Robyn Young – König des Schicksals

AutorRobyn Young
TitelKönig des Schicksals
OriginaltitelKingdom
ÜbersetzerNina Bader
SerieInsurrection Trilogie Band 3
Seitenzahl640
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-7341-0076-5
Bewertung

Achtung: Diese Rezension enthält kleinere Spoiler zu Rebell der Krone und Krieger des Friedens!

Inhalt
Perth, 1306: Gerade einmal drei Monate ist es her, dass Robert Bruce zum König Schottlands gekrönt wurde. Doch er hat nicht viele Anhänger, viele Schotten unterstützen seine Rivalen, die Comyns. Um sich Sympathien der Bevölkerung zu sichern plant er einen Hinterhalt auf die Stadt Perth, die von Aymer de Valence, einem erbitterten Feind Bruce‘, besetzt und schikaniert wird. Doch Bruce befehligt nur tausend Mann, darunter viele Bauern.
In der Nacht vor dem geplanten Angriff wird Bruce‘ Armee selbst angegriffen, viele seiner Männer getötet, andere gefangen genommen, und er selbst kann nur knapp entkommen. War Verrat im Spiel?

Meine Meinung
Mit König des Schicksals liegt der abschließende Band über das Leben des Robert Bruce vor, in dem über die Zeit von 1306 bis 1314 berichtet wird.
Wie schon im zweiten Band wird auch hier auf Rückblicke und die Vorstellung der einzelnen Charaktere weitestgehend verzichtet, man bekommt nur wenige Hinweise darauf, was zuvor geschehen ist. Dies führt zwar dazu, dass man nicht gelangweilt wird, sollte man die drei Bände der Reihe kurz hintereinander lesen, liegt jedoch ein größerer Zeitraum dazwischen oder versucht man gar, diesen Band zu lesen, ohne die anderen zu kennen, fällt der Einstieg doch sehr schwer. Zwar gibt es ein Personenverzeichnis, das sämtliche auftretende Personen, real wie fiktiv, auflistet und kurz ihre Position beschreibt, doch ist dies nicht unbedingt ausreichend, um sie auch richtig einordnen zu können. Aus diesem Grund würde ich dringend empfehlen, diese Trilogie weitestgehend am Stück zu lesen.
Robyn Young auch schafft es auch hier, die Personen menschlich darzustellen, ohne sie zu sehr zu verbiegen. So ist Robert Bruce ein Mann mit Ecken und Kanten, mal freundlich, mal voller Hass, er trifft Fehlentscheidungen, dennoch ist er weitestgehend sympathisch, so dass ich gerne über ihn gelesen habe. Doch auch die Darstellung König Edwards hat mir hier gefallen, ist sie doch nicht unbegründet negativ, sondern zeigt auch seine Gründe für seine Handlungen auf. Auch er wird zum Menschen, der unter seiner Krankheit leidet und das Erreichen seines Ziels, Bruce zu vernichten, noch erleben will.
Dadurch, dass es inzwischen eine Vielzahl an Charakteren gibt, ist es leider nicht möglich, allen Leben einzuhauchen. Diejenigen, die Bruce nahestehen, sind jedoch weit mehr als nur die Darstellung ihrer Rolle, manche waren mir doch sehr ans Herz gewachsen, dass ich über den einen oder anderen Abschied doch recht traurig war.
Auf Romantik, wo es aller Wahrscheinlichkeit nach auch keine gegeben hat, wird verzichtet, dafür ist der Roman dann doch recht kriegslastig, geht es doch um die Sicherung der schottischen Krone. Die Ereignisse werden schonungslos beschrieben, manche, die mir vorher nicht bekannt waren, haben mich doch entsetzt zurück gelassen. Man sollte also nicht allzu zart besaitet sein, wenn man sich für diese Reihe entscheidet.
Eine wichtige Rolle spielt auch hier die (fiktive) Prophezeiung, die dazu geführt hat, dass König Edward Reliquien der britischen Länder unter seine Kontrolle gebracht hat. Diese Erfindung der Autorin fügt sich nahtlos in die Handlung ein, hätte aber nicht sein müssen, um den Roman spannend zu gestalten.
Die Übersetzung von Nina Bader ist weitestgehend gelungen, doch wieder einmal sind es die Häufung von Partizipien und die dadurch entstehenden Schachtelsätze, mit denen ich insbesondere zu Beginn meine Probleme hatte. Ein Beispiel: „Robert blickte sich um, als zwei mit einem Weidenkorb, aus dem hastig zusammengepackte Kleidungsstücke heraushingen, bepackte Diener aus dem Gebäude hinter ihm stolperten.“ (S. 12) So eine Satzstellung ist doch im Deutschen eher ungewohnt, manche Sätze musste ich mehrmals lesen, und immer wieder habe ich mich dabei erwischt, wie ich mich stärker auf den Satzbau als auf den Inhalt des Romans konzentriert habe. Man gewöhnt sich daran, jedoch wäre es bestimmt möglich gewesen, dies anders zu lösen.
Abgerundet wird dieser Abschlussband wie auch die Vorgänger durch Zusatzmaterial wie das bereits erwähnte Personenregister, einer Karte der britischen Inseln sowie einem ausführlichen Glossar und ebenso umfangreichen Anmerkungen zu Wahrheit und Fiktion.

Fazit
Ein würdiger Abschluss der Trilogie über eine interessante Persönlichkeit der schottischen Geschichte, die ich jedem ans Herz legen möchte, der sich für diese Zeit interessiert. Als Einzelband allerdings nicht zu empfehlen.

Vielen Dank an den Blanvalet-Verlag und das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar!

Rebecca Gablé – Von Ratlosen und Löwenherzen

AutorRebecca Gablé
TitelVon Ratlosen und Löwenherzen
Seitenzahl239
VerlagBastei Lübbe
ISBN978-3-404-64242-7
Bewertung

Inhalt
Von 450 bis 1485, vom Zeitpunkt, zu dem die Römer England verließen und die Angeln die Insel zu bevölkern begannen, bis zur Schlacht von Bosworth, die das Ende der Rosenkriege markiert, so wird in England das Mittelalter definiert. Rebecca Gablé, die vor allen Dingen durch ihre England-Romane bekannt geworden ist, gibt hier einen kurzen Überblick über diese Zeit.

Meine Meinung
Sachbücher gehören eigentlich nicht zu meinem bevorzugten Lesestoff, viel lieber tauche ich durch Romane in vergangene Zeiten ein. Doch da ich bisher von Rebecca Gablé noch nicht enttäuscht worden bin, war ich auf dieses Buch doch sehr gespannt.
Die Autorin führt hier chronologisch durch das englische Mittelalter, erklärt, wie manche verzwickte Situation zustande gekommen ist, und während das Hauptaugenmerk zwar auf der regierenden Schicht liegt, so wird der Blick auf die normale Bevölkerung auch nicht vergessen.
Auch wenn dieses Sachbuch mit etwa 240 Seiten nicht gerade umfangreich ist, war ich doch etwas enttäuscht darüber, dass dem halben Jahrtausend, in dem England von Angelsachsen beherrscht wurde, und damit der Hälfte der Zeit, die als Mittelalter bezeichnet wird, nicht einmal dreißig Seiten gewidmet wird. Und während dieser wenigen Seiten geht es überwiegend um die Besiedelung beziehungsweise Eroberung des Landes durch die verschiedenen Völker, Sachsen wie Nordmänner. Auch wenn es da noch kein „Königreich England“ gegeben hat, wäre es doch interessant gewesen, mehr über diese Zeit zu erfahren. Erst König Alfred dem Großen wird mehr Aufmerksamkeit gewidmet, danach geht es direkt zu den Ereignissen über, die zu dem Einzug der Normannen in 1066 geführt haben.
Dafür bleibt für die besser dokumentierten Jahrhunderte nach 1066 mehr Raum. Nur ist es aber auch gerade diese Zeit, über die ich bereits recht gut Bescheid weiß und über die es eine große Auswahl an Romanen gibt – zu einigen Jahren und Ereignissen mehr, zu anderen eher weniger – weshalb ich wenig neue Informationen aus dem Buch ziehen konnte. Und leider bleibt die Autorin auch sehr auf England konzentriert, doch Geschichte eines Landes funktioniert nicht, ohne dass man auch einen Blick auf die benachbarter Länder wirft. So wird zwar immer mal wieder Bezug auf diese genommen, doch fehlt da oft der Gesamtzusammenhang, so dass der Überblick schnell verloren gehen kann, wenn man sich mit der Zeit wenig auskennt.
Der Schreibstil ist es jedoch, der dafür gesorgt hat, dass keine Langeweile aufkam, denn er ist spritzig und humorvoll, manche Formulierung hat mich zum Schmunzeln gebracht. Die eine oder andere Formulierung war mir dann allerdings doch zu locker und unpassend, wenn beispielsweise Alienor von Aquitanien als Skandalnudel bezeichnet wird.
Etwas verwirrt hat mich die Erwähnung von Artus. So wird ziemlich zu Beginn behauptet, dass es Belege dafür gibt, dass er sich den Angelsachsen in zwölf Schlachten entgegenwarf und zwölf Mal siegte (S. 12). Im späteren Verlauf wird jedoch gesagt, dass es Artus nie gegeben hätte (S. 150).
Wie man es bei einem Sachbuch erwarten kann, erhält auch dieses Buch diverse Zusatzmaterialien wie Karten von England und Frankreich, eine Zeittafel, einen Stammbaum der Könige ab Alfred dem Großen sowie zahlreiche Illustrationen, leider nur in Schwarz-Weiß. Diese Zusatzinformationen hätten gerne noch umfangreicher und detaillierter ausfallen können, insbesondere der Stammbaum englischer Könige ist doch sehr knapp gehalten und bietet kaum mehr als die direkte Abstammungslinie von Alfred dem Großen bis hin zu den Kontrahenten der Rosenkriege.

Fazit
Ein seriöses Sachbuch liegt hier nicht vor, aber das will dieses Buch auch gar nicht sein. Wer sich einen groben Überblick über das englische Mittelalter verschaffen will, insbesondere über die Könige von 1066 bis 1485, und sich dabei gut unterhalten wissen will, der macht mit diesem Buch wenig falsch. Wenn man sich dagegen schon recht gut mit der genannten Zeit auskennt, bietet dieses Buch wenig Neues.

Ursula Neeb – Die Rache der Hurenkönigin

AutorUrsula Neeb
TitelDie Rache der Hurenkönigin
SerieDie Hurenkönigin ermittelt Band 4
Seitenzahl349
VerlagUllstein
ISBN978-3-548-28603-7
Bewertung

Inhalt
Frankfurt zur Herbstmesse 1522: Zehn Jahre nach den letzten Mordfällen, in die die Hurenkönigin Ursel Zimmer involviert war, wird eine junge Frau brutal ermordet und wie die Schmerzensmutter Maria hergerichtet auf der Straße aufgefunden – zu einer Zeit, zu der sich die Anhänger Luthers und des katholischen Glaubens sowieso nicht über den Weg trauen heizt dies die Stimmung nur weiter auf, denn gegenseitige Anschuldigungen bleiben nicht aus.
Schon bald wird Ursel als Beraterin hinzugezogen, besitzt sie doch ein besonderes Gespür für Mordfälle. Doch dann geschieht ein weiterer Mord und Ursel ist persönlich betroffen…

Meine Meinung
Mit Die Rache der Hurenkönigin liegt der vierte und abschließende Band der Krimireihe um die ehemalige Hure Ursel Zimmer vor. Eigentlich hatte ich mir nach dem letzten Band, der mir schon nicht gefallen hat, vorgenommen, diese Reihe nicht weiter zu verfolgen, aber da man davon ausgehen kann, dass dies definitiv der letzte Band sein wird und ich Reihen gerne abschließe, habe ich mich doch durchgerungen, diesem Buch doch noch eine Chance zu geben. Mit 350 Seiten ist dieses auch nicht allzu umfangreich, sodass es nicht allzu viel Zeit in Anspruch genommen hat.
Dieser Band spielt also zehn Jahre nach dem Vorgänger, in einer Zeit des Umbruchs. Von Ursels Tätigkeit als Meisterin des Hurenhauses ist hier nicht mehr viel zu spüren, dieser Aspekt der Reihe wird zur Nebensächlichkeit, und auch die anderen Hübschlerinnen, die in den vorherigen Bänden eine mal mehr, mal weniger große Rolle gespielt haben, werden kaum noch erwähnt. Andere Dinge haben sich jedoch nicht verändert, und so ist Ursel weiterhin unverheiratet. Dass sie jedoch einen Lebensgefährten hat, dem sie seit Jahren treu ist, scheint weder ihrem noch seinem Ruf zu schaden – zu Beginn der Neuzeit für mich eigentlich unverständlich.
Der Lebensgefährte Ursels, der Gelehrte Bernhard von Wanebach, sollte ebenfalls aus den Vorgängern bekannt sein. Er steht zu seiner Geliebten, zeigt seine Zuneigung auch öffentlich und unterstützt sie in allen Belangen. Seit dem letzten Band hat er sich jedoch nicht weiterentwickelt, dort hat er plötzlich Seiten gezeigt, die ich eher einem trotzigen Teenager zugetraut hätte, und auch dieses Mal zeigt er eine merkwürdige Reaktion, die meiner Meinung nach nicht zu seinem Charakter passt und noch dazu eine sehr wichtige Rolle einnimmt.
Mit den meisten Nebencharakteren wie dem Dekan Cochläus und dem fallsüchtige Michel habe ich mich sehr schwer getan, sind sie doch sehr einseitig dargestellt und entsprechen den gängigen Klischees.
Nun könnte man meinen, dass der Einstieg in diesen Roman recht gut gelingen sollte, wenn kaum aus den Vorgängern bekannte Personen auftauchen oder diese keine wichtige Rolle einnehmen. Dies ist aber eher nicht so, denn immer wieder wird Bezug auf die alten Fälle genommen, dieser Mord und jene Person erwähnt und Ursel als kriminalistisches Wunder gepriesen, sie wird sogar dazu aufgefordert, ein Buch über ihre Ermittlungen zu schreiben. Und dann wird Ursel auch noch offiziell als Beraterin der „Polizei“ hinzugezogen. Hier war dann der Punkt erreicht, zu dem mir das alles zu überzogen, sogar nahezu albern wurde. Nicht nur, dass ich es ziemlich an den Haaren herbeigezogen finde, dass man auch nach so langer Zeit noch über Ursels Qualitäten als Ermittlerin redet, sondern generell, dass eine Frau ihres Standes, die in Unzucht lebt und alleine deshalb von der Gesellschaft gemieden werden sollte, so hochgelobt wird. Stutzig gemacht hat mich in dem Zusammenhang auch das Wort Polizei beziehungsweise Polizeiwache, denn diese Institution gab es noch nicht. Passender wäre hier der Begriff Büttel oder Stadtknecht gewesen.
Im Laufe der Ermittlungen gibt es diverse falsche Fährten, doch war mir klar, wer der Täter ist, nachdem er das erste Mal aufgetreten ist, und die falschen Fährten waren eigentlich als solche doch recht offensichtlich, ich hatte auf eine andere Entwicklung gehofft, und so war die Handlung doch insgesamt recht spannungsarm, was auch durch die hohe Brutalität der Morde nicht geändert werden kann.

Fazit
Vorhersehbar und spannungsarm, noch dazu mit sehr unglaubwürdigen Anspielungen auf die vorherigen Bände gespickt. Mir hat dieser Krimi nun überhaupt nicht gefallen und ich war froh, dass diese Reihe mit diesem Band wohl abgeschlossen sein wird. Nur etwas für Fans der Reihe.

Frank Goyke – Fersengeld

AutorFrank Goyke
TitelFersengeld
Seitenzahl252
Verlagberlin.krimi.verlag
ISBN978-3-89809-029-9
Bewertung

Inhalt
Havelberg, 1431: Der Beckergeselle Christian Eichkatz liebt die Tochter seines Meisters, die allerdings einem Anderen versprochen ist. Als die beiden eines Abends gemeinsam erwischt werden, wird Christian des Hauses verwiesen. Auch die Eltern wollen ihn nicht wieder bei sich aufnehmen, hat er doch ihren guten Ruf beschmutzt.
Also verlässt Christian die Stadt und zieht in Richtung Berlin, nur um kurz darauf von Melchior, dem Sohn des Bäckers, eingeholt zu werden, der sich den Hussiten anschließen will.
In Rathenow treffen die beiden auf den Ritter Veit von Ribbeck. Gemeinsam werden sie Zeuge eines Mordes, der mehr ist, als er zu sein scheint…

Meine Meinung
Bis vor Kurzem hatte ich noch nie von dem Autor Frank Goyke gehört, und wenn mir dieser Krimi nicht eher zufällig in die Hände gefallen wäre, wäre es auch dabei geblieben. Gelesen habe ich diesen Roman auch nur deshalb, weil er mit seinen gerade einmal 251 Seiten zu den dünnsten im Regal gehört und ich ein Buch für wenige Stunden gesucht habe.
Zu Beginn hat mich dieser Krimi dann auch zunächst angesprochen, ein Prolog, in dem ein Verbrechen geplant wird, hat meine Neugier geweckt, war doch nicht klar, wer hier spricht und worum es eigentlich geht. Auch der eigentliche Einstieg war dann zwar wie erwartet eher gemächlich, aber nicht uninteressant. Positiv fand ich, dass hier mit den Hussiten und der Darstellung ihrer Ideologien und dem drohenden Ende des Ritterstands und dem Aufstieg der Bürger tatsächlich ein historischer Bezug geschaffen wird, so dass der Roman tatsächlich zu keiner anderen Zeit hätte spielen können. Leider haben sich auch kleinere Fehler eingeschlichen, die sich durch ein wenig mehr Recherche hätten vermeiden lassen, wie beispielsweise das Auftreten der Syphilis, die aber erst nach der Entdeckung Amerikas nach Europa gekommen ist, 1431 aber in Europa unbekannt war.
Der Mordfall, in den die drei Reisenden hineinstolpern, ist zunächst nicht unspannend, und die Reaktionen der Protagonisten sind ebenfalls angemessen. Wer allerdings erwartet, dass unsere Reisenden sich nun tatsächlich mit der Aufklärung befassen, liegt falsch, denn diese Aufgabe übernehmen andere Personen, während die drei jungen Männer weiterziehen. Dadurch hatte ich den Eindruck, dass die Auflösung des Falls eher in den Hintergrund rückt, zumal der Ermittler selbst recht blass bleibt. Es gibt auch diverse falsche Fährten, die mich aber nicht sehr interessiert haben, weil ich zu dem Zeitpunkt eher daran interessiert war, wie es eigentlich mit unserem Gesellen weitergeht.
Während die Schilderung der Geschehnisse weitestgehend glaubwürdig verläuft, ist sie dagegen an anderen Stellen sehr salopp gehalten, sie wird beinahe ins Lächerliche gezogen. Und die zunächst überzeugend beschriebenen Charaktere werden ab einem bestimmten Punkt zu Karikaturen, erst zum Ende hin bessert sich dies wieder. Insbesondere die Darstellung von Melchiors Aufeinandertreffen mit den Hussiten ist so absurd, dass ich das Buch nicht mehr ernst nehmen konnte. Nun mag die Grundaussage stimmen, die während dieses Treffens vermittelt wird, die Umsetzung hat mich aber so gar nicht angesprochen.
Auch das Ende dieses Romans hat mich enttäuscht, denn während der Kriminalfall abgeschlossen ist, lässt mich Christians Schicksal eine Fortsetzung erwarten, die aber meines Wissens nie erschienen ist.
Was mich im Nachhinein sehr stutzig gemacht hat ist der Untertitel dieses Buches: Die Hübschlerin und der Tod des Kaufmanns. Es kommt zwar die eine oder andere Hübschlerin vor, jedoch nicht in einer Rolle, die diesen Untertitel rechtfertigen würde.
Zusatzmaterial such man hier übrigens vergeblich. Es gibt zwar eine Danksagung und eine Autorenvorstellung, aber keine weitergehenden Informationen zum Inhalt. Diese wären zur Einordnung nett gewesen, waren allerdings im Jahr 2004 noch nicht so weit verbreitet wie heute.

Fazit
Wenn man dieses Buch wie ich zufällig in die Finger bekommt und eine kurzzeitige Unterhaltung sucht, dann kann man hier vielleicht mal hinein schnuppern. Allen anderen würde ich eher den Griff zu anderen historischen Krimis raten, die diese Bezeichnung eher verdienen und durch ihre Recherche und Darstellung überzeugen können.

Michael Blake – Der Tanz des Kriegers

AutorMichael Blake
TitelDer Tanz des Kriegers
OriginaltitelThe Holy Road
ÜbersetzerPetra Kall
SerieDer mit dem Wolf tanzt Band 2
Seitenzahl399
VerlagBastei Lübbe
ISBN978-3-404-15059-5
Bewertung

Inhalt
USA, 1874: Seit elf Jahren lebt Lieutenant John J. Dunbar unter dem Namen Der-mit-dem-Wolf-tanzt bei den Comanchen, zusammen mit seiner Frau, ebenfalls einer Weißen, und ihren drei Kindern. Die Lebensweise ihres Volkes ist ihnen fremd geworden und sie halten sich vor den Weißen verborgen.
Doch als eines Tages Siedler Die-sich-mit-der-Faust-behauptet sehen und sie vor den Indianern retten wollen, bleibt Der-mit-dem-Wolf-tanzt nichts anderes übrig, als wieder zu John Dunbar zu werden und sich auf die Suche nach ihr zu begeben.
Doch nicht nur für den ehemaligen Lieutenant bringt die Begegnung mit den Weißen Leid, denn ihre Lebensgrundlage, die Büffelherden, wird ihnen von den Weißen genommen. Ihnen bleibt die Wahl, sich den Bedingungen des Präsidenten in Washington zu beugen oder sich auf den Kriegspfad zu begeben. Welches ist die richtige Entscheidung?

Meine Meinung
Mit Der Tanz des Kriegers setzt der inzwischen verstorbene Autor Michael Blake seine Geschichte um den Soldaten und Krieger Der-mit-dem-Wolf-tanzt fort. War der erste Band aber noch eine Art Abenteuerroman über einen Aussteiger, der sich mit der Lebensweise der Comanchen vertraut macht, so handelt es sich hier um eine Geschichte um das Ende der freien Comanchen, in der es nicht nur eine Hauptperson gibt. Vielmehr kristallisieren sich hier schon recht bald mehrere Hauptpersonen heraus, zwischen denen der Autor immer wieder hin und her springt.
Da ist neben Der-mit-dem-Wolf-tanzt beispielsweise Der-viel-lächelt, ein junger Krieger, der gut mit Pferden umgehen kann, aber ansonsten wenig Bedeutendes vollbracht hat, der aber für die Enkelin von Zehn Bären schwärmt. Auch Weiser Vogel, der neugierige Medizinmann, der John Dunbar schon im ersten Band eine Chance eingeräumt hat und der sich sehr für die Lebensweise der Weißen interessiert, spielt wieder eine Rolle, und auch Wind im Haar, der Anführer der Lanzenträger und somit ein wichtiger Krieger des Stammes, soll nicht unerwähnt bleiben.
All diese Personen haben ihre eigenen Erlebnisse, die oft zusammenhängen, manches Mal aber auch nebeneinander her laufen, um sich dann wieder zu überschneiden. Manche dieser Charaktere lehnen sich zumindest an historischen Personen an, auch einige der Ereignisse haben so oder ähnlich stattgefunden, und insbesondere über das Schicksal des Stammes wird man nicht im Trüben gelassen. Und so ist die Handlung schon überwiegend traurig und teilweise sogar schockierend, obwohl doch eigentlich genügend darüber bekannt ist.
Das Buch ist in einer nüchternen, deutlichen Sprache verfasst, die kaum emotionale Tiefe zulässt, es wird sehr viel mehr beschrieben als gezeigt. Dies ist in Anbetracht der Handlung vielleicht auch nicht verkehrt, jedoch kommt so kaum eine Bindung zu den Charakteren zustande. Bis auf die Hauptpersonen bleiben die meisten sowieso sehr blass, sie handeln getreu ihren Rollen als Krieger, Vermittler oder „böse weiße Büffeljäger“. Über den Alltag der Comanchen erfährt man wie im ersten Band nur dann etwas, wenn es für die Handlung relevant ist. Auch wörtliche Rede findet man kaum, sehr oft nur hier und da mal einen Satz, ohne Antwort des Dialogpartners, echte Gespräche sind dagegen selten. Im Vergleich zum ersten Band ist diese Fortsetzung aber stilistisch schon besser geschrieben, die Sätze erschienen mir nicht ganz so abgehackt, was aber auch an der Übersetzung liegen kann.
Im Großen und Ganzen war mir der Roman zu kurz gefasst, eine Ansammlung von Episoden, die alle zu einem Punkt führen. Mehr Details über das Leben an sich, eine emotionalere Darstellung, die mehr als nur die äußere Sicht beschreibt, mehr als nur oberflächlich beschriebene Charaktere hätten aus der Handlung, die für sich genommen stimmig ist, einen guten Roman gemacht.

Fazit
Stilistisch besser als sein Vorgänger, jedoch durch die Konzentration auf mehrere verschiedene Hauptpersonen sehr zerpflückt, kann mich auch dieser zweite Band der Reihe nicht überzeugen, dazu ist die Erzählung einfach zu gestrafft, zu oberflächlich. Wer jedoch wissen will, wie das Leben von Der-mit-dem-Wolf-tanzt weitergeht, kommt um dieses Buch bisher nicht herum, denn eine mögliche Verfilmung lässt weiterhin auf sich warten.