, und Wayland ist der einfühlsame Gefährte, der trotzdem oder auch gerade deswegen Probleme ganz unvorhergesehener Art bekommt. Mit am interessantesten ist wohl Lucas, die heimliche Hauptperson dieses Romans, dessen Mission von Beginn an klar ist, der sich aber nicht unbedingt als Sympathieträger anbietet.
Bis auf ein paar wenige Offiziere bleiben die meisten Söldner aus Vallons Truppe anonym, so dass mich nicht groß berührt hat, wenn hier jemand desertiert oder dort ums Leben gekommen ist, und das war nicht selten der Fall, schließlich geht die Reise durch schwierige Gebiete, und immer wieder muss sich die kleine Kampfeinheit gegen feindliche Soldaten oder gegen die Elemente zur Wehr setzen. Manchmal war mir das dann schon ein wenig eintönig, hat sich das eine oder andere doch wiederholt, dafür gab es dann andere Stellen, die über diese repetitiven Handlungen hinweggetröstet haben. Und auch das geheimnisvolle Reich, das im ersten Band bereits erwähnt wird, spielt wieder eine Rolle, so dass es einen größeren Zusammenhang zwischen den beiden Bänden der Reihe gibt.
Insgesamt hat mir die Handlung des Romans gut gefallen, die Reise selbst war spannend und dabei auch überwiegend glaubwürdig beschrieben, auch wenn ich nicht beurteilen kann, ob der historische Kontext stimmig ist. Manche Nebenstränge der Handlung werden ein wenig schnell abgeschlossen, doch ist dieses Buch auch so umfangreich genug.
Das Ende kam mir dann allerdings wieder ein wenig zu schnell. War der erste Band noch in sich abgeschlossen und ließ die Möglichkeit der Fortsetzung offen, kann man hier von einem regelrechten Cliffhanger reden. Noch konnte ich keine Informationen über einen möglichen Nachfolger finden, doch wäre der hier unbedingt notwendig.
Leider konnte mich der Schreibstil oder vielmehr die Übersetzung nicht völlig überzeugen. Während der erste Band noch von Karolina Fell übersetzt wurde, war hier Leonard Thamm am Werk, der mir bisher völlig unbekannt war. Besonders hat es mich irritiert, dass Vallon hier immer mit „Sir“ angesprochen wurde. Im englischen Original mag diese Anrede die passende sein, aber warum sollte ein Wikinger einen Franken in Byzanz so betiteln? Auch Meter und Grad (Celsius) haben in einem Roman, der im 11. Jahrhundert spielt, nichts verloren, und ich bezweifle, dass sie im Original so zu finden sind, und diverse andere Begriffe kamen mir ebenfalls fehl am Platz vor. Kann man über diese Punkte hinweg sehen, ist der Roman flüssig zu lesen.
Ergänzt wird der Roman noch, wie bereits der Vorgänger, durch eine kurze Chronologie der Ereignisse vor und zum Teil auch während der Romanhandlung sowie eine Karte, auf der die Hauptpunkte der Reise zu finden sind. Auf ein Nachwort zum historischen Kontext wurde leider verzichtet, so dass unklar ist, inwiefern der Romaninhalt nun pure Fiktion und wo vielleicht ein Körnchen Wahrheit enthalten ist.

Fazit
Lässt man die Defizite der Übersetzung außen vor, so ist auch dieser Roman wieder sehr unterhaltsam, die Reise spannend beschrieben, wenn er auch nicht ganz an den Vorgänger heranreicht. Große Gefühle sollte man nicht erwarten, dafür wird man in Gegenden entführt, die man sehr selten in historischen Romanen betritt.

Vielen Dank an den Wunderlich-Verlag für das Rezensionsexemplar!